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Wie üblich im Foyer der Tiefstollenhalle fand der Neujahrsempfang der CSU Peißenberg statt. Zu den Rednern zählte unter anderem Bezirksrätin Alexandra Bertl (rechts am Pult). 

Neujahrsempfang der CSU Peißenberg

Moderate Töne vom „Hardliner“ Dobrindt

Beim Neujahrsempfang der Peißenberger CSU gibt es auch immer Informationen aus der großen Politik. Alexander Dobrindt  berichtete  diesmal von den Sondierungsgesprächen  für eine Groko.

Peißenberg – Nein, es wehte am Sonntagvormittag beim Neujahrsempfang der Peißenberger CSU kein „bürgerlich-konservativer Revolutionshauch“ durch die Tiefstollenhalle – obwohl der „Revolutionsführer“ bei seinem Heimspiel natürlich anwesend war und sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß explizit bei ihrem prominenten Parteikollegen bedankte, „dass er ein Hardliner ist“. Doch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schlug in seiner Neujahrsrede eher moderate Töne an. Er analysierte das Ergebnis der Sondierungsverhandlungen in Berlin („Da ist etwas Gutes gelungen“) und plauderte über seine digitalen Weihnachtsgeschenke – eine Armbanduhr, die rund um die Uhr seine Vitalfunktionen überwacht und eine Hallo-Google-Sprachbox, „die mir heute Morgen gesagt hat, dass es in Spatzenhausen drei Grad plus hat.“ Das war thematisch leichte Kost und sorgte für Gelächter im gut gefüllten Foyer der Tiefstollenhalle. Dobrindt sieht „den Prozess der Digitalisierung mit schnellen Schritten voranschreiten“. Dem technologischen Wandel habe man selbstverständlich auch bei den Sondierungsgesprächen mit weiteren Förderprogrammen Rechnung getragen. Allgemein hätten sich die Verhandlungen darauf fokussiert, „die Mitte der Gesellschaft wieder zum Hauptthema der Politik zu machen“. Mit am stärksten umstritten zwischen den möglichen Koalitionären seien die Fragen der Migration gewesen. „Wir von der CSU haben die klare Position, dass wir auf der einen Seite ein humanitäres Land sind und Schutzbedürftige unterstützen, aber auf der anderen Seite unsere Integrationsfähigkeit eine Grenze hat.“ Bis Ostern, so prognostizierte Dobrindt, könnte die neue Regierung stehen.

Als Gastgeber beim Neujahrsempfang trat erstmals Frank Zellner auf. Der neue CSU-Ortsverbandschef hielt sich mit inhaltlichen Ausführungen zur Kommunalpolitik aber noch zurück – und so musste die nach eigener Diagnose „ballgeschädigte“ Sandra Rößle ans Mikrofon in der Tiefstollenhalle treten. Bis in die frühen Morgenstunden war die Vize-Rathauschefin an gleicher Stelle mit ihren Vereinskollegen vom „Frohsinn 2000“ noch mit Aufräumarbeiten nach dem Schwarz-Weiß-Ball beschäftigt. „Falls ich kleine Versprecher habe, bitte ich das zu entschuldigen“, warb Rößle um Verständnis. Doch selbst der Begriff „muskuloskelettale Therapie“ kam ihr reibungslos über die Lippen. Die ambulante Rehabilitation, die im Betriebsgebäude der „Rigi-Rutsch’n“ eingerichtet werden soll, sei für Peißenberg „eine wahnsinnig große Chance“. Das örtliche Gewerbe und ganz allgemein die Lebensqualität könnten davon enorm profitieren und die Finanzierung des Freizeit- und Bäderparks würde durch die Einrichtung dauerhaft gesichert.

Laut Rößle ist das kommunale Haushaltsjahr 2017 „sehr positiv verlaufen“, was allerdings vor allem daran gelegen habe, dass die Gemeinde Großprojekte wie den Bau des Bürgerhauses verschieben musste. Und dann hatte die Vize-Bürgermeisterin noch an die Adresse von Dobrindt und MdL Harald Kühn einen Appell bezüglich der voraussichtlichen Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung parat: „Lassen Sie uns bei der Finanzierung nicht im Regen stehen. Ohne ,Strabs’ kann Peißenberg keine gemeindlichen Straßen und Wege sanieren.“

Und was gab’s sonst noch an lokalen Themen? Harald Kühn freute sich über die infrastrukturelle Aufstufung Weilheims zum planerischen Oberzentrum („Das wird in die gesamte Region ausstrahlen“) und Andrea Jochner-Weiß beteuerte, dass es bezüglich der geschlossenen Geburtshilfestation am Weilheimer Krankenhaus „nicht am Willen oder am Geld fehlt“. Stattdessen sei es derzeit personell schlichtweg nicht möglich, einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Man werde zwar alles tun, damit die Station wieder geöffnet werden kann, aber: „Es ist dramatisch, wie wenig Fachkräfte es gibt – sowohl bei den Hebammen als auch bei den Gynäkologen.“

Bernhard Jepsen

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