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Lange Schlangen bildeten sich vor einigen Geschäften.

Am letzten Tag vor dem Lockdown

Lange Schlangen, aber kein Gedränge

Lange Schlangen vor vielen Geschäften prägten diesen letzten Einkaufstag, bevor die meisten Läden schließen mussten. Es war viel los in Weilheim, Peißenberg und Penzberg, dennoch blieb der ganz große Ansturm meist aus.

Weilheim/Peißenberg/Penzberg – Es ist Dienstagmorgen kurz vor 9 Uhr am letzten Tag vor dem Lockdown in der Schmiedstraße in Weilheim. Die Stadt erwacht langsam, die meisten Geschäfte öffnen gleich. Trotzdem haben sich schon Menschenschlangen vor einigen Läden gebildet. Immobilienmakler Florian Wiedenmann schleppt einen Christbaum und stellt ihn vor seinem Eingang ab. Der Baum ist ein „Wunschbaum“ der „Verborgenen Engel“, mit dem Spenden für Kinderwünsche gesammelt werden sollten. „Schade, dass die Aktion heute endet“, sagt Wiedenmann und geht wieder in seinen Laden.

8.59 Uhr: Die Türen des Drogeriemarktes „Müller“ öffnen sich. Zwei Mitarbeiter schieben laut ratternd Kisten mit Waren vor die Tür. „Warten Sie bitte noch einen Moment“, sagt einer der Mitarbeiter zu einer Frau, die schon in den Markt schlüpfen will. Vor dem K&L warten fünf, sechs Menschen in großem Abstand voneinander. Sie alle tragen Masken – wie die meisten hier in der Fußgängerzone. Zwei Frauen in der K&L-Schlange unterhalten sich. Da gehen auch in dem Kleidungs- und Schuhgeschäft die Türen auf. „50 Prozent Rabatt“ steht auf Plakaten in den Schaufenstern. Am letzten Tag vor dem Lockdown soll noch so viel Ware wie möglich verkauft werden.

Um 9.19 Uhr hat sich eine lange Schlange vor dem „Teehaus Ettling“ in der Admiral-Hipper-Straße gebildet. Gerade tritt Ingrid Suttner aus dem Laden auf den Gehweg. Sie hält ein großes, in Folie verpacktes Geschenk in der Hand. Sie habe Glück gehabt, erzählt sie: „Ich war schon früh hier – und da ging es noch.“ Mit diesem Geschenk habe sie fast alles besorgt für Weihnachten, sagt sie.

Es ist 9.35 Uhr: Seit gut zweieinhalb Stunden Uhr stehen Thomas Scheid und seine Kolleginnen im Friseursalon in der Pöltnerstraße und waschen, schneiden und rasieren. Den Abend zuvor haben sie um 22 Uhr Feierabend gemacht: „Heute könnten wir 18 Stunden arbeiten. Wir wollen unsere Kunden nicht im Regen stehen lassen“, sagt er, während er einem Mann die Haare schneidet. Deswegen arbeiten seine Mitarbeiterinnen und er durch. Dennoch sei jetzt schon klar, dass nicht alle bedient werden können. Im Radio singt eine Frauenstimme „Merry Christmas“.

Auch in der Penzberger Bahnhofstraße werden letzte Weihnachtseinkäufe betrieben. Es sei einiges los gewesen in den vergangenen Tagen, sagt Peter Rolles, der Inhaber der Buchhandlung dort. Immer wieder hätten sich Menschenschlangen gebildet. Seine Buchhandlung, wie auch einige andere Geschäfte in Penzberg, hatten für die letzten beiden Öffnungstage Sonderöffnungszeiten eingeführt. Am letzten Tag vor dem Lockdown decken sich die Kunden im „Conrad“ vor allem mit Skitouren-Waren ein. „Ich war vorhin noch im Modegeschäft“, sagte die Penzbergerin Ingrid Gühring. „Es tut mir schon leid für die Geschäfte.“

„Heute ist eigentlich ein ganz normaler Tag“, sagt Florian Oesterle, der Marktleiter im „Hagebau“ in Peißenberg, gegen 14.30 Uhr – abgesehen davon, dass er intern viel für den Lockdown organisieren müsse. „Gestern war viel mehr los“, so Oesterle. Die Kunden hätten sich vor allem mit Brennstoff, Weihnachtsartikeln und Christbäumen eingedeckt.

Dass am Montag viel mehr Kunden in ihren Buchladen in der Marktgemeinde strömten, bestätigt auch Uschi Einberger: „Gestern war der Hammer.“ Heute sei auch noch einiges los, aber nicht so viel wie den Tag zuvor. „Das trifft uns jetzt schon“, sagt sie über die Schließung mitten im Weihnachtsgeschäft. Viel mehr als im letzten Jahr um die gleiche Zeit hatten Melanie Habersetzer und ihre Mutter Rosi Liedtke heuer im Post-Shop zu tun: „Jeder schickt noch etwas an irgendwelche Familienmitglieder, die man sonst getroffen hätte“, sagt Habersetzer inmitten von Paketen.

Gegen 16 Uhr beginnt es langsam zu dämmern in Weilheim. Es ist voller als am Vormittag in der Innenstadt, dennoch herrscht kein Gedränge. Eine Frau trägt an beiden Händen volle Taschen. Sie wartet an der Ampel. Als diese grün wird, rückt sie ihren Mundschutz zurecht und sagt: „Mein Gott, was für verrückte Zeiten.“

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