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Bei der Habeck-Gegendemo 2019 in Peißenberg  demonstrierte Regina Schropp ihre Nähe zu AfD-Kreischef Rüdiger Imgart.

Politischer Streit eskaliert

Wegen AfD-Kandidatur: Bayernpartei will Schropp rauswerfen

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Die Kandidatenlisten der AfD für die Kommunalwahl im Landkreis sind jetzt öffentlich. Auf der Kreistagsliste steht Bayernpartei-Kreisrätin Regina Schropp. Ihre Partei will sie deshalb rauswerfen. Ein Antrag auf Parteiausschluss ist gestellt.

Update, 26. März: Nicht mehr lange bis zu den Stichwahlen im Landkreis Weilheim-Schongau: In unserem Live-Ticker erfahren Sie Ergebnisse, News und Reaktionen vom Wahltag. 

Landkreis – Die Alternative für Deutschland (AfD) im Landkreis hatte um ihre Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März ein Geheimnis gemacht. Im Gegensatz zu anderen Parteien und Gruppierungen teilte der AfD-Kreisverband nach den Aufstellungsversammlungen keine Namenslisten mit. Auch war die Presse zu den Versammlungen nicht eingeladen. Kreischef Rüdiger Imgart hatte die Anonymisierung mit einem Schutz der eigenen Kandidaten vor Repressionen begründet.

Schropp auf Listenplatz 6

Seit Dienstag sind alle zugelassenen Wahlvorschläge öffentlich. Auch die der AfD: Sie tritt auf Kreisebene, in Weilheim, in Peißenberg sowie mit einer Zwei-Personen-Liste in Seeshaupt an. Dass der Weilheimer Imgart als Landratsbewerber die Kreistagsliste anführt war keine Überraschung. Dass zudem Regina Schropp bei der AfD auf Platz sechs steht, dagegen schon. Die 46-jährige Peißenbergerin galt als Frontfrau der Bayernpartei, sitzt für diese im Kreistag und war in der Vergangenheit erfolglos als Landtagskandidaten angetreten. Schropp, damals stellvertretende Generalsekretärin der Bayernpartei, war im Sommer 2019 bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sie für den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck ein Einreiseverbot im Landkreis gefordert hatte. Bei ihrer Demonstration gegen Habeck bei dessen Auftritt in Peißenberg demonstrierte Schropp offen ihre Nähe zur AfD. Es kam zum Bruch mit der Bayernpartei, die sich von Schropp distanzierte. Die Kreisvorsitzende stellte sich beim Landesparteitag nicht mehr als Vize-Generalsekretärin zur Wahl. Ihr Privatleben sei zwischenzeitlich wichtiger als das Engagement in der Partei, lautete eine Begründung.

Antrag auf Parteiausschluss

Jetzt eskaliert der politische Streit. Es sei ein Antrag zum Parteiausschluss gegen Schropp eingegangen, teilt Kreistagsspitzenkandidat Tobias Schwaiger aus Wielenbach mit. Grund sei „ihre satzungswidrige Kandidatur auf der Kreistagsliste der AfD“, wie es in der Mitteilung heißt. Schwaiger selbst attackiert die neue politische Heimat seiner Noch-Parteifreundin: „Die AfD ist eine deutsch-nationale und in Teilen rechtsextremistische Partei, deren Gedankengut den föderalen, liberalen und bayerischen Werten der Bayernpartei diametral entgegensteht. Eine Kandidatur für einen Kreisverband, der Faschisten wie Björn Höcke zu Veranstaltungen einlädt, ist kein Partner sondern ein Gegner der Bayernpartei.“ Schropps „wiederholte Verstöße“ gegen die Werte und Satzung müssten zu einem Parteiausschlussverfahren führen. Entscheiden muss darüber aber nicht der Kreisverband, das laufe über den Landesvorstand, sagt Schwaiger.

„Das können sie sich sparen“

Schropp, die nach eigener Aussage von dem Antrag nichts wusste, reagierte gestern auf den drohenden Ausschluss gelassen. „Das können sie sich sparen.“ Sie verweist auf ein Telefonat mit Bayernpartei-Generalsekretär Hubert Dorn am 28. Dezember: Darin habe sie um einen Kreisparteitag gebeten, um „ordnungsgemäß mein Amt zu übergeben“ und ihren Austritt zu erklären. „Das wurde mir verwehrt.“

„Extremer Linksrutsch der Bayernpartei“

Schropp ist seit zehn Jahren bei der Bayernpartei. Dass sie nun bei der AfD kandidiert, erklärt sie mit einem „extremen Linksrutsch der Bayernpartei“. Zudem führt die Peißenbergerin persönliche Gründe an: „Jeder unterstützt seinen Lebensgefährten“, verweist sie auf ihre Beziehung zu AfD-Spitzenkandidat Imgart.

Bei der Aufstellungsversammlung der Bayernpartei in Oderding war Schropp anwesend. „Sie hätte da ihren Austritt erklären können“, sagt Spitzenkandidat Schwaiger. Pikant: Schropp ist noch Kreisvorsitzende der Bayernpartei. Auf deren Internetseite taucht sie jedoch nicht mehr auf. „Die Stelle ist eigentlich vakant“, sagt Schwaiger. Die Personalia wird beim nächsten Kreisparteitag ein Thema werden. Dieser findet „mit Sicherheit erst nach der Kommunalwahl statt“, heißt es.

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