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„Lange Impfnacht“ in Peißenberg: 730 Impfungen in 24 Stunden - einige Menschen kamen tatsächlich in der Nacht

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Von: Bernhard Jepsen

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Voll motiviert durch die Impfnacht: Dr. Christoph Wittermann (mit gelbem Pulli) und sein „Schichtteam“.
Voll motiviert durch die Impfnacht: Dr. Christoph Wittermann (mit gelbem Pulli) und sein „Schichtteam“. © Bernhard Jepsen

Impfen rund um die Uhr: So lautete die vergangenen beiden Tage das Motto im Peißenberger Impfzentrum – und zwar bei der „Langen Impfnacht“. Die Aktion sollte unter anderem für die zentrale Bedeutung von Impfungen im Zuge der Pandemiebekämpfung sensibilisieren.

Peißenberg – Für gewöhnlich gehen am Abend im Mitteltrakt des ehemaligen Krankenhauses die Lichter aus. Das Impfzentrum schließt in der Regel um 17:30 Uhr. Doch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag herrschte im ehemaligen OP-Gebäude noch reger Betrieb: Das von den Johannitern geleitete Impfzentrum hatte zur „Langen Impfnacht“ geladen – von Mittwochmorgen um 8 Uhr bis Donnerstagabend um 18 Uhr.

Impfzentrum-Leiter Wittermann: „Wir impfen durch“

„Wir impfen durch“, verkündete Dr. Christoph Wittermann, der medizinische Leiter des Impfzentrums, am Mittwochabend kurz nach 21 Uhr. Bis dahin wurden bereits 650 Vakzindosen verabreicht – überwiegend Boosterimpfungen. Für den Impfmarathon wurden vier Arbeitsschichten eingeteilt. Das Personal zu rekrutieren, war kein großes Problem: „Wir haben hier eine tolle Mannschaft mit 30 bis 40 hochengagierten Johannitern“, schwärmte Wittermann. „Da sind auch Leute dabei, die in ihren eigentlichen Berufen momentan etwas ausgebremst sind, zum Beispiel Flugbegleiter, Kulturschaffende oder Leute aus der Reisebranche.“ Auch die Ärzte würden voll mitziehen: „Einer hat sogar Gulaschsuppe für die Nacht mitgebracht“, erzählte er schmunzelnd: „Und zwischen 24 und 6 Uhr ist ein Arzt eingeteilt, der auch als DJ arbeitet. Ich weiß nicht, ob der neben dem Impfen noch Musik macht.“ Aber sind denn zu später Stunde nach Mitternacht tatsächlich noch Leute zum Impfen gekommen? „Natürlich“, berichtete Christian Achmüller, der Verwaltungsleiter des Impfzentrums, am nächsten Tag auf Nachfrage der Heimatzeitung. Mit der Resonanz sei man jedenfalls „sehr zufrieden“. Bis Donnerstagmorgen wurden 730 verabreichte Impfdosen registriert. „Die anvisierten 1000 erreichen wir noch im Laufe des Tages“, so Achmüller.

Es sollten auch jene Zielgruppen die Chance haben, die zu normalen Zeiten verhindert sind

Ziel der Impfnacht sei es gewesen, für das Thema „Impfen“ zu sensibilisieren und auch jenen Zielgruppen ein Angebot bereitzustellen, die zu den normalen Öffnungszeiten beruflich oder aus anderen Gründen verhindert sind. In abgewandelter Form mit zeitlichen Anpassungen plane man deshalb eine Wiederholung der Impfnacht.

Betrieb im Impfzentrum ist aktuell bis April gesichert

Aktuell ist der Betrieb im Impfzentrum bis April gesichert. Doch es sieht nach einer Verlängerung bis Ende des Jahres aus. Vom Bezirksverband der Johanniter, so Wittermann, gebe es bereits positive Signale: „Da verrate ich kein Geheimnis.“ Im Nachhinein sei es eine kluge Entscheidung gewesen, das Impfzentrum im vergangenen Sommer nicht zu schließen: „Da haben wir von Landrätin Andrea Jochner-Weiß gute Rückendeckung erhalten“, lobt Wittermann. Der Kinderarzt und Impfexperte arbeitet nach eigenem Bekunden „seit einem Jahr durch“. Die Aufgabe als medizinischer Leiter sei zwar „spannend, aber nicht einfach“: „Die Leute glauben, dass man nur stechen muss. Aber man ist gefordert und muss intensiv mitdenken.“ Die Regeln für die Impfstoffvergabe würden sich ständig ändern – zum Beispiel die Frage, welcher Impfstoff für welche Altersgruppe verabreicht werden darf.

Wittermann: „Licht am Ende des Tunnels“

Auch wenn es „zeitlich schwer einzuschätzen“ sei, sieht Wittermann im Zuge der Pandemiebekämpfung „Licht am Ende des Tunnels“: „Es hat noch keine Seuche gegeben, die nicht irgendwann aufgehört hat.“ Aktuell sei jedoch besonders die Altersgruppe über 60 Jahren gefährdet. Für Impfverweigerer gerade in dieser Generation hat Wittermann wenig Verständnis: „Das kann ich schlecht verstehen. Was soll dieser Altersgruppe denn durch die Impfung passieren?“ Mit der regionalen Impfquote von rund 70 Prozent an vollständig durchgeimpften Personen ist Wittermann dennoch zufrieden: „Wir sind da kein schlechter Landkreis.“

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