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Mit Pauken und Trompeten zog der Festzug beim Bezirksmusikfest an der evangelischen Friedenskirche in Peißenberg (Bild rech ts) vorbei. 

Gottesdienst contra Blasmusik

Misstöne in der Lobeshymne

Wie lässt sich ein Gottesdienst feiern, wenn direkt vor der Kirche ein Festzug mit 1500 Blasmusikern vorbeizieht? Dass dies schlicht unmöglich ist, mussten die Gottesdienstbesucher der evangelischen Gemeinde Peißenberg beim Bezirksmusikfest erfahren. Künftig soll besser geplant werden.

Peißenberg Das Bezirksmusikfest in der Marktgemeinde war ein voller Erfolg. Selbst Peißenberger, die sonst keine ausgesprochenen Blasmusikfans sind, sangen Lobeshymnen auf die Festtage, die anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bergknappen- Spielmanns- und Fanfarenzuges jede Menge Musik nach Peißenberg brachten. Allerorten wird nun in höchsten Tönen von dem Musikertreffen geschwärmt, das am Sonntag, 1. Juli, fulminant endete – unter anderem mit einem Festgottesdienst und großem Festzug mit 1500 Musikern.

Doch nun mischen sich auch Misstöne in die Lobeshymnen: So schön und prachtvoll der Festzug auch war, er war auch laut. Wie laut, das haben die Besucher des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Peißenberg leidvoll erfahren müssen. Gerade, als die evangelische Gemeinde ihren Sonntagsgottesdienst feiern wollte, marschierten die Musiker mit ihren Instrumenten an der Friedenskirche, vorüber – sodass in der Kirche weder die Predigt zu verstehen noch Orgelmusik zu hören waren, geschweige denn Besinnlichkeit oder Einkehr möglich gewesen wären. „Wenn mit Musik direkt vor unserer Kirche entlang gegangen wird, ist das so laut, dass wir im Innenraum massiv gestört werden“, sagt Pfarrer Dr. Rainer Mogk, der an jenem Sonntag den Gottesdienst halten wollte.

Theoretisch wäre das Problem einfach zu lösen, indem sich die evangelischen und katholischen Christen Peißenbergs bei diesen Anlässen zusammentun und einen ökumenischen Gottesdienst feiern würden. Von der evangelischen Gemeinde aus wäre dies auch jederzeit möglich: „Wir sind immer bereit, einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern“, sagt Pfarrer Mogk. Von katholischer Seite aus sei dies sonntagsvormittags in Hohenpeißenberg zwar schon, in Peißenberg aber nicht erlaubt, so Mogk.

Die Marktgemeinde gehört zum Bistum Augsburg, wo ökumenische Gottesdienste am Sonntagvormittag nicht gestattet sind. Im Erzbistum München und Freising, zu dem die Gemeinde Hohenpeißenberg gehört, gmeibt es diese Regelung nicht, hier sind ökumenische Gottesdienste auch am Sonntagvormittag erlaubt. Da die Friedenskirche in der Nähe der Tiefstollenhalle liegt, ist es auch schwer möglich, einen anderen Weg zu wählen.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat Dr. Klaus Geldsetzer (SPD), der sowohl Mitglied des Peißenberger Gemeinderates als auch den evangelischen Kirchenvorstandes ist, das Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates angesprochen. Seiner Ansicht nach hätte das gemeindliche Ordnungsamt mit durch entsprechende Auflagen dafür sorgen müssen, dass trotz des Festzuges ein evangelischer Gottesdienst gefeiert werden kann.

Bei der Marktverwaltung wird nun bereits überlegt, wie künftig vermieden werden kann, dass sich Festzüge und Gottesdienste in die Quere kommen. „Wir versuchen zu vermeiden, dass es zu Kollisionen kommt“, sagt Andreas Fischer vom Ordnungsamt. Deswegen sei ein Treffen aller Beteiligter geplant. „Es ist wichtig, dass eine Lösung für die Zukunft gefunden wird“, sagt Pfarrer Mogk.

Bereits rund um die Feierlichkeiten zu 500 Jahre Reformation hatte es Misstöne zwischen evangelischen und katholischen Christen in Peißenberg gegeben, weil zeitgleich mit der Feierstunde in der Friedenskirche die Leonhardifahrt mit katholischem Gottesdienst gefeiert worden war.

Kathrin Hauser

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