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Über 1000 Impfdosen im Impfzentrum Peißenberg vernichtet - „Moderna haben wir zum Saufüttern“

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Ein Sanitäter zieht eine Impfdosis von Moderna auf
Zahlreiche Moderna-Dosen mussten vernichtet werden, weil sie nicht rechtzeitig verimpft werden konnten. © Sebastian Willnow / dpa

Immer wieder tauchen in den vergangenen Tagen Nachrichten auf, dass in Arztpraxen und Impfzentren bereits abgelaufener Impfstoff verwendet wurde. Woran liegt’s?

Landkreis – 551 Dosen Moderna-Impfstoff wurden dieser Tage im Impfzentrum in Herrsching verimpft, obwohl ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Die Aufregung im Nachbarlandkreis Starnberg ist groß, allen wird ein kostenloser Antikörpertest in einigen Wochen und eine eventuell nötige Nachimpfung angeboten.

Christian Achmüller, Leiter des Impfzentrums für den Landkreis Weilheim-Schongau in Peißenberg, verfolgt die Nachrichten genau. „Die Berichte häufen sich. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Sachlage ist ausgesprochen kompliziert.“

Keine einheitlichen Ablaufdaten auf Impfstoff-Ampullen

Mit dem Impfstoff sei es halt anders als mit dem Joghurtbecher im Kühlschrank: Es sei oft gar kein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt und wenn doch, dann beziehe es sich auf die Lagerung im tiefgefrorenen Zustand. Unterschiedliche Ablaufdaten bei der gleichen Chargennummer kommen durchaus vor – „das ist eine Wissenschaft“, so Achmüller.

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Wie gut, dass er mit Dr. Christoph Wittermann als ärztlichem Direktor einen erfahrenen Wissenschaftler an seiner Seite habe, der schon viele Impfstudien begleitet habe. „Der ist da sehr dahinter“, berichtet Achmüller.

Sobald eine neue Lieferung eintreffe, verschwinde Wittermann im Lager und beschrifte jede einzelne Packung ganz genau und gut lesbar. „Da ist er penibel – im Zweifelsfall entsorgen wir lieber Impfstoff lieber einen Tag zu früh, als das Risiko einzugehen, dass er doch überlagert sein könnte.“ Und entsorgt wird in Peißenberg mittlerweile einiges an Impfstoff. Was noch vor einigen Monaten unvorstellbar schien, ist heute an der Tagesordnung.

Keine Termin-Probleme im Impfzentrum Peißenberg

Denn es ist schwierig geworden, den Bedarf genau zu planen. „Derzeit ist die Lage sehr ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack“, so Achmüller. Wer sich heute bei BayImco registriere, könne in der Regel noch am gleichen Tag einen Termin aussuchen, ganz sicher aber am nächsten Tag geimpft werden.

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Die mobilen Impfangebote würden auch eher so durchwachsen angenommen. Weil der Impfmarathon rund um Dreikönig allerdings gut wahrgenommen wurde und auch mitten in der Nacht etliche Impfwillige vorbeischauten, bietet das Impfzentrum seit dem gestrigen Freitag alle 14 Tage freitags eine „lange Impfnacht“ an. Dann kann man sich bis 24 Uhr Erst-, Zweit- und Drittimpfen lassen. „Man braucht keinen Termin, wenn man Wartezeiten vermeiden will – und ja, die gibt es spätabends öfter, als man denkt –, sollte sich aber sicherheitshalber vorher einen Termin über www.impfzentren.bayern vereinbaren.“

„Ich werfe lieber fünf Flaschen weg, bevor ich einen Impfwilligen wegschicke“

Weil es derzeit kaum absehbar ist, wie viele Menschen zur Impfung vorbeikommen, muss in Peißenberg immer wieder Impfstoff entsorgt werden, weil er abgelaufen ist. „Allein in der vergangenen Woche haben wir 100 Fläschchen Moderna vernichtet“, so Achmüller. Das sind 1000 Impfdosen. „Natürlich tut einem das weh, gerade, wenn man weiß, was für ein rares Gut der Impfstoff im vergangenen Jahr war“, sagt Achmüller. Aber er habe da mittlerweile umlernen müssen: „In der gegenwärtigen Situation werfe ich lieber fünf Flaschen unbenutzten Impfstoff weg, als dass ich auch nur einen einzigen Impfwilligen wieder nach Hause schicke, weil der von ihm gewünschte Impfstoff nicht vorrätig ist.“ Im Kampf gegen die Pandemie zählt jede Impfung.

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„Moderna haben wir zum Saufüttern“

Knapp sei nach wie vor der Biontech-Impfstoff, den sich viele Impfwillige explizit wünschen, so Achmüller. „Moderna haben wir zum Saufüttern, aber bei Biontech ist Organisationstalent gefragt“, sagt er und berichtet, dass die Mitarbeiter des Impfzentrums gerade erst wieder bis nach Rosenheim ins Impfzentrum gefahren sind, weil die „noch eine andere Quelle haben und deswegen Biontech-Dosen abgeben konnten“.

Noch nichts Neues gibt es laut Achmüller in Sachen Vertragsverlängerung für das Impfzentrum in Peißenberg zu berichten. Zwar haben die ersten Bundesländer wie Sachsen-Anhalt bereits angekündigt, die Impfzentren bis mindestens zum Jahresende weiter zu betreiben, in Bayern hält man sich bei diesem Thema derzeit aber noch bedeckt. „Man munkelt schon, dass sich da eventuell was tut, aber was Genaues weiß niemand“, sagt er weiter. Der Impfzentrums-Vertrag mit den Johannitern läuft derzeit bis Ende April.

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