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Derzeit nur mit Maske arbeitet Jürgen Misch im Edeka-Markt in Weilheim.

Sollte es zur Tragepflicht kommen, könnte es eng werden

Masken-Gebot trifft auf Masken-Not - doch die Unterschiede sind groß

Vorläufig bleibt es in Bayern nur ein Gebot und keine Pflicht, zum Schutz vor dem Corona-Virus Masken über Mund und Nase zu tragen. Wir haben uns umgehört, wie die Menschen im Landkreis mit dieser Empfehlung umgehen.

Landkreis – Weder Biergartenbetrieb noch Grillparties gibt es derzeit, keine Friseur- und Lokalbesuche und auch keine Schifffahrt auf dem Starnberger See oder den traditionellen Tanz in den Mai – die Krise hat das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt, auch wenn kommende Woche zunächst Baumärkte und Gartenbaubetriebe wieder öffnen dürfen.

Für Masken-Gebot stehen nicht genügend Masken zur Verfügung

In Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr sollten die Menschen auf jeden Fall Schutzmasken tragen, so die dringende Empfehlung von Ministerpräsident Markus Söder: „Falls das nicht ausreicht, erwägen wir auch eine Maskenpflicht.“

Doch es gibt ein großes Problem: Weder im Landkreis Weilheim-Schongau noch in ganz Deutschland stehen genügend Masken zur Verfügung, sodass sich viele Leute aus den unterschiedlichsten Materialien selbst welche basteln.

„Kunststück, Behelfsmasken zu bekommen“

„Die aktuelle Situation ist alles andere als berauschend“, stellt Nina Hasenbalg von der Karwendel-Apotheke in Weilheim fest. Aufgrund der starken Nachfrage hat sie diese Woche für ihre Kunden einen waschbaren Baumwollschutz bestellt, der pro Stück wohl zwischen sieben und neun Euro kosten wird. „Dass er so utopisch teuer ist, liegt nicht an uns“, betont sie, „sondern weil es momentan ein Kunststück ist, überhaupt Behelfsmasken zu bekommen.“ Diese seien keineswegs mit dem professionellen Schutz für medizinisches Personal in Krankenhäusern zu vergleichen.

Üblichen Schutzmaßnahmen müssen reichen, bis Masken da sind

Auch in der Peißenberger Sonnenapotheke hat Alexandra Bußjäger Masken bestellt, „aber wann wir die bekommen, ist völlig ungewiss“. Bis dahin gelten auch bei ihr die üblichen Schutzmaßnahmen mit Abstandsregeln sowie Plexiglas zwischen Verkäuferinnen und Kunden. Sicherheit steht auch in der Weilheimer St. Pölten-Apotheke an erster Stelle: Höchstens drei Leute zugleich dürfen die Verkaufsräume betreten, mahnt ein Schild am Eingang; die Beschäftigten arbeiten teils mit, teils ohne Maske und spüren nach Auskunft einer Mitarbeiterin die Verunsicherung vieler Kunden, weil Söders Empfehlung zwar dringend, aber eben nicht zwingend ist. 

Lesen Sie auch: Wir haben auch in Schongau und Peiting nachgefragt, wie die Masken-Situation dort aussieht.

„Einen Maskenzwang gibt es wahrscheinlich nur deshalb nicht, weil niemand für ganz Bayern Vorräte in ausreichender Zahl hat“, vermutet Leandra Menhart, die vor der Apotheke wartet, bis sie an der Reihe ist. Die 53-jährige hat keine Angst vor Ansteckung und trägt auch deshalb keinen Mundschutz, „weil ich wegen meinem Heuschnupfen so schon schwer Luft kriege“.

Verunsicherung bei Kunden ist spürbar

Iris Hundertmark von der Weilheimer Bahnhofsapotheke gehört zu den wenigen Glücklichen, die nach mehreren Anläufen genügend Schutzmasken bestellen konnte. „Das lief zäh und hat entsprechend lang gedauert, die Nachfrage bei unserer Kundschaft ist recht gross.“ Inzwischen beruhige sich die Lage etwas, hat sie festgestellt.

Apothekerin Iris Hundertmark aus Weilheim.

Robert Möginger vom Penzberger Rewe-Markt erlebt häufig die Verunsicherung seiner Kunden, die sich ganz überwiegend an die Schutzvorschriften hielten. „Manche halten die strikten Maßnahmen für notwendig, andere für etwas übertrieben – ob jemand Angst vor dem Virus hat, hängt sehr von den persönlichen Lebensumständen ab.“

„Zu viele Leute nehmen es zu locker“

Als kompliziert schildert Rubin Schirmer vom Weilheimer Union SB-Großmarkt die aktuelle Lage: „Trotz Anforderung habe ich keine Masken geliefert bekommen und versuche es jetzt über Umwege.“ Seinen Mitarbeitern stelle er privat Masken zur Verfügung, doch die meisten wollten keine tragen. In seinem Edeka-Markt in Weilheim hat Thomas Cichowski bisher keine Masken vorrätig. 

„Ich habe mehrmals welche geordert, aber nichts bekommen – was soll man da machen, wenn das Tragen zur Pflicht wird?“ Jürgen Misch räumt im Markt gerade Ware ein und hat dabei eine Maske über Mund und Nase. „Die habe ich von meiner Verwandtschaft, das sind alles Mediziner und mussten sie aber auch auf eigene Kosten bestellen.“ Er sieht die Gefahr der Ansteckung überall dort, wo Menschen zusammenkommen wie zum Beispiel beim Einkaufen.

„Die Krisensituation darf man nicht unterschätzen“, stellt er fest, „aber trotz der täglichen Warnungen nehmen sie zu viele Leute immer noch zu locker!“

VON PETER STÖBICH


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