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Der Platz in der Tiefstollenhalle war mit der Anlage der europäischen Modellbahner ausgefüllt.

Modellbahnertreffen in der Tiefstollenhalle

Pünktlicher als die Bahn

Normalerweise fährt eine Miniaturbahn um die Tiefstollenhalle. Am Wochenende drehten die Züge auch drinnen ihre Runden. Der Fremo, der „Freundeskreis europäischer Modelleisenbahnen“, hatte dort sein Treffen.

Peißenberg Martin Gesche ist seit vier Jahren Lokomotivführer bei der Bahn. Er hatte mit seinen Kollegen vom „Modellbahnclub Pfaffenwinkel“ in der Tiefstollenhalle erstmalig das Fremo-Treffen organisiert. Seit circa 30 Jahren gibt es diesen Freundeskreis, und etwa alle zwei Wochen findet irgendwo in Europa eine Zusammenkunft dieser begeisterten statt. Am Wochenende war es das „Süddeutsche Nebenbahntreffen“ in Peißenberg, das die gesamte Tiefstollenhalle in ein zusammenhängendes Schienennetz verwandelte. Seit Dezember vergangenen Jahres hatten die Peißenberger Modellbahner vorgearbeitet. Rund 100 Stunden gingen in die Planung der Module, die Erarbeitung des Fahrplans, die Erstellung der Übersicht und ins Catering.

Die Anlage der Modellbahner aus Holland, der Schweiz und Österreich passen zusammen, weil sie sich aus genormten Modulen zusammensetzt. „In fünf Stunden hatten wir alles aufgebaut“, sagt Gesche. Wer aber meint, dass dann nur noch gefachsimpelt und Kaffee geschlürft wurde, wird eines Besseren belehrt. Sechs Fahrdienstleiter und ebensoviele Lokführer schoben Dienst und absolvieren einen zuvor exakt erarbeiteten Fahrplan – überschrieben mit „Deutsche Fremobahn – Direktion Peißenberg“.

Mitten im Raum stand eine für alle sichtbare Bahnhofsuhr, die aber viermal schneller läuft und nach der die rund 15 Loks und 150 Waggons nach Plan durch die Halle gelenkt wurden. Ein Betriebstag mit einer Früh- und einer Spätschicht dauerte hier nur vier Stunden. Da wurde beispielsweise auf Kilometer 9,9 ein Güterzug in Forsting bereitgestellt, der auf 20 Achsen mit Ware für die nachfolgenden Orte beladen war. Er startete um 10.08 Uhr und kam um 11.40 in Windach an. „Es geht darum, den echten Fahrbetrieb möglichst realitätsnah abzubilden“, so Gesche. Auf der Normalspur H0 und der Schmalspur H0e liefen die neun Fahrpläne von Freitag früh bis Sonntag Mittag durch. „Wir wollen da besser sein als die ,Deutsche Bahn’“, so Gesche mit einem Augenzwinkern.

Das Treffen in der Tiefstollenhalle war privat, weshalb sich wenige, angemeldete Zuschauer zwischen den Gleisen zu sehen waren, die das Geschehen verfolgten. Sie konnten zum Beispiel den nachgebauten Bernrieder Bahnhof – inklusive gläserner Chocolaterie – oder die maßstansgetreue Eisenbahnbrücke vor Schondorf bestaunen.

Die Atmosphäre im Raum war ruhig und konzentriert. „Man steht die meiste Zeit“, sagte Gesche. Und das sei – bei aller Freude, die die rund 15 Teilnehmer bei ihrem Treffen hätten – sehr anstrengend. „Nach den acht Stunden Modellbahnfahren ist man groggy, da braucht man nix mehr“, so Gesche.

Emanuel Gronau

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