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Aus dem ganzen Landkreis waren protestierende Lehrer zur Demo nach Peißenberg gekommen.

Lehrer-Protest  in Peißenberg: „Ausgelaugt, ausgepresst, sauer“

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Landesweit hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zum „Aktionstag Lehrermangel: So nicht!“ aufgerufen. Der Protest richtete sich gegen die vom Kultusministerium angeordneten „Notmaßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung“. Auch der BLLV-Kreisverband brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck.

Peißenberg – Die Lehrer an den Grund-, Mittel- und Förderschulen im Landkreis sind sauer – und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Davon zeugten jedenfalls die Zitronen, die rund 30 Lehrkräfte bei ihrer Kundgebung in Peißenberg auspressten. Es war ein stiller, plakativer Protest, zu dem der BLLV-Kreisverband aufgerufen hatte. „Ausgelaugt, ausgepresst und sauer“, stand auf den vorgefertigten Transparenten.

Die wurden am Eisstadion-Vorplatz präsentiert. Die Demonstration durfte nicht auf dem Schulgelände an der Pestalozzistraße stattfinden. Die verbeamteten Lehrer unterliegen dem Loyalitätsprinzip, demonstrieren dürfen sie nicht. „Ich trete hier nicht als Rektorin der Mittelschule Peißenberg auf, sondern als BLLV-Kreisvorstandsmitglied“, betonte Susanne Coldwell. Ihre Botschaft: „Wir Lehrer sind zäh, aber irgendwann wird aus lustig sauer.“ Was den BLLV, der im Landkreis rund 800 Lehrer vertritt, so auf die Palme bringt? Seiner Meinung nach wird die „personelle Misswirtschaft“ und der daraus resultierende Lehrermangel auf dem Rücken der Pädagogen ausgetragen. Das Hauptproblem, so hieß es gestern, sei nicht, dass die Kollegen eine Stunde länger arbeiten müssten, um den Versorgungsengpass auszugleichen. Betroffen von dem Notfallplan seien vor allem die Lehrer, die – sei es aus gesundheitlichen oder privaten Gründen – ganz bewusst von der Teilzeitregelung Gebrauch machen würden. Ihre begrenzte Stundenzahl werde nun zum Teil massiv aufgestockt. „Da sind viele Kollegen aufgebracht“, berichtete BLLV-Kreisvorstand Andreas Mroß.

Selbst wenn sie wollten, könnten die Lehrer künftig nicht mehr in Teilzeit wechseln oder frühzeitig in den Ruhestand gehen. Das treffe vor allem die Kollegen, die ohnehin schon an der Belastungsgrenze angelangt sind.

Auch, dass man von den Notfallplänen des Kultusministeriums kurz nach den Weihnachtsferien lediglich aus der Presse erfahren hat, sorgt beim BLLV für Ärger. Statt irgendwelche „Hauruckmaßnahmen“ zu beschließen, solle die Staatsregierung lieber den Dialog mit den Lehrern suchen, erklärte Coldwell: „Wenn wir eingebunden werden, dann gibt es auch Lösungen.“

Rafael Saidl, Grundschulrektor in Burggen, kann sich zum Beispiel vorstellen, dass der Englisch-Unterricht in der Grundschule von Gymnasiallehrern abgedeckt wird und unter anderem für die Nachmittagsbetreuung externe Fachleute eingestellt werden. Auch brauche es eine Angleichung bei der Entlohnung von Grund- und Mittelschullehrern. „Man muss den Beruf einfach attraktiver machen“, so Saidl.

Der BLLV-Kreisverband hat sich nun auch in einem offenen Brief an den Kreistag, das Schulamt und die Bürgermeister gewandt. „Die Frustration der Kolleginnen und Kollegen über die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit an den Schulen wird wachsen! Die vom Ministerium so oft gepriesene Unterrichtsqualität wird leiden!“, heißt es darin.

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