Feierlicher Moment im kleinsten Kreise: (v.r.) Rudi Hochenauer, Franz Merkl, Frank Zellner, Manuela Vanni, Alfred Welscher und Mitglieder des Knappenvereins freuen sich über den neuen Förderturm. Ruder
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Feierlicher Moment im kleinsten Kreise: (v.r.) Rudi Hochenauer, Franz Merkl, Frank Zellner, Manuela Vanni, Alfred Welscher und Mitglieder des Knappenvereins freuen sich über den neuen Förderturm. Ruder

Peißenberg hat einen neuen Förderturm

„Möge er viel länger stehen als das Original“

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Genau 50 Jahre, nachdem im Bergwerk in Peißenberg und Hohenpeißenberg die letzte Schicht gefahren worden ist, wurde gestern auf dem ehemaligen Schachtgelände der Förderturm eingeweiht, der an historischer Stelle den Bergbau erinnert. Zudem gab es eine kurze Gedenkfeier.

Peißenberg – Dort, wo genau 50 Jahre zuvor am 31. März 1971 zum letzten Mal die Bergmänner in rund 1000 Meter Tiefe gefahren waren, standen sie gestern, um das Modell des Förderturms einzuweihen und des Endes des Bergbaus in Peißenberg und Hohenpeißenberg zu gedenken. Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen hatte der Knappenverein Peißenberg die kleine Feier auf dem ehemaligen Schachtgelände auf eine bloße Übergabe reduzieren müssen, sodass nur wenige ausgewählte Gäste die Einweihung verfolgten – unter anderem die ehemalige Bürgermeisterin Manuela Vanni, in deren Amtszeit das Projekt geplant und begonnen worden war.

Dennoch und obwohl drumherum das geschäftige Treiben des Einkaufsparkes herrschte, war die Stimmung feierlich, als Bürgermeister Frank Zellner, flankiert von den Fahnenträgern des Knappenvereins in ihren Uniformen, seine Rede begann: „Wir haben uns hier an einem ganz besonderen Ort versammelt.“ Am „Zieglmeier-Schacht“ sei das Peißenberger Wahrzeichen, der Förderturm gestanden, der nach Schließung des Bergwerks leider gesprengt worden sei. Der Kohleabbau habe die Marktgemeinde über lange Jahre geprägt, so Zellner: „Ohne den Bergbau und seine fleißigen Bergleute wäre Peißenberg nicht, was es heute ist.“

Der Bergbau, der am Hohen Peißenberg im Jahr 1540 mit einem zufälligen Kohlefund begonnen und vor genau 50 Jahren geendet habe, werde nicht vergessen in Peißenberg. „Er ist weiter identitätsstiftend“, sagte der Bürgermeister. Dem ehrenamtlichen Engagement ehemaliger Bergleute und des Knappenvereins sei es zu verdanken, dass nun wieder ein Förderturm in Peißenberg stehe. Er dankte dem ehemaligen Bergmann Franz Merkl, der in „vielen Stunden hunderten Stunden Arbeit“ das Modell des Förderturms gebaut hat, der am Montag „Zieglmeier-Schacht“-Gelände aufgestellt worden war (wir berichteten).

Dann hatte der Vorsitzende des Knappenvereins, Rudi Hochenauer, das Wort: „Es ist für uns als Verein und für mich als Vorstand ein Tag der Freude und ein Tag des Dankes“, sagte er. Er dankte Vanni und Zellner sowie den Bauhof-Mitarbeitern, die viel dazu beigetragen haben, dass der Förderturm nun an seinem Platz steht. Er blickte auf die wichtigsten Ereignisse und Daten des Bergbaus am Hohen Peißenberg zurück. 112 Kilometer unterirdischer Wege habe es in den 1960er Jahren in Peiting, Hohenpeißenberg und Peißenberg unter Tage gegeben. 32 Millionen Tonnen Kohle seien im Laufe der Jahre aus dem Gebiet abgebaut worden. Insgesamt verloren 262 Bergmänner ihr Leben bei ihrer harten Arbeit im Schacht. Die heutige Übergabe sei wegen der Corona-Schutzmaßnahmen eine „trockene Veranstaltung“, er hoffe aber, dass bald nachgefeiert werden könne, schloss Hochenauer. Dann sprach Merkl ein paar Worte. Mit 16 Jahren sei er zum ersten Mal als Hauer in die Grube in Peißenberg eingefahren. Die große Zuneigung zum Bergbau habe ihn veranlasst, das Modell des Förderturms zu bauen. „Möge er viel länger stehen, als es dem Original vergönnt war“, sagte Merkl.

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