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Aufgerüstet: Kehrmaschinen müssen regelmäßig zum Einsatz kommen – wie hier in Penzberg.

Idee kommt bei Rathauschefs gut an

Müll kostet die Kommunen im Landkreis viel Geld: Produzenten von Einweg- und Wegwerfartikeln sollen mitzahlen 

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Stadtreinigung ist eine teure Sache. Die Politik will Kommunen nun entlasten: Hersteller von Einweg- und Wegwerfartikeln sollen sich an den Kosten der Räumdienste beteiligen. Die Idee fällt in den hiesigen Rathäusern auf fruchtbaren Boden – allerdings gibt es Bedenken.

Landkreis – „Kommunale Unternehmen sind ein Garant für saubere und sichere Straßen, Grünflächen und Plätze.“ So wirbt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Aber die immer größer werdenden Müllberge treiben die Kämmerer zur Verzweiflung. Neueste Idee von Bundesumweltministerium und Verband zur finanziellen Entlastung: Wer Einweg- und Wegwerfartikel produziert, soll an Reinigungs- und Entsorgungskosten im öffentlichen Raum beteiligt werden.

„Das kann man nur begrüßen“, sagt Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfW). Denn: „Die Kosten für die kommunale Müllentsorgung sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, teilt Stadtwerke-Prokurist André Behre mit. Im Jahr 2014 waren knapp zwei Mitarbeiter rund 2500 Stunden beschäftigt, 2018 waren es bereits um die 3200 Stunden. „Allein der personelle Aufwand beläuft sich auf rund 150 000 Euro pro Jahr“, rechnet Behre vor. Dazu kommt die Deponieabfuhr für circa 10 000 Euro sowie Fahrzeugkosten von 40 000 Euro.

Penzberg: 17 000 Euro für die Müllentsorgung 

Es werde Zeit für eine Kostenbeteiligung, meint auch Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD). „Es ist mit Sicherheit ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.“ Im Haushalt werden laut Bauhofchef Christian Eberl allein 17 000 Euro für die Müllentsorgung bei den Entsorgungsbetrieben veranschlagt. „Diese werden nahezu gänzlich ausgeschöpft.“ 

Der Bauhof hat einen Reinigungsplan mit vier Zonen im Stadtgebiet aufgestellt – von der täglichen über die 14-tägige bis zur monatlichen Leerung. 156 Abfall- und 69 Hundekotbehälter gibt es. In der Regel arbeitet ein Mitarbeiter die Liste ab. Bereiche wie Badeweiher sind nach Bedarf dran. 

Für Müll auf der Straße fährt mindestens drei mal wöchentlich eine Kehrmaschine, zwei Mitarbeiter sammeln den Abfall auf. „Der Verpackungsmüll, hauptsächlich Kunststoffverpackungen, nimmt eindeutig den größten Anteil ein“, sagt Eberl – eine Einschätzung, die andernorts geteilt wird.

Schongau könnte finanziell entlastet werden 

Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman (SPD) findet den Vorstoß gut: „Er könnte die Stadt tatsächlich finanziell entlasten.“ Im Stadtgebiet seien ungefähr 120 Mülleimer verteilt, die in circa 69 Wochenstunden von Bauhof und Stadtgärtnerei geleert werden. Laut Rathauschef laufen so umgerechnet jährlich 161 460 Euro allein für das Leeren der Mülleimer auf. 

Dazu kommt die Entsorgung: Der Müll wird im Bauhof in 40 Containern gesammelt und dann von der Müllabfuhr entsorgt. Die Gesamtkosten betrugen 2017 circa 16 000 Euro und 2018 um die 17 000 Euro. Für heuer erwartet Sluyterman eine Steigerung.

Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni (Unabhängige) findet eine Kostenbeteiligung „unheimlich gut“. Jährlich fallen laut Bauhofleiter Roman Bals für die Müllsammlung rund 58 000 Euro an, dazu kommen etwa 5000 Euro für die Entsorgung. 

52 Mülleimer und 26 Hundetoiletten sind aufgestellt. Ein Mal wöchentlich sind zwei Mitarbeiter mit dem Fahrzeug sowie zu Fuß unterwegs. Weitere 20 000 Euro sind für die wöchentliche Säuberung der Spielplätze und der Skateranlage fällig.

Trotz Zustimmung auch Bedenken 

In Peiting bezeichnet Bürgermeister Michael Asam (SPD) den Vorstoß als „nicht verkehrt“. Die Müllbeseitigung durch den Bauhof kostet laut Leiter Tim Osterhaus bei eigenem Abtransport zur Deponie circa 8000 Euro jährlich. Ein Mitarbeiter ist an die elf Stunden pro Woche mit Einsammeln und Entleeren der 100 Behälter beschäftigt.

Bei aller Zustimmung gibt es Bedenken. Die Kostenbeteiligung dürfe nicht zu formal geregelt sein, mahnt Vanni. Zehetner bezweifelt, dass die Kommunen entlastet werden: „Das Geld wird irgendwo verschwinden.“ Asam will das Müll-Bewusstsein lieber über den Preis schärfen: „Man sollte diese Produkte eher verteuern.“

Lesen Sie auch: Stadtwerke Weilheim zogen jetzt Bilanz 

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