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Gaby Schukalla-Zeitler ist Glücks-Lehrerin an der Mittelschule.

Interview

Mittelschule in Peißenberg: Neues Schulfach macht glücklich

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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An der Peißenberger Mittelschule gibt es ein besonderes Fach. Es geht um Glück. Die Lehrerin ist begeistert.

Peißenberg – Glück macht Schule – zumindest an der Peißenberger Josef-Zerhoch-Mittelschule. Denn seit Beginn dieses Schuljahres wird dort im Kreativblock der Ganztagesklassen das Schulfach „Glück“ unterrichtet. Ein Gespräch mit der Glücks-Lehrerin Gaby Schukalla-Zeitler über das erste Halbjahr.

Wie kam es dazu, dass Glück an der Josef-Zerhoch-Mittelschule zum Schulfach wurde?

Wir hatten im vergangenen Jahr einen Aktionstag, der unter dem Motto „Mittelschüler suchen das Glück“ stand. Im Vorfeld habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt und festgestellt, das Glück in anderen Bundesländern bereits im Unterricht eine Rolle spielt und zum Teil schon Schulfach ist. Nach dem Aktionstag war ist so begeistert davon, dass ich einen Lehrplan entwickelt und Stunden ausgearbeitet habe. Diesen Vorschlag unterbreitete ich unserer Rektorin Frau Coldwell, die an einer Umsetzung des Schulfachs „Glück“ sehr interessiert war. Seit diesem Schuljahr unterrichte ich „Glück“ im Kreativblock der Ganztagsklassen.

Wurden Sie dafür speziell ausgebildet?

Nein, eine spezielle Ausbildung habe ich nicht, ich habe Kurse zu diesem Thema besucht, und ich habe schon einige Zeit „Lions-Quest“ unterrichtet, das ist ein Programm, mit dem die Lebenskompetenz gefördert wird. Das bezieht sich allerdings auf die gesamte Klasse und beim Glück-Unterricht geht es mehr um den Einzelnen. Aber beides lässt sich gut miteinander verbinden. Inzwischen habe ich schon einige Fortbildungen und Seminare für Glücks-Unterricht gehalten.

Wie ist es, Glücks-Lehrerin zu sein?

Ich bin seit über 35 Jahren Lehrerin und nach diesem halben Jahr Glück-Unterricht kann ich sagen: Es ist das schönste Fach, das ich jemals unterrichtet habe.

Warum macht das Schulfach „Glück“ so glücklich?

Wir haben in diesem Fach die Zeit, uns intensiv über verschiedene Themen rund ums Glück auszutauschen. Das gibt uns die Möglichkeit, uns von einer anderen Seite wahrzunehmen. Und dabei passieren schöne Sachen. In diesem Halbjahr hatten zwölf Schüler und Schülerinnen aus den Klassen fünf bis sieben Glück als Fach belegt. Dass wir in unserer Gruppe Buben und Mädchen haben, die verschiedenen Alters sind, macht es noch bunter und lebendiger.

Worum geht es im GlücksUnterricht?

Es geht darum, dass Schüler sich in unterschiedlichen Spielen, Gesprächen und Situationen erfahren und erproben können. Es geht um Stärkung des Selbst, darum, Visionen für sich zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen, Dinge umzusetzen und sich immer wieder zu fragen: Was macht mich glücklich? Wir haben inzwischen Fünftklässler, die ihr Leben schrecklich finden. Das gab es früher nicht so häufig.

Was meinen Sie, warum ist das so?

Die Buben und Mädchen beschäftigen sich in erster Linie mit dem Leben anderer, folgen irgendwelchen Fremden auf Instagram und anderen Kanälen, wo sie gesagt bekommen, was sie gut finden und kaufen sollen. Und sie vergleichen sich mit denen, denen sie folgen. Sie schauen anderen beim Leben zu und wundern sich, warum sie unglücklich sind.

Gibt es da einen Weg hinaus, kann man Glück lernen?

Ja, auf jeden Fall! Ich bin überzeugt davon, dass man lernen kann, glücklich zu sein. Nicht von heute auf morgen, aber wer mit wachen Augen und offenem Herzen durch die Welt geht, eine Anleitung bekommt und regelmäßig Gespräche darüber führt, kann Glück lernen.

Wie?

Ich muss für mich selber wahrnehmen, wer ich bin und was ich kann, ich darf mich nicht mit anderen vergleichen. Und ich muss meine Wahrnehmung auf das Positive richten, Gutes sehen und annehmen. Gerade das fällt Schülern oft schwer.

Meinen Sie, ein Glück-Unterricht täte an allen Schulen Not?

Ich bin überzeugt davon, dass Schüler und Lehrer davon profitieren könnten. Ich glaube, es würde sich schon für Grundschüler anbieten. An unserer Schule war dieses erste Halbjahr so erfolgreich, im nächsten haben wir schon mehr Glücks-Schüler. Wahrscheinlich weiten wir das Angebot aus. Meine Vision wäre es, „Glück“ auch als reguläres Schulfach anzubieten.

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