Banges Warten im Peißenberger Rathaus. 

Kommunalwahl in Peißenberg: Vanni verliert Bürgermeisteramt

  • Bernhard Jepsen
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Paukenschlag in Peißenberg: Bürgermeisterin Manuela Vanni wurde bei der gestrigen Kommunalwahl abgewählt. Sie verpasste gegenüber SPD-Spitzenkandidat Robert Halbritter hauchdünn den Sprung in die Stichwahl. In der „Pole-Position“ liegt nach dem ersten Wahlgang Frank Zellner. Der Frontmann von CSU/ Parteilose holte mit 33,42 Prozent das beste Ergebnis.

Update, 26. März: Nicht mehr lange bis zu den Stichwahlen im Landkreis Weilheim-Schongau: In unserem Live-Ticker erfahren Sie Ergebnisse, News und Reaktionen vom Wahltag. 

Peißenberg – Alfred Hitchcock hätte kein spannenderes Drehbuch für die gestrige Bürgermeisterwahl in Peißenberg schreiben können. Als um 18.16 Uhr die erste von 22 Schnellmeldungen aus den Stimmbezirken im Rathaus eintrudelte, war klar, dass es zwischen Robert Halbritter und Amtsinhaberin Manuela Vanni ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug in die Stichwahl geben würde. Beide lagen bei rund 26 Prozent. Frank Zellners Balken hingegen ragte auf der Grafik schon weit über die 30 Prozent-Marke hinaus. Walter Wurzinger (Freie Wähler) rangierte mit 14,3 Prozent im geschlagenen Feld.

Nach 20 Schnellmeldungen lagen Vanni und Halbritter bei 26,1 Prozent sogar gleichauf. Beide verfolgten den Wahlkrimi im kleinen Sitzungssaal, wo per Beamer die aktuellen Ergebnisse präsentiert wurden. Bei der vorletzten Schnellmeldung zog Halbritter erstmals an Vanni vorbei. Der Bürgermeisterin schwante zu diesem Zeitpunkt bereits Böses: „Wenn es so kommt, dann mach’ ich eben eine Weltreise. Aber das ist ja momentan auch eher schlecht“, meinte Vanni. Um 19.12 Uhr war dann klar: Vanni liegt hinter Halbritter – um gerade einmal 19 Stimmen.

Die Enttäuschung war der Bürgermeisterin anzumerken. Dennoch trug sie die Niederlage mit Haltung. „Ich habe mit dem Ergebnis so nicht gerechnet“, räumte sie ein: „Aber es ist mir lieber so, als wenn ich knapp in die Stichwahl eingezogen wäre.“

Aus dem Wurzinger-Lager und von Seiten der SPD-Anhänger – die Genossen und Vanni trennten sich 2011 im Streit – wären in der Stichwahl vermutlich nur wenige Stimmen geflossen. Über die Gründe für ihre Abwahl wollte Vanni am Wahlabend nicht spekulieren. Falls sie für die „Peißenberger Liste“ (PL) in den Marktrat einziehen sollte, so versicherte sie, werde sie das Mandat wie versprochen annehmen. Ob die PL eine Wahlempfehlung für Halbritter oder Zellner abgeben werde, sei indes noch offen.

Frank Zellner, der die meisten Stimmen erhielt, verfolgte die Auszählung nicht im Rathaus. 

Nicht im Rathaus anwesend war der Sieger des ersten Wahldurchgangs. Frank Zellner zog es aufgrund der Corona-Epidemie vor, die Wahl im kleinen Kreis zu verfolgen. Per Telefon bedankte sich der CSU-Frontmann im Gespräch mit der Heimatzeitung bei seinen Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen: „Ich freue mich total darüber.“ Das Ergebnis würde enormen Rückenwind für die Stichwahl geben. In den nächsten zwei Wochen werde man versuchen, die eigenen Themen weiter zu kommunizieren. Von der Konstellation in der Stichwahl sei er „überrascht“. Zellner hat damit gerechnet, dass Vanni fix in die Stichwahl kommt und er sich mit Halbritter um den Einzug duelliert.

Genau das hatte auch Halbritter erwartet: „Ich dachte, dass es zwischen mir und Zellner eng wird.“ Für Halbritter war es das „erklärte Ziel, in die Stichwahl einzuziehen“: „Da wollte ich hin.“ In den nächsten Tagen werde er Gespräche mit den einzelnen Gruppierungen führen. Inhaltlich würden er und Zellner „ziemlich in die gleiche Richtung tendieren“ – mit Ausnahme der Gemeinwohlökonomie: „Die ist für uns im Gegensatz zur CSU schon ein Thema, wenn auch nicht zu 100 Prozent.“ Laut Halbritter wird es bei der Stichwahl auf die Frage hinauslaufen, „ob die Peißenberger jemanden ohne politische Erfahrung wollen oder jemanden, der seit zwölf Jahren Gemeinderat sitzt.“

Ein gemischtes Fazit zog Walter Wurzinger. „Ich bin zwar mit keinen großen Erwartungen in die Wahl gegangen, aber ein bisschen mehr als 14 Prozent hätte ich mir schon erhofft.“ Dennoch hätten die Freien Wähler ihr Hauptziel erreicht: „Wir haben dazu beigetragen, dass es im Rathaus nun einen Wechsel gibt.“

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