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Wie wird das Gericht entscheiden?

Nach Eishockeyspiel in Peißenberg: Soldat wegen Beleidigung angeklagt

Ein junger Bundeswehrsoldat aus Garmisch-Partenkirchen musste sich vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, während eines Eishockey-Spiels Polizisten beleidigt zu haben. Der junge Mann, für den viel auf dem Spiel steht, bestritt die Tat. Am ersten Verhandlungstag konnte die Sache aber noch nicht geklärt werden.

VON REGINA WAHL_GEIGER

„Ich habe das auf keinen Fall gemacht“, sagte der Soldat vor Gericht. Er hatte gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben. Ihm wurde darin vorgeworfen, dass er bei dem Auswärtsspiel seines Eishockeyclubs SC Riessersee gegen die Eishackler des TSV Peißenberg im Peißenberger Stadion im Februar vergangenen Jahres Polizeibeamte mit den Worten: „Alle Bullen sind Schweine“ beleidigt haben soll. Der Angeklagte ist ein sogenannter „Ansänger“ im Fanclub der Riesserseer und soll über ein Megafon die Fans zu diesem beleidigenden Gesang angestiftet haben. „Aber warum sollte ich das tun? Ich bin vereidigter Soldat und es gab überhaupt keinen Grund, Polizisten zu beleidigen“, sagte der junge Mann.

Der SC Riessersee hatte an diesem Tag das Spiel gewonnen. Es ergaben sich im Laufe der Verhandlung auch so einige Ungereimtheiten zu den Vorwürfen. So erhielt der Angeklagte zunächst einen Strafbefehl, in dem stand, dass die beleidigende Anstiftung zu Gesängen nach dem Spiel vor dem Stadion passiert sein soll. Die Uhrzeit, die dazu angegeben wurde, passte aber nicht zum Spielende. Demnach befand sich der Angeklagte zu dem Zeitpunkt noch im Stadion.

Dann erhielt er einen weiteren Strafbefehl, in dem stand, dass er nach dem Abpfiff des Spiels zu diesem Gesang angestiftet haben soll. Ungereimtheiten, die sein Verteidiger noch mit Hilfe weiterer Zeugen klären will. Außerdem behauptete der Angeklagte, dass er als Ansänger nur in den ersten beiden Dritteln des Spiels tätig war. Er habe durch den Lärm Kopfschmerzen bekommen, das Megafon dann weggelegt und es nicht mehr benutzt, so der Angeklagte. Das Megafon ist neben Trommeln und Fahnen ein Fanequipment, das alle aus dem Fanclub des Eishockey-Vereins benutzen dürfen.

Um diese Angabe des Angeklagten genauer unter der Lupe zu nehmen, wurden dazu zwölf Zeugen geladen, die allesamt bestätigten, dass der junge Mann das Megafon nur in den ersten beiden Dritteln des Spiels benutzt hat. Keiner konnte sich daran erinnern, ob es anschließend überhaupt wieder benutzt wurde oder wenn ja, wer das gewesen sein könnte.

Der Staatsanwalt war im Vorfeld der Zeugenvernehmungen in der Gerichtsverhandlung skeptisch wegen dieser Zeugen, denn sie stammten alle aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten. „Sie werden alle beeidigt. Und ich zögere nicht, dann zwölf Anklagen wegen Falschaussage zu erheben“, kündigte er vor der Zeugenvernehmung an. Aber er gab auch zu, dass es tatsächlich so sein könnte, dass die Zeugen die Wahrheit sagen würden und der Angeklagte tatsächlich nicht die Beleidigung ausgesprochen hatte.

Denn seltsam an dem ganzen Vorfall war auch die Aussage einer der beiden zwei Polizeibeamten, die die ganze Sache zur Anklage gebracht hatten. Er sagte aus, dass er einen Ansänger nach Abpfiff des Spiels gesehen habe und auch die Beleidigung hörte. Er verständigte seinen Gruppenführer, der wiederum soll einen weiteren Polizeibeamten darauf aufmerksam gemacht haben. Und eben dieser Beamte soll den Angeklagten eindeutig identifiziert haben. „Den kenne ich“, soll der Beamte gesagt haben.

Für die Vorsitzende Richterin Karin Beuting war diese Aussage so wichtig, dass sie den entsprechenden Beamten, der den Angeklagten identifiziert haben soll, noch während der Verhandlung vorlud. Und ab dann wurde es verwirrend, denn der Polizeibeamte sagte überraschend aus, dass er gar nicht im Stadion im Einsatz war an diesem Tag, sondern nur den Fall bearbeitet hatte.

Licht in dieses verwirrende Dunkel wird ein weiterer Verhandlungstag bringen. Für den Soldat hätte eine Verurteilung schwerwiegende Folgen. „Meine Karriere bei der Bundeswehr wäre vorbei“, sagte er. Daher weigerte er sich auch auf den Vorschlag der Richterin einzugehen, den Fall wegen Geringfügigkeit gegen eine Geldauflage einzustellen. „Da würde ich ja meine Schuld trotzdem einräumen. Und ich habe nichts gemacht“, sagte er. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Regina Wahl-Geiger

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