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TSV Peißenberg zieht gegenüber Eishockey-Sparte die Daumenschrauben an

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Von: Bernhard Jepsen

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Einen neuen Kabinentrakt soll das Peißenberger Eisstadion erhalten.
Einen neuen Kabinentrakt soll das Peißenberger Eisstadion erhalten. © Andreas Mayr

Am 3. September soll das Peißenberger Eisstadion wieder in Betrieb gehen. So zumindest sieht der vorläufige Zeitplan des TSV Peißenberg als Hallenbetreiber aus. Der Termin ist aber an Bedingungen geknüpft – und die betreffen die Eishockey-Sparte.

Peißenberg – Man merkt es Stefan Rießenberger an: Der TSV-Präsident steht unter massivem Druck. Da ist einerseits die Eishockey-Sparte, die nach der Sommerpause früh mit dem Eistraining beginnen möchte. Anderseits sagt die Vernunft etwas anderes: Rießenberger bezeichnet es als „Wahnsinn“, Ende August die Kühlkompressoren im Eisstadion hochzufahren. Noch dazu angesichts der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs und den Appellen zum Energiesparen. Doch der TSV will die Sache durchziehen: Am 3. September soll das Eis bereitet sein.

Rießenberger handelt damit quasi gegen seine innere Überzeugung. „Die Vereine müssen endlich aufwachen. Eishockey muss wieder eine Wintersportart werden“, fordert er ein allgemeines Umdenken in der Eishockey-Szene. Der frühe Saisonbeginn sei eine energetische Farce: „Lieber spielt man doch im Frühjahr drei bis vier Wochen länger. Da ist der Kiesboden unter der Eisfläche noch gefroren.“ Doch die Eishockeyvereine der Bayernliga, in der auch die „Miners“ des TSV spielen, stimmten bei der jüngsten Liga-Tagung für einen frühen Saisonstart am 2. Oktober.

Die „Miners“ haben übrigens kein Votum abgegeben. Sie nahmen bei der Tagung zumindest aktiv nicht teil. „Man hat mich darüber informiert, dass ein Teil der Spartenvorstandschaft gesundheitlich angeschlagen war und sich ein anderer Teil zeitgleich mit der Saisonvorbereitung beschäftigt hat“, erklärt Rießenberger. Dass niemand der „Miners“-Führung im Rahmen der Online-Tagung für einen späteren Saisonbeginn geworben hat, stößt Rießenberger auf: „Ich bin sehr enttäuscht. Auf einer Tagung, wo solch’ wichtige Entscheidungen getroffen werden, hätte ein Vertreter der ,Miners‘ dabei sein müssen.“ Rießenberger hätte an dem Meeting teilgenommen – wenn er vom Termin gewusst hätte. Laut Rießenberger hat ihn ein Vertreter des SC Forst darüber in Kenntnis gesetzt. Die „Nature Boyz“ hatten bezüglich der Landesliga für einen späteren Saisonstart plädiert – vergeblich.

Rießenberger ärgert sich, dass er durch die fehlende Präsenz der „Miners“ an der Liga-Tagung in seiner eigenen Mission ausgebremst wurde. Eigentlich wollte er einen Brief an Eishockeyvereine und Kommunen, die ein Eisstadion betreiben, verfassen. Der TSV-Präsident wollte darin auf die Energieproblematik und die schwierigen Rahmenbedingungen im Zuge des Ukraine-Kriegs hinweisen und einen späteren Saisonstart Ende Oktober vorschlagen. „Doch das hat sich erledigt“, erklärt der TSV-Präsident: „Wenn der eigene Verein bei der Liga-Tagung nicht mitstimmt, dann mache ich mich mit einem solchen Brief ja lächerlich.“

Rießenberger sitzt in einer Zwickmühle: Mitte September beginnen im Jugendbereich die ersten Pflichtspiele. „Machen wir das Eisstadion nicht auf, bin ich der Buhmann“, sagt Rießenberger: „Dann heißt es: Ich bin schuld, wenn die Kinder zu anderen Vereinen wechseln und die ,Miners‘ keinen sportlichen Erfolg haben, weil sie vor den Ligaspielen nicht trainieren konnten.“ Intern hat sich die Vorstandschaft des Hauptvereins deshalb als Kompromisslösung für den 3. September als Öffnungstermin für die Eishalle entschieden.

Aber kann sich der TSV die massiv steigenden Energiekosten überhaupt leisten? „Ja, mit Preisanpassungen und aufgrund der hervorragenden Arbeit unserer Stadionverwaltung, die für hundert Prozent Auslastung sorgen wird, schaffen wird das“, glaubt Rießenberger. Zudem will man unter anderem durch Drosselung der Kompressoren und höheren Eistemperaturen Energie einsparen. Aber wie sich die Energiepreise entwickeln, kann der TSV-Präsident nicht vorhersagen. Insofern bleibt vieles vage. Im noch relativ warmen September respektive Oktober zahlte der TSV im Durchschnitt in den Vorjahren jeweils 1700 Euro im Monat für den Gasverbrauch. Vertriebspartner sind seit dem Frühjahr die Gemeindewerke. Mittel- oder langfristige Tarifprognosen kann das Kommunalunternehmen laut Rießenberger nicht abgeben. Und wenn der Gashahn zugedreht wird? „Dann ist sowieso Schicht im Schacht“, sagt Rießenberger. Die Kühlung wird zwar mit Strom betrieben, aber die Trocknungsanlage, die für die Haltbarkeit der Dach-Leimbinder unabdingbar ist, läuft mit Gas.

Vereinbart wurde im TSV-Präsidium, dass der Hauptverein bezüglich seiner Eishockey-Sparte die Daumenschrauben anzieht. Die Eisaufbereitung erfolgt laut Rießenberger unter der Bedingung, dass die „Miners“ einen schlüssigen Haushaltsplan für die Saison vorlegen. „Wir beim Hauptverein müssen schauen, dass es finanziell läuft – das erwarte ich auch von der Eishockey-Sparte“, sagt Rießenberger. Die „Miners“ müssen die kompletten Betriebskosten in der ersten Öffnungswoche des Eisstadions im September übernehmen. Auch bei den Kosten für die Weißfärbung des Eises werden sie zur Kasse gebeten, und für zusätzliche Eiszeiten am Abend müssen sie einen Stundensatz von 120 Euro abdrücken. Dazu braucht die Sparte Mittel, die der Hauptverein im Etatplan abgebildet sehen will. Denn laut TSV-Satzung haften der Hauptverein und damit auch die anderen TSV-Sparten bei einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der „Miners“.

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