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Er kann sticheln wie kein Zweiter: Gerhard Polt, der am Freitag in der Tiefstollenhalle auftrat.

Kulturverein Peißenberg

Er braucht nur Polt, um zu unterhalten

„Braucht’s Des!“, heißt das Programm, mit dem der Altmeister des bayerischen Kabaretts, Gerhard Polt, am Freitagabend in der Tiefstollenhalle antrat. Und wieder einmal wurde deutlich: Kabarettabende mit Polt braucht’s einfach immer!

Peißenberg– Der „neue Kulturmanager von Peißenberg“, wie sich Wolfgang Ramadan eingangs selbst vorstellte, hatte nicht zu viel versprochen. Gerhard Polt, sozusagen lebende Legende bayerischer Kabarettbühnen, riss mit einem Typen-Panoptikum, das tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele gewährte, das Publikum zu Lachsalven und Beifallsstürmen hin.

Um einen unterhaltsamen Abend zu gestalten, braucht es nicht viel. Gerhard Polt, lässig mit einer Hand in der Seitentasche seiner Cordhose am Mikrofon stehend, schüttelte die Pointen sozusagen aus dem Pullover-Ärmel. „Wenn mir ein Mensch als Mensch entgegenkommt, dann hab ich nix dagegen“, meinte er lapidar, was schon ausreichte, um im Publikum das erste Kichern zu vernehmen. Ausgenommen sind natürlich „Gesinnungsgrattler“ und „menschlicher Abschaum“, wie der angebliche Schauspieler Ranftl im Reihenhaus nebenan, der weder in „Dahoam is Dahoam“ noch in „Sturm der Liebe“ auftaucht. Da kann einer noch so interessiert am Menschen sein, „manchmal ist einfach der Wurm drin“. Zum Beispiel, wenn sich der Nachbar nicht an die Wohnviertel-eigene Grill-Ordnung hält und öfter als erlaubt, wahre Fleischorgien in seinem Garten abhält, wie Drohnen-Aufnahmen unschwer erkennen lassen. „Beim Begriff Mensch, da krieg’ ich manchmal eine Ganslhaut“, konstatierte Polt als Schauspieler-Nachbar, der sein „Leben lang hart am Leberkäs gesegelt ist“ und jetzt Beschwerdebriefe an den Bürgermeister schreibt.

Jovial und mit harmloser Miene plauderte Gerhard Polt aus dem Nähkästchen des alltäglichen Wahnsinns und zückte damit verbal den imaginären Spiegel, den er seinen Mitmenschen vorhält. Eine Kunst, die vor ihm schon Karl Valentin auf die Spitze trieb. Die eingestreuten Vorlese-Stücke erinnerten an weiteres Vorbild der bayerischen Unterhaltungskultur: Ludwig Thoma. Dessen Lausbubengeschichten erweiterte Polt mit genial gespitzter Feder um das eine oder andere Kapitel. Da hatten weder die Eisstockschützen auf dem Nymphenburger Kanal noch die nette Frau im Milli-Ladl was zu lachen. Das Publikum umso mehr. Vor allem, als er als Großvater den „Buwe“, der zum Ärgernis des Opas auf den Namen Geo-frei, statt Horst oder Manfred getauft wurde, über deutsche Geschichte aufklärt: „Wenn wir den Ersten Weltkrieg gewonnen hätten, hätt’s den Zweiten ned braucht!“. Oder wenn er mit Tiefenpsychologie die weibliche Seele erklärt. „Des is oft so, dass Frauen ihre Männer – auch wenn’s Deppen sind – verteidigen. Die sind einfach zu stolz, zuzugeben, sich einen Schrott an Land gezogen zu haben“, tönte Polt, der Frauenversteher von nebenan.

Von Alkoholkonsum über antiautoritäre Erziehung bis hin zur Demokratie spannte Polt seinen Bogen, dessen abgeschossene Pfeile oft so hinterfotzig harmlos daherkamen und doch ins Schwarze trafen, frei nach dem Motto: „Ich red’ halt manchmal so vor mich hin und hoffe so, wenn ich was sage, dass der Gedanke Schritt halten kann.“ Eine Aufgabe, die auch die Zuschauer zu meistern hatten, die mit begeistertem Applaus noch zwei Zugaben forderten.

Ursula Fröhlich

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