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„Leuchtturm-Gewerbegebiet“ vor den Toren der Marktgemeinde?

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Von: Bernhard Jepsen

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Ein Arbeiter dirigiert auf einer Baustelle einen Kran.
Bis es soweit ist, kann es noch eine Weile dauern - aber der Marktgemeinderat war begeistert von den Vorschlägen, ein Gewerbegebiet im Osten von Peißenberg auszuweisen. © Soeren Stache/dpa

Ein Gewerbegebiet, das Ökonomie und Ökologie miteinander vereint – das soll das geplante „Gewerbegebiet-Ost“ in Peißenberg werden. Nun wurde die Entwurfsplanung für den Bebauungsplan vorgestellt. Die nachhaltig orientierte Konzeption erhielt im Marktrat viel Lob. Allerdings gibt es nach wie vor einen großen Knackpunkt.

Peißenberg – Wenn man sich den Begleittext zur Entwurfsplanung für den Bebauungsplan „Gewerbegebiet-Ost“ durchliest, dann bekommt man den Eindruck, dass sich vor den Toren Peißenbergs im Zwickel zwischen Umgehung und Pollinger Straße keine Wirtschaftsbetriebe ansiedeln, sondern Ökoparkflächen entstehen sollen.

Da ist von Nistkästen die Rede, die an den Betriebsgebäuden zwingend angebaut werden müssen, von klimaschutzangepassten Fassadengestaltungen, von Einfriedungen, die nur als Hecken oder Laubhölzer zulässig sind, und da werden zum ökologischen Ausgleich sowie Artschutz für alle Gebäude begrünte Flachdächer vorgeschrieben. Auch der Passus zu „Baumpflanzungen“ klingt geradezu revolutionär: „Pro angefangene 500 Quadratmeter unbebaute Grundstücksfläche“, so heißt es in den Festsetzungen, „ist mindestens ein prioritär heimischer, standortgerechter und klimatisch angepasster Laub- oder Obstbaum zu pflanzen.“

Die Entwurfsplanung ist mit sechs Gewerbeflächen konzipiert, die bei Bedarf auch in kleinere Einheiten parzelliert werden können. Erschlossen wird das rund zehn Hektar große Areal über einen Kreisverkehr im Norden, der in etwa im Bereich der jetzigen Abzweigung von der Pollinger Straße auf die Staatstraße nach Weilheim entstehen soll. Repro: JEPSEN Begeisterung über grünes Konzept Grundstücksfrage weiter ungeklärt
Die Entwurfsplanung ist mit sechs Gewerbeflächen konzipiert, die bei Bedarf auch in kleinere Einheiten parzelliert werden können. Erschlossen wird das rund zehn Hektar große Areal über einen Kreisverkehr im Norden, der in etwa im Bereich der jetzigen Abzweigung von der Pollinger Straße auf die Staatstraße nach Weilheim entstehen soll. © Repro: Jepsen

Das „Gewerbegebiet-Ost“, wenn es denn tatsächlich einmal erschlossen wird, soll also kein uniformes, bis zum letzten Quadratmeter zubetoniertes Firmen-Quartier werden. Die Entwurfsplanung, die von der Münchner Architektin und Stadtplanerin, Claudia Schreiber, im Marktrat präsentiert wurde, folgt einer anderen Intention – sie nimmt Rücksicht auf Klima- und Naturschutz: „Wir müssen Ausgleichsmaßnahmen vornehmen, um den Eingriff so moderat und sparsam wie möglich zu gestalten“, erklärte Schreiber in ihrem leidenschaftlichen Vortrag.

Der kam bei den Räten bestens an: „Das wird ein Leuchtturm-Gewerbegebiet“, schwärmte Manuela Vanni (Peißenberger Liste). Der Entwurf sei „richtig gut geworden“ und „genau das Richtige“ für die ökologischen und energetischen Herausforderungen der Zeit: „Ich persönlich hoffe sehr, dass der Plan umgesetzt wird – auch wenn mir klar ist, dass es dauern wird.“ Auch im Lager der Grünen-Fraktion trägt man die Planung in der Form mit: „Dass wir nicht begeistert sind, dass der Ort nach außen wächst, ist bekannt“, erklärte Annette Daiber zwar. Aber mit dem Entwurf sei sie „total zufrieden“: „Wenn es schon ein Gewerbegebiet braucht, dann bitte so eines.“

Bedenken äußerte indes Anton Höck (Peißenberger Liste): Die ökologisch orientierte Planung sei zwar zu begrüßen, allerdings müsse man abwarten, wie die Zielgruppe letztlich darauf reagiere: „Ich hoffe, dass die Peißenberger Firmen das so annehmen.“ Schreiber wiederum riet dazu, bei der Umsetzung „standhaft“ zu bleiben. Angesichts des Klimawandels und der Energiewende müsse sich im Bereich der Bauleitplanung für Gewerbegebiete etwas ändern – „und zwar dringend“.

Gemeinderäte wollen weitere Verhandlungen mit Grundeigentümern

Der Marktrat segnete die Entwurfsplanung letztlich mit breiter Mehrheit (14:4-Stimmen) ab. Die Gegenstimmen bezogen sich zudem nicht auf die Inhalte der Planung, sondern auf ein anderes Thema: Bekanntlich gibt es aktuell noch keine Einigung mit den Grundeigentümern. Die Gemeinde strebt deshalb ein Umlegungsverfahren an. Dazu gibt es auch einen Marktratsbeschluss. Allerdings sind Teile des Gremiums mit der Vorgehensweise nicht einverstanden.

„Die Planung für das Gewerbegebiet ist wunderbar“, meinte Jürgen Forstner (Freie Wähler): „Aber die Rahmenbedingungen dazu sind noch nicht gegeben.“ Forstner spielte damit eben auf die Grundstücksfrage an. Das Umlegungsverfahren sei ein Instrument, um den Eigentümern eine Einigung aufzuoktroyieren: „Ich appelliere an den Bürgermeister, den Beschluss aufzuheben.“ Auch Georg Hutter (CSU/Parteilose) sprach sich gegen ein Umlegungsverfahren aus: „Da muss es einen schnelleren, einfacheren Weg geben. Ich vertraue da auf unseren Bürgermeister und möglichen Verhandlungen.“

Stefan Rießenberger verwies auf den Faktor „Zeit“: „Mit einem Umlegungsverfahren werden wir die nächsten zehn Jahre dort draußen keine Nistkästen aufhängen.“ Und letztlich müsse man die Haltung der Eigentümer respektieren: „Wenn einer seine Wiese nicht verkaufen will“, so der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung, „dann soll er sie behalten dürfen.“ Und was sagte der Bürgermeister? Frank Zellner argumentierte, dass es bei der Entwurfsbilligung lediglich um das Baurecht gehe, nicht aber um die Grundstücksfrage.

Es sei gerade auch der Wunsch der Eigentümer gewesen, konkrete Planungen vorgelegt zu bekommen. Die Umlegung, so Zellner, sei ein „gestuftes Verfahren“, in dem es durchaus auch noch Gespräche respektive Verhandlungen geben könne. Die Entwurfsbilligung für den Bebauungsplan sei lediglich die konsequente Abarbeitung der Beschlusslage. Der Meinung schloss sich Vize-Bürgermeister Robert Halbritter (SPD) an: „Es wird fälschlicherweise alles miteinander verquickt. Wen man gegen die Entwurfsplanung stimmt, dann stimmt man letztlich gegen das Gewerbegebiet.“

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