Tragischer Frontalunfall auf der Ortsumfahrung fordert zweites Todesopfer

Tragischer Frontalunfall auf der Ortsumfahrung fordert zweites Todesopfer
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Jost Hermann (l.) ist eines von sechs Mitgliedern des Steuerungteams. 

Peißenberg

Landkreis geht bei Integration neue Wege

Der Landkreis will die Arbeit in Sachen „Integration“ auf eine breitere Basis stellen, sie soll künftig aus einem Guss erfolgen. Unter dem Motto „Vielfalt gestalten – Chancen nutzen – Zukunft gestalten“ fand zum Auftakt eine „Integrations-Expertenkonferenz“ mit rund 150 geladenen Gästen statt.

„Wir haben ein wunderbares Programm. Ich bin mir sicher, dass wir mit Gedanken heimgehen, die nachhaltig wirken.“ Moderator Simon Sterzer hatte zu Beginn der „Integrations-Experten-Konferenz“ in der Peißenberger Tiefstollenhalle nicht zu viel versprochen. Die nichtöffentliche Veranstaltung, zu der sich Vertreter von Unterstützerkreisen, Wohlfahrtsverbänden, Bildungsträgern, Behörden und Migrantenverbänden trafen, bot einen Mix aus politischen Statements, Information und Kultur. Der Sinn und Zweck des Ganzen: Im Landkreis sollen die vielfältigen Integrationsbemühungen künftig professionell gebündelt und miteinander vernetzt werden. „Agieren statt reagieren“ lautet die Maxime: „Wir wollen nicht immer nur hinterherhecheln und Feuerwehr spielen müssen. Wir wollen selber Konzepte entwickeln“, so Pfarrer Jost Herrmann.

Der Vorsitzende von „Asyl im Oberland“ ist eines von sechs Mitgliedern des Steuerungsteams, das künftig für das Management rund um die einzelnen Integrationsexperten-Runden (u.a. zu den Themen „Schule“, „Mobilität“, „Ausbildung“ und „Arbeit“) zuständig ist. Hinzu kommt ein „Strategisches Gremium“, in dem neben dem Landratsamt die Diakonie Oberland, der Caritasverband, Herzogsägmühle und „Asyl im Oberland“ vertreten sind. Als gemeinsame Plattform dient schließlich die Integrations-Experten-Konferenz. Sie soll in der Regel einmal im Jahr über die Bühne gehen und zum Beispiel Workshops, Podiumsdiskussionen oder Fachvorträge anbieten. Die Arbeit im neuen Organigramm soll übrigens nicht allein Asylbewerber und Flüchtlinge fokussieren, sondern sich generell mit Migrationsfragen beschäftigen.

An der neuen Struktur wurde ein Jahr lang intensiv getüftelt. Während des Entwicklungsprozesses wurde laut Herrmann „nicht nur gekuschelt“. Der Dialog habe jedoch zu „vertrauensbildenden Maßnahmen“ geführt – vor allem zwischen den Asyl-Unterstützerkreisen und dem Ausländeramt. Nach anfänglichen Konfrontationen hätten sich sich die Beziehungen deutlich entspannt. „Wir arbeiten manchmal gegeneinander, aber jetzt immer öfter miteinander“, konstatierte Herrmann in seiner Konferenzrede.

Einen großen Konflikt gebe es nach wie vor mit der großen Politik. Herrmann spielte auf die Forderung der Unterstützerkreise an, auch Flüchtlingen mit unklarer Bleibeperspektive den Zugang zu Arbeit zu ermöglichen. Keinem Menschen dürfe es verweigert werden, sich in die Gesellschaft einzubringen und für seinen Lebensunterhalt zu sorgen: „Für Urlaub muss man sich nicht integrieren, aber ab drei Monaten muss Integration möglich sein“, lautete Herrmanns Appell, für den er Beifall bekam.

Ins gleiche Horn stieß Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni. Der Staat müsse viel mehr Anstrengungen unternehmen und aus der missglückten Integrationspolitik der 60er und 70er Jahre lernen. Handlungsbedarf gebe es vor allem beim Wohnungsbau und der Bekämpfung von Rechtsextremismus. Als „unerträglich“ bezeichnete es die Rathauschefin, dass der Bund die Finanzierung von Integration auf die Kommunen abschieben wolle.

Das sah auch Gastrednerin Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, so. Allerdings konnte sie mit ihrer eher standardisiert formulierten Ansprache bei den Zuhörern nicht punkten. Auf Vannis und Herrmanns Forderung hinsichtlich einer erweiterten Arbeitserlaubnis von Flüchtlingen ging sie kaum ein. Stattdessen rühmte sie die Integrationspolitik des Freistaats: „Die praktische Umsetzung funktioniert gut. In den anderen Bundesländern schaut man auf uns.“ Teile des Fachpublikums quittierte Brendel-Fischers Aussagen mit Raunen und Unmutsbekundungen.

Deutlich wurde bei der Konferenz, dass das Thema „Integration“ eine Daueraufgabe ist – auch für den Landkreis. Über die Hälfte der ankommenden Flüchtlinge bleibt in der Region. „Integration ist die Normalität in unserem Land“, erklärte Margret Spohn in ihrem Fachvortrag. In der Geschichte habe es immer Wanderbewegungen gegeben. Viele Deutsche, so Spohn, würden gar nicht wissen, dass sie einen Migrationshintergrund haben. Anders als in der Öffentlichkeit kolportiert, gebe es auch keine gravierenden Unterschiede in der Wertevorstellung zwischen Einheimischen und Migranten: „Wir sind uns viel ähnlicher, als wir glauben“, so Spohn, die im Augsburger Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt tätig ist. Wie spielerisch Integration funktionieren kann, zeigte später im kulturellen Teil der Konferenz der gemeinsame Auftritt von Michael Akpaglos „African Connection“ und der „Ammerland-Musik“, die gemeinsam den „Boney M.“-Klassiker „Rivers of Babylon“ zum Besten gaben. Auch der afghanisch-stämmige Comedian Hani Who begeisterte das Publikum. Sein Credo: „Dort, wo die Liebe aufhört, beginnt die Angst.“


Bernhard Jepsen

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