Blumen für Ingrid Haberl gab es von Ludwig Paulus (l.), Werner Jungwirth (r.) und Robert Halbritter.
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Blumen für Ingrid Haberl gab es von Ludwig Paulus (l.), Werner Jungwirth (r.) und Robert Halbritter.

In Peißenberg

Lob für Haberl – Tadel für die CSU

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die „Rigi-Rutsch’n“ erhält bekanntlich 1,9 Millionen Euro aus einem Bundesförderprogramm. Alles gut? Nicht ganz. Die PR-Show der CSU im Zuge der Zuschussvergabe sorgt nicht nur im Umfeld des Marktrats für Kopfschütteln. Außerdem: Gemeindewerksleiterin Ingrid Haberl erfuhr vom Förderzuschlag erst über die Presse.

Peißenberg – Man hätte annehmen können, dass Robert Halbritter und Ludwig Paulus Anfang der Woche anlässlich des Weltfrauentags Ingrid Haberl einen Blumenstrauß überreichten. Doch den SPD-Vize-Rathauschef und den kommissarische SPD-Ortsvorsitzenden trieb eine andere Mission zur Gemeindewerksleiterin: „Wir wollen nicht großartig stören“, erklärte Halbritter höflich in Richtung Haberl, „aber es ist uns wichtig, dass Du als Person gewürdigt wirst.“

Halbritter berichtete, dass er von mehreren Leuten angesprochen worden sei, die das von der CSU gesteuerte Bekanntmachungsprozedere rund um die Förderzusage für das Projekt „Rigi-Rutsch´n 2.0“ als fragwürdig empfunden hätten. Zur Erinnerung: Vergangene Woche war Bürgermeister Frank Zellner (CSU) extra nach Berlin gereist. Die Übergabe des Förderbescheids wurde werbewirksam per Foto mit CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und der Reichstagskuppel im Hintergrund festgehalten. Dazu gab es noch eine Presseerklärung, in der unter anderem von der künftigen „Frank-Zellner-Rutsch’n“ die Rede war.

Für Unverständnis sorgte zudem, dass Ingrid Haberl außen vor gelassen wurde. Bereits in der jüngsten Marktratssitzung, die am Tag der Förderbekanntgabe stattfand, erklärte Walter Wurzinger (Freie Wähler), dass er es „ganz gut gefunden“ hätte, wenn Haberl als Chefin des Kommunalunternehmens (KU) in Berlin mit dabei gewesen wäre – „weil es hauptsächlich ihr Verdienst war, dass wir die Förderung erhalten haben“. Zellner erwiderte, dass er sich bei Haberl bereits für die Ausarbeitung der Antragsunterlagen bedankt habe – und: „Ich war als Bürgermeister eingeladen.“

Vize-Rathauschef Halbritter verweist auf den Peitinger Bürgermeister Peter Ostenrieder, der mit Kämmerer und EC-Peiting-Vorsitzendem in die Bundeshauptstadt gereist war: „Da ging es ja offenbar auch“, kritisiert Halbritter: „Ich habe mit Herrn Zellner ein Gespräch geführt und ihm gesagt, dass ich das Ganze sehr schade finde.“ Haberl habe sich nicht nur für das Projekt „Rigi-Rutsch’n 2.0“ maßgebend eingesetzt, sondern generell viel für den Erhalt des Bäderparks getan – vor allem nach dem Großbrand 2016. Halbritter verweist zudem auf die jahrelang eher passive Rolle der CSU in Bezug auf den Bäderpark: „Es ist mir schon wichtig, darauf hinzuweisen, dass es auf politischer Ebene vor allem die SPD und die Bürgervereinigung waren, die sich für den Erhalt der ,Rigi-Rutsch’n‘ eingesetzt haben.“

Und wie reagierte Haberl auf die Blumenstraußübergabe? Durchaus gerührt. „Es freut mich, dass ihr an mich denkt“, bedankte sie sich bei Halbritter und Paulus. Haberl betonte, dass es ihr keineswegs um die Berlin-Reise oder das Foto vor der Reichstagskuppel gehen würde: „An so etwas bin ich überhaupt nicht interessiert.“ Was der KU-Chefin jedoch sauer aufstößt, ist die fehlende Kommunikation vonseiten des Rathauschefs. Von Zellners Berlin-Fahrt erfuhr Haberl nur rein zufällig, und vom 1,9-Millionen-Euro-Zuschlag zuerst von der Heimatzeitung: „Die Informationsreihenfolge ist der Knackpunkt. Die ist es, die ich bemängele.“

Haberl betont, dass nicht sie alleine die Antragsunterlagen für das Förderprogramm ausgearbeitet hat. Marktkämmerer Michael Liedl habe einen großen Teil dazu beigetragen. Auch Dobrindts Lobbyarbeit sei maßgeblich gewesen. „Aber dass die ,Rigi-Rutsch’n‘ heute so gut dasteht“, konstatiert Haberl, „das ist nicht das Verdienst von einzelnen, sondern das ist vor allem der Arbeit meiner Mitarbeiter im Bäderpark zu verdanken.“ In den vergangenen Jahren habe das Team um Schwimmmeister Hannes Meyer sehr viel in Eigenleistung saniert und erneuert. Auf dieser Basis könne man nun aufbauen. Die Investitionssumme von 4,6 Millionen Euro, die man in den nächsten Jahren in die Ertüchtigung und Modernisierung des Bäderparks stecken wolle, werde einen „richtigen Schub“ geben: „Wir sind mit der ,Rigi-Rutsch’n‘ auf die nächsten Jahrzehnte vorbereitet“, so Haberl.

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