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Unter anderem wegen dieses Einlaufs des Regenüberlaufbeckens 2 herrscht Sorge in Peißenberg. 

Kritik vor Gemeinderatssitzung zu Hochwasserschutz

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Nun wird im Peißenberger Marktrat das Hochwasserschutz-Konzept für den Bereich „Peißenberg-Nord“ vorgestellt. Im Vorfeld macht die „Interessensgemeinschaft Hochwasserschutz“ (IGH) gehörig Druck: Bei einer Info-Veranstaltung wurde der Rathausverwaltung unter anderem „fehlendes Engagement“ vorgeworfen.

Peißenberg – Dem Vernehmen nach muss es eine hitzige Versammlung gewesen sein, die Anfang Juli auf Initiative der IGH im Gasthaus „Sonne“ stattgefunden hat. Es wird von „hitzigen Wortgefechten“ berichtet und von „massiven Vorwürfen“ an die Rathausverwaltung. Im Gespräch mit der Heimatzeitung bestätigen die IGH-Sprecher, Franz Bittner und Anna Hofstetter-Kerndl, dass eine „hohe emotionale Beteiligung“ unter den rund 75 Versammlungsteilnehmern geherrscht habe. Sinn und Zweck der Veranstaltung sei es gewesen, die eigenen Positionen noch einmal zu schärfen und die betroffenen Anlieger entlang des Wörthersbachs umfassend zu informieren. Laut den IGH-Sprechern ist bei der Versammlung ein „völliges Unverständnis über die ungenügende Bachpflege“ und eine „große Verunsicherung“ wegen möglicher gesundheitlicher Gefährdungen durch das „Regenüberlaufbecken 2“ (RÜB 2) zum Ausdruck gekommen. Der Generalvorwurf der IGH: In puncto „Hochwasserschutz“ sei bei der Rathausverwaltung leider nach wie vor „fehlendes Engagement“ festzustellen.

Die IGH-Sprecher haben sich in die Materie intensiv eingearbeitet. Sie lassen sich von einem Ingenieur beraten, sie betreiben Lobbyarbeit auf der politischen Schiene (unter anderem steht man mit den Landtagsabgeordneten Susann Enders und Harald Kühn in Kontakt), und sie treffen sich zu Gesprächsterminen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts.

Die Forderungen der IGH sind klar formuliert: Sicherung der neuralgischen Stellen am Wörthers- und Fendterbach durch Ausräumen der Bachbette und Begradigung der Böschungen, Reduzierung der Wassermenge am Zusammenfluss von Wörthersbach, Michelsbach und RÜB 2 (z. B. durch Baustopp im Einzugsbereich des RÜB 2 und der Errichtung eines kleinen Rückhaltebeckens am Michelsbach) sowie die Einführung eines Trennkanalsystems in künftigen Neubaugebieten. „Wir regen uns darüber auf, dass die Weltmeere mit Plastik zugemüllt sind, aber unsere Hauskanäle leiten wir bei Starkregenfällen in die Bäche ein“, kritisiert Hofstetter-Kerndl. In die gleiche Kerbe schlägt ihr Sprecherkollege: „Klar, das Schmutzwasser ist im Bach stark verdünnt. Aber dass so etwas im Zweifelsfall nicht gesund ist, dürfte jedem einleuchten“, erklärt Bittner.

Dass das RÜB 2 vor zehn Jahren ausgerechnet an einem neuralgischen Hochwassergefahrenpunkt gebaut worden ist, können die IGH-Sprecher nicht nachvollziehen – wobei sie die Hauptverantwortung bei der Gemeinde sehen. Das Wasserwirtschaftsamt habe den Bau zwar veranlasst, so betonen Hofstetter-Kerndl und Bittner, aber die Planungshoheit und die Standortauswahl seien in den Verantwortungsbereichen der Rathausverwaltung respektive der Gemeindewerke gelegen. Das habe auch das Wasserwirtschaftsamt gegenüber der IGH so bestätigt. Die Aussage der Gemeinde, sie sei im Fall des RÜB 2 nur „ausführendes Organ“ gewesen, kommentiert die IGH in den Präsentationsunterlagen zur Info-Veranstaltung mit einem harten Vorwurf: „Das ist gelogen!“, heißt es dort unverblümt.

Das Wasserwirtschaftsamt, so behauptet die IGH, würde sich „unter bestimmten Bedingungen“ bezüglich provisorischer Hochwasserschutzmaßnahmen durchaus aufgeschlossen zeigen. Die Gemeinde müsse nur eine fundierte Planung und die Wirksamkeit von Sofortmaßnahmen nachweisen.

Auch beim Planfeststellungsverfahren für das Rückhaltebecken am örtlichen Recyclinghof dürfe sich die Gemeinde nicht auf eine passive Beobachterrolle beschränken. Die Fristen für die gesetzlich eigentlich vorgegebene Terminierung des Erörterungstermins seien bereits seit einem halben Jahr überschritten. Doch obwohl der Markt Träger des Verfahrens sei, so kritisieren die IGH-Sprecher, „vermag die Bürgermeisterin keine Aussage über den Sachstand des Planfeststellungsverfahrens zu treffen.“

Auch von Vize-Rathauschefin, Sandra Rößle würde man „keine Unterstützung erhalten“, bedauert Bittner. Die Hauptschuld trage aber die Verwaltung und die Rathausspitze: „Man fühlt sich alleine gelassen. Von sich aus macht Frau Vanni gar nichts“, moniert der IGH-Sprecher.

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