1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Peißenberg

Auf diese Kohle haben sie in Peißenberg lange warten müssen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernhard Jepsen

Kommentare

So war’s 2017: Unter Anleitung von Johann Mayr (links) und dem inzwischen verstorbenen Jakob Sailer setzte die damalige Rathauschefin Manuela Vanni den Meiler in Brand.
So war’s 2017: Unter Anleitung von Johann Mayr (links) und dem inzwischen verstorbenen Jakob Sailer setzte die damalige Rathauschefin Manuela Vanni den Meiler in Brand. © Jepsen

In Peißenberg wird bald wieder Rauch aufsteigen. Der Verein „Bier & Tradition“ lädt nach einer Pause von fünf Jahren wieder zu den Köhlertagen auf dem Festplatz an der Moosleite ein. Die Veranstaltung, die zwischen 24. Juni und 2. Juli terminiert ist, soll im gemütlichen Rahmen ablaufen.

Peißenberg – Am kommenden Freitag ist es wieder soweit: Dann werden über Peißenberg wieder Rauchzeichen aufsteigen und rund um die Bergehalde räucherähnliche Düfte in der Luft liegen. Um 18:30 Uhr wird Bürgermeister Frank Zellner die Ehre haben, einen Kohlenmeiler in Glut zu setzen und damit die sechste Auflage der „Peißenberger Köhlertage“ zu eröffnen.

Der veranstaltende Verein „Bier & Tradition“ hat sich lange gedulden müssen. Die Köhlertage fanden zuletzt 2017 statt. Im turnusmäßigen Zwei-Jahres-Rhythmus wäre eigentlich schon 2019 die sechste Auflage auf dem Programm gestanden. Doch in dem Jahr feierte die Gemeinde ihr 100-jähriges Marktjubiläum. Der Festplatz war deshalb für den Verein „Bier & Tradition“ nicht verfügbar. Und dann kam Corona. 2020 und 2021 war aufgrund der Pandemie an die Veranstaltung von Köhlertagen nicht zu denken. „Aber heuer packen wir’s an“, kündigt Vereins-Chef Franz-Josef Fischer an.

Die Köhlertage sollen gemütlich über die Bühne gehen. Großes Party-Rambazamba wird es nicht geben. „Das wäre der Zeit irgendwie auch nicht angemessen“, verweist Fischer auf den Ukraine-Krieg – und überhaupt: „Partys und Köhlerei, das passt irgendwie nicht zusammen.“ Ein Festzelt wird während der Köhlertage nicht aufgebaut. Die Musikauftritte mit „JaMai“ (24. Juni ab 19 Uhr) und der Stiangglander-Musi (29. Juni ab 18 Uhr) finden ebenso im Freien statt wie der Familiennachmittag mit „Frohsinn 2000“ (26. Juni ab 13 Uhr).

An den beiden Auftakttagen gibt es übrigens Köstlichkeiten aus der Küche von „Zellner kocht“. Steht der Rathauschef etwa persönlich hinterm Herd? „Nein, es kochen weder der Bürgermeister noch seine Frau“, erklärt Fischer schmunzelnd. Gemeint ist der Catering-Service von Elisabeth Zellner. An den restlichen Tagen werden neben dem legendären Knappentrunk aus Fischers „Plötz 2“-Hausbrauerei Brotzeiten und kleinere Speisen kredenzt – unter anderem Carbonara, die traditionelle Leibspeise der Köhler.

Intern hat sich der Verein „Bier & Tradition“ einen genauen Ablaufplan zurechtgelegt. Die Aufgaben (Genehmigungseinholung, Materialbeschaffung, usw.) sind auf die rund ein Dutzend aktiven Mitglieder verteilt. Die Vorfreude ist groß: „Die Köhlertage sind ein absolutes Highlight für uns“, sagt Johann „Gmoaschreiber“ Mayr, der zweite Vorsitzende: „Das Drumherum um den Meiler und der Prozess, wie aus Holz Kohle wird, sind einfach faszinierend. Es ist wie ein Überraschungsei. Man weiß bei der Köhlerei nie, was am Ende rauskommt.“

Mit den Köhlertagen will sich der Verein auch dem Thema „Köhlerei in Zeiten der Klimadebatten“ stellen. Verwendet wird ausschließlich Peißenberger Holz, das 2018 von der Gemeinde im Zuge des Eschen-Sterbens gestiftet worden war und seitdem auf dem Grundstück beim „Gmoaschreiber“ in der Bachstraße vorgelagert wurde. Die Verkohlung läuft damit nach Aussagen des Vereins nahezu kohlendioxidneutral ab. „Die Köhlertage finden ja auch nur alle paar Jahre statt. Und der Rauch besteht nur aus Wasserdampf und ein bisserl Schwefel. Mehr ist das nicht“, erklärt Mayr. Glück hatte man beim Fichtenholz, das für den Meiler-Kamin benötigt wird. „Zu dieser Jahreszeit schneidet eigentlich niemand Fichten um. Doch dann hat sich ein Bekannter von der Berghofsiedlung gemeldet“, erzählt Mayr. Insgesamt werden für den Kaminbau zwei Ster Fichtenholz gebraucht. Insgesamt sollen aus 18 Ster Buchen- und Eschenholz etwa 1400 Kilo Holzkohle produziert werden. Verkauft wird die Menge in Zehn-Kilo-Säcke –und zwar am 1. und/oder am 2. Juli. Einen genauen Zeitplan für den Absatz kann es nicht geben, weil die Köhlerei von der Witterung und insbesondere vom Wind abhängt.

Der Meiler wird während der Verkohlung rund um die Uhr bewacht. Interessierte sind herzlich willkommen. „Es kann jeder zum Festplatz hochkommen und Fragen stellen“, hofft Mayr auf viel Resonanz - und auch auf Gelassenheit: „Es ist schon vorgekommen, dass bei den Köhlertagen von einem Bewohner der Spitzwegstraße wegen dem Brandgeruch vom Meiler die Feuerwehr angerufen wurde.“

Auch interessant

Kommentare