„Moses 3“ wurde an der Tiefstollenhalle aufgestellt. Das Foto zeigt (v.l.) Frank Zellner, Susanne Assum, Michele D’Amico und Bauhofleiter Roman Bals.
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„Moses 3“ wurde an der Tiefstollenhalle aufgestellt. Das Foto zeigt (v.l.) Frank Zellner, Susanne Assum, Michele D’Amico und Bauhofleiter Roman Bals.

Heimische Künstlerin

„Irgendwo sind wir uns alle ähnlich“: Zeichen gegen Rassismus an der Tiefstollenhalle

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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„Moses 3“ – diesen Titel trägt eine Holzskulptur, die derzeit am Tiefstollengelände aufgestellt ist. Das Werk der Murnauer Künstlerin Susanne Assum ist ein weiterer, visueller Beitrag im Rahmen der gemeindlichen Kampagne „Respekt! Kein Platz für Rassismus“.

Peißenberg – Zugegeben: Auf den ersten Blick erinnert das 250 Kilo schwere Fichtenholzgebilde, das der Bauhof vor kurzem zwischen Tiefstollenhalle und Bergwerksmuseum per Lastenkran abgeladen hat, stark an einen militärischen Unterstand für Wachsoldaten. Doch um ein sogenanntes Schilderhaus handelt es sich beim „Moses 3“ nicht. Wenn man sich der Skulptur nähert, erkennt man schnell, dass es sich um ein abstraktes Kunstwerk mit einer wichtigen Botschaft handelt. Susanne Assum hat ihren „Moses“ schon vor zwei Jahren angefertigt. Mit ihrer Skulptur verfolgt sie weder politische noch religiöse Absichten. Es geht ihr, wie selbst sagt, schlichtweg um eine „menschliche Stellungnahme“ in Bezug auf ein friedliches Mit- und Nebeneinander. Dem Thema „Migration“ haften laut Assum leider „radikale Denkweisen“ an: „Entweder heißt es, alle sollen aufgenommen werden oder alle sollen weg.“ Oft bestimme die „Angst vor dem Fremden“ die Diskussion. Aber nur wenn man das Gemeinsame suche, so argumentiert Assum, fänden die Menschen auch zueinander.

Was das mit „Moses“ zu tun hat? Die Figur ist nicht nur im christlichen oder jüdischen, sondern auch im islamischen Glauben ein wichtiger Prophet Gottes. Ein Großteil der Zehn Gebote ist ebenso im Koran zu finden. Assum hat diese Verbindung, diese Gemeinsamkeit künstlerisch verarbeitet. In der Skulptur ist zum Beispiel der Name Moses in hebräischer, lateinischer und arabischer Schrift eingraviert.

„Fremde Kulturen sind ein Gewinn“

Und wie kam der Kontakt nach Peißenberg zustande? Assum hat in der Zeitung von der Kampagne „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ gelesen. Initiiert wurde selbige von den beiden Marktratsreferenten für die Themen „Flüchtlinge, Asyl und Integration“, Michele D’Amico (Grüne) und Altbürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste). An öffentlichen Gebäuden wurden im Zuge der Aktion Ende 2020 Anti-Rassismus-Plakate aufgehängt (wir berichteten). „Die Skulptur passt da gut rein“, meint Assum: „Ich freue mich sehr, dass sie am Tiefstollen stehen darf.“

Auch von Seiten der Marktgemeinde begrüßt man den etwas anderen, symbolisch-künstlerischen Input für die Kampagne: „Es ist wichtig, dass Kulturen sichtbar sind“, sagt D’Amico: „Fremde Kulturen sind ein Gewinn – und irgendwo sind wir uns alle ähnlich.“ Peißenbergs Bevölkerung setzt sich aktuell aus 88 Nationalitäten zusammen. Größere Probleme im Zusammenleben gibt es nicht: „Wir kommen gut miteinander aus“, konstatiert Bürgermeister Frank Zellner. Der „Moses 3“ ist als Leihgabe noch bis August am Tiefstollen zu sehen. Berührungsängste braucht man nicht zu haben: „Man darf das Kunstwerk durchaus betreten“, beteuert die Künstlerin ausdrücklich.

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