Pläne zur Nachverdichtung

Mindestens 64 Stellplätze notwendig

Peißenberg - Für den Barbarahof wurden Pläne zur Nachverdichtung  vorgelegt. Dazu sind 64 Parkplätze notwendig.  Der Marktrat will das Vorhaben ermöglichen. 

Es war eine seltsame Szene: Die Marktratssitzung am Mittwochabend hatte gerade erst begonnen, da verließ Vize-Bürgermeisterin Sandra Rößle schon wieder den Sitzungssaal. Auf der Tagesordnung stand die von der „Wohnbau GmbH Weilheim“ beabsichtigte Nachverdichtung des Barbarahofes. Bürgermeisterin Manuela Vanni erklärte lapidar, dass Rößle befangen sei und nicht an der Abstimmung teilnehmen werde. Aber was hat die stellvertretende Rathauschefin mit der „Wohnbau“ zu tun? Die einfache Erklärung: In ihrer beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwältin vertritt Rößle die vom Landkreis und mehreren Kommunen getragene Gesellschaft bei mietrechtlichen Streitigkeiten. „Ich betreue sie nicht in Bausachen“, stellte Rößle auf Nachfrage der Heimatzeitung klar: „Ich will aber trotzdem nicht, dass da irgendein Gschmäckle entsteht – und deshalb habe ich nicht mitgestimmt.“

Rößle hat damit einen möglichen Interessenskonflikt vermieden. Die „Wohnbau GmbH“ hat zur Nachverdichtung Pläne vorgelegt, die im Barbarahof drei zusätzliche Baukörper vorsehen. Insgesamt wurde mit Rücksicht auf den historischen Grünanlagencharakter der ehemaligen Bergarbeitersiedlung ein moderates Stellplatzangebot entwickelt. Von der Rathausverwaltung wird das Konzept gelobt. Die Verkehrswege, so heißt es, seien strukturell „neu geordnet“ und „sehr gut“ auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet worden. Doch im Gemeinderat gibt es auch andere Meinungen – vor allem von Seiten der SPD. Wie schon im vorberatenden Bauausschuss ergriff Jutta Geldsetzer in der Plenumssitzung das Wort: Freilich dürfe man die Nachverdichtung nicht an der Stellplatzfrage scheitern lassen, „aber eventuell kann die ein oder andere Holzlege ja doch für mehr Parkfläche weichen.“ Schon jetzt sei es im Quartier mit Autos „sehr voll“, und den Bewohnern könne nicht wirklich zugemutet werden, den entfernt liegenden „Rigi-Rutsch´n“-Parkplatz zu nutzen. Rudi Mach (Peißenberger Liste) wiederum verwies auf die Dringlichkeit des sozialen Wohnungsbaus: „Wir haben über 200 Anfragen. Wir dürfen da jetzt nichts wegen Stellplätzen blockieren.“

Aber wie gesagt: Das war auch nicht die Intention der SPD-Fraktion. Letztlich einigte man sich darauf, den vorgelegten Entwurf mit den 64 Stellplätzen zu billigen und damit das Bebauungsplanverfahren fortzuführen. Eine Überarbeitung der Konzeption durch den Architekten hätte eine zeitliche Verzögerung von mindestens einem Monat gebracht. Die Stellplatzfrage soll aber trotzdem noch einmal in Bezug auf mögliche Erweiterungskapazitäten geprüft werden – allerdings im Rahmen des weiteren Verfahrens. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich das Denkmalamt äußert. Bei einem Ensembleschutz wären die Eingriffe in die Siedlung leichter zu rechtfertigen als bei einer denkmalschutzrechtlichen Einstufung der jeweiligen Einzelgebäude. Thema im Marktrat war übrigens auch die Frage nach der künftigen Energieversorgung im Barbarahof. Geldsetzer plädierte dafür, die Siedlung an das gemeindewerkseigene Blockheizkraftwerk anzuschließen: „Das würde unsere Werke stärken.“ Technisch wäre der Fernwärmeanschluss möglich. Es müssten lediglich vom BHKW-Standort am Sportstadion Leitungen zu den Wohnblocks gelegt werden. „Es haben schon Gespräche zwischen den Gemeindewerken und der ,Wohnbau‘ stattgefunden“, berichtete Bürgermeisterin Vanni. „Die Fernwärmeversorgung über das BHKW ist zu 90 Prozent bereits fest angedacht.“ Nach einer Viertelstunde war das Thema „Barbarahof“ im Marktrat zumindest vorerst erledigt – und Rößle wurde wieder in den Sitzungssaal gerufen.

Bernhard Jepsen

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