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Musiklehrer aus Leidenschaft

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Der 90-jährige Heinrich Hesel hat es kaum erwarten können, seine Geburtstagstorte anzuschneiden. Mit im Bild: Sohn Robert und Schwiegertochter Claudia sowie Collie-Hündin „Polly“. Auch Bürgermeisterin Manuela Vanni gratulierte. Foto:rr
Der 90-jährige Heinrich Hesel hat es kaum erwarten können, seine Geburtstagstorte anzuschneiden. Mit im Bild: Sohn Robert und Schwiegertochter Claudia sowie Collie-Hündin „Polly“. Auch Bürgermeisterin Manuela Vanni gratulierte. © Ruder

Peißenberg - Heinrich Hesel feierte seinen 90. Geburtstag. Der Musiklehrer unterrichtete Generationen von Peißenbergern.

Eine Schuhplattlergruppe mitten in einem englischen Kriegsgefangenenlager in Ägypten. Ja, so etwas hat es nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich gegeben – und es war ein Peißenberger, der die „Edelweiß-Plattler“ gegründet hat: „Musik und die Berge – das war seine große Leidenschaft“, erzählt Robert Hesel über seinen Vater Heinrich, der Anfang der Woche seinen 90. Geburtstag feierte. Beim Gratulationsbesuch von Bürgermeisterin Manuela Vanni wurde anhand eines alten Fotoalbums über die Biographie des Jubilars geplaudert.

Hesel wurde zwar im niederbayerischen Kläham geboren, kam aber bereits im Alter von zwei Jahren nach Peißenberg. Sein Vater war Bergmann. Nach der Schulzeit absolvierte Hesel eine Schlosser-Lehre bei „Zarges“, ehe er in den letzten Kriegsmonaten noch zur Wehrmacht eingezogen wurde. Die Kriegsgefangenschaft hat der „Plattler“ gut überstanden. Nach der Rückkehr aus Ägypten ging es dann aber nicht zurück an die Werkbank, sondern Hesel verfolgte konsequent seine Leidenschaft. Er besuchte die Musikschule in Trossingen und eröffnete zusammen mit seiner Frau in der Wörther Straße ein Musikgeschäft. „Man hat mir erzählt, dass halb Peißenberg bei Ihnen Musikunterricht gehabt hat“, berichtet Vanni beim Geburtstagsplausch – und Heinrich Hesel nickt schmunzelnd. Akkordeon, Gitarre, Hackbrett, Klavier oder Orgel, kaum ein Instrument, das der Musiklehrer nicht beherrschte.

Im hohen Alter, so erzählt der Sohn, hat er sich sogar noch an der „Steirischen“ ausprobiert: „Wo ist die überhaupt?“, schaltet sich Hesel ins Gespräch ein. Das Sprechen fällt ihm nicht mehr ganz so leicht. Zuhause in der Ganghoferstraße bekommt er eine 24-Stunden-Pflege. Sohn Robert wohnt mit seiner Familie gleich nebenan: „Ein Seniorenheim war weder für ihn noch für uns eine Alternative“, erzählt Schwiegertochter Claudia. Zur Familie gehören noch zwei Töchter und zwei Enkelkinder, dazu vier Katzen und natürlich „Polly“. Der Collie-Hündin beim Spielen zuschauen, das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen von Hesel: „Essen tut er auch noch gerne. Die Geburtstagstorte wollte er gleich in der Früh schon anschneiden“, erzählt Claudia Hesel grinsend. „Auch das Bier schmeckt noch richtig gut, oder?“, fragt der Sohn seinen Vater – und die Antwort kommt prompt: „Ja!“. Genauso soll’s auch sein. 

jep

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