Portal beim Amtsgericht Weilheim
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Vor dem Amtsgericht wurde der Fall verhandelt.

Missgeschick des Kollegen

Bauarbeiter fast von herabstürzendem Gerüstteil getroffen: Er flippte aus - und stand nun vor Gericht

Nachdem er beinahe von einem herabstürzenden Gerüstteil getroffen worden wurde, lagen bei einem Peißenberger die Nerven blank. Im Affekt schlug er seinen Kollegen. Nun stand er vor dem Weilheimer Amtsgericht.

Peißenberg – „Er ist eigentlich ein sehr ruhiger Mensch“, sagte der Vorarbeiter über den Angeklagten, der bis zu dem Vorfall im August vergangenen Jahres schon drei Jahre bei der Gerüstbaufirma tätig war. Am besagten Tag wurde an einem Gerüst in Penzberg gearbeitet. Laut Aussage des Angeklagten gab es schon im Vorfeld eine Diskussion mit einem Kollegen (32). Der hatte unerlaubterweise ein Gerät bedient. „Das war schon gefährlich“, sagte der 44-Jährige aus. Dann passierte dem Kollegen ein fataler Fehler. Weit oben auf dem Gerüst stehend, rutschte ihm ein Teil eines Geländers aus, das genau in den Bereich fiel, in dem der Peißenberger stand. „Es war eng dort. Ich hatte kaum Platz, auszuweichen“, erklärte er. Das schwere Teil verfehlte ihn nur knapp.

„Ich war vollkommen aufgebracht und wollte das erst verarbeiten“, sagte der 44-Jährige vor Gericht. Sein Kollege wollte sich sofort entschuldigen. „Ich habe das nicht absichtlich gemacht. Es hat mir sehr leid getan“, erklärte der Nigerianer, der mit Hilfe eines Dolmetschers seine Aussage machte. Der Vorarbeiter riet dem Kollegen, noch ein wenig zu warten mit seiner Entschuldigung. „Ich schlug ihnen vor, eine Zigarette zu rauchen und sich dann auszusprechen“, sagte der Vorarbeiter.

Geschädigter wollte keine Anzeige erstatten

Es kam dennoch zur Konfrontation zwischen den beiden. Der Angeklagte gab an, seinen Kollegen lediglich von sich weggeschubst zu haben. Der sprach aber von gezielten Faustschlägen in den Magen. Der Nigerianer stürzte und verletzte sich an einem herumliegenden Metallteil am Arm, er hatte eine offene, blutende Wunde. „Ich wollte aber gar nicht zur Polizei gehen. Für mich war die Sache geklärt“, sagte er vor Gericht. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Karin Beuting wollte er auch nicht, dass der Angeklagte bestraft wird. Die Firmenleitung hatte ihn damals jedoch zu einer Anzeige gedrängt und den Peißenbeger fristlos entlassen. Der alleinerziehende Vater zweier Kinder ist seitdem arbeitslos.

Fatal für ihn waren die beiden einschlägigen Vorstrafen wegen Körperverletzung. Er hatte vor einigen Jahren seine ehemalige Lebensgefährtin geschlagen. „Das sind Altlasten. Ich wollte einen Neuanfang und bin hierhin nach Bayern gezogen“, sagte der gebürtige Nordrhein-Westfale, der die Fürsorgepflicht für seine Kinder inne hat. „Das ist nicht so üblich“, sagte er.

Richterin Karin Beuting verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1750 Euro (70 Tagessätze zu je 25 Euro) und blieb bei ihrem Urteil unter der Grenze von 90 Tagessätzen. Somit ist der Mann nicht vorbestraft. „Ich habe Ihre emotionale Belastung in der Situation berücksichtigt“, sagte Beuting. Denn bei den zweifach einschlägigen Vorstrafen des Mannes hätte das Urteil auch deutlich höher ausfallen können.

Regina Wahl-Geiger

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