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Zu weit in den Grüngürtel würde das Doppelhaus (rote Fläche) hineinreichen. Darum wurde das Bauvorhaben an der Scheithaufstraße mehrheitlich abgelehnt.

Peißenberger Marktrat beharrt auf Grenze

Familie darf zwei Doppelhäuser nicht bauen

Weil eines von zwei geplanten Doppelhäusern zu weit in einen Grüngürtel ragen würden, hat der Marktgemeinderat Peißenberg das Bauvorhaben einer Familie abgelehnt.

Peißenberg – Zur Schaffung von Wohnraum und innerörtlicher Nachverdichtung sagt der Marktrat für gewöhnlich nicht „Nein“. In der jüngsten Sitzung legte das Gremium allerdings mehrheitlich sein Veto gegen die Ausweisung von zusätzlichen Bauflächen an der Scheithaufstraße ein. Das Problem: Das betroffene Grundstück liegt mit seinem nordwestlichen Teil außerhalb der im Bebauungsplan festgesetzten Wohnbauflächen und bereits innerhalb eines kartierten Grüngürtels. 

 Konkret geht es um ein Bauvorhaben einer Peißenberger Familie. Die hat das Grundstück erworben und möchte statt der alten Gebäude zwei Doppelhäuser errichten, um diese zu vermieten und als Altersvorsorge zu nutzen. Das heißt, das Projekt soll sich wirtschaftlich rechnen – was aber nur bei einer möglichst weitgehenden baulichen Ausnutzung der Grundstücksfläche möglich ist. Nach der vorliegenden Planung würde aber das eine Doppelhaus bereits teilweise im Grüngürtel liegen. 

Im November 2017 hatte der Bauausschuss noch sein generelles Einvernehmen für das Projekt erteilt, allerdings die Angelegenheit zur bauplanungsrechtlichen Begutachtung an das Landratsamt verwiesen. Der Antrag auf Vorbescheid wurde von der Behörde schließlich nicht positiv bewertet. Die Planung für das nordwestlich gelegene Doppelhaus, so hieß es in der Begründung, berühre den Außenbereich. Eine Privilegierung des Antragsstellers liege nicht vor, das Projekt sei demnach unzulässig. Allerdings hat das Landratsamt signalisiert, dass eine Bebauung in den beabsichtigten Dimensionen eventuell über den Erlass einer Ortsrand- respektive Einbeziehungssatzung möglich wäre. 

Doch dagegen sperrte sich nun der Marktrat. Bereits im Vorfeld der jüngsten Gremiumssitzung hatte sich die Rathausverwaltung bei einem Ortstermin mit dem Bauausschuss skeptisch gezeigt: „Wirtschaftliche Gründe spielen bei städtebaulichen Fragen keine Rolle“, betonte unter anderem Bauamtsmitarbeiter Bernhard Schregle. 

Bürgermeisterin Manuela Vanni stieß ins gleiche Horn: Man würde möglicherweise „einen Präzedenzfall schaffen“ und sich bei der städtebaulichen Begründung einer Einbeziehungssatzung äußerst schwer tun. Zudem könne der Antragssteller seine Pläne abspecken und beispielsweise statt vier Wohnkomplexen nur drei auf dem Gelände errichten. Auch sei es möglich, die Häuser und Garagen so zu platzieren, dass selbst vier Einheiten innerhalb des Baufensters Platz hätten. Das unterstrich auch Thomas Bader (CSU) in der Marktratssitzung: „Irgendwo sind die Grenzen vorgegeben. Der Bauherr muss schauen, dass er seine Planung darin unterbringt.“ 

Für den Antrag auf Ausweisung beziehungsweise Ausdehnung der Baufläche stimmte unter anderem die Bürgervereinigung. „Was wäre denn so schlimm, wenn man an der Scheithaufstraße einen Präzedenzfall schafft?“, hatte Jürgen Forstner bereits im Bauausschuss zu bedenken gegeben. Der Gemeinderat sei „kein Bauberatungsbüro“, zudem gebe es keine stichhaltigen Argumente gegen die vorgelegte Planung: „Wir sollten das mit der Einbeziehungssatzung probieren“, so Forstner. Das lehnte der Marktrat aber mehrheitlich ab.

Bernhard Jepsen

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