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Wassermeister Georg Haser zeigt auf das Problem des alten Hochbehälters: Seine beiden Speicherkammern sind kein geschlossenes System, sondern offen. 

Peissenberg

Neuer Hochbehälter fürs Peißenberger Trinkwasser

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die Peißenberger Gemeindewerke investieren laufend in ihre Infrastruktur. Bald steht ein millionenschweres Großprojekt auf der Agenda: Der Neubau einer modernen Trinkwasserspeicheranlage. 

Peißenberg – „Die Qualität ist hervorragend. Wir liegen weit unter den Grenzwerten. Es braucht keine Aufbereitung, rein gar nix“, antwortet Georg Haser, der Wassermeister der Gemeindewerke, stolz, wenn er über die Güte des Peißenberger Trinkwassers befragt wird. Gute Wasserqualität erfordert natürlich auch eine gute technische Infrastruktur – und in diesem Bereich werden die Gemeindewerke demnächst knapp zwei Millionen Euro in einen neuen Wasserspeicher investieren.

Die Peißenberger Wasserversorgung läuft zum Teil über die Paterzeller Raffelbachquellen. Von dort aus fließen jährlich rund 280.000 Kubikmeter in Richtung Marktgemeinde. Das Quellwasser aus Paterzell läuft direkt ins 137 Kilometer lange Ortsleitungssystem. Aber es gibt noch ein zweites respektive drittes Standbein: Weitere 430.000 Kubikmeter pro Jahr werden nämlich von den Brunnenanlagen an der Böbinger Ammerbrücke und der „Burg“ über den südlich des Schweiber-Hofs gelegenen Hochbehälter ins Versorgungsystem eingespeist. Die beiden Kammern verfügen über ein Volumen von jeweils 1000 m³. Täglich fließen rund 1200 m³ aus dem Behälter in das Leitungsnetz.

Peißenberg: Jährlich 280.000 Kubikmeter aus Paterzell

Der Behälter ist zwar voll funktionstüchtig und optisch in gepflegtem Zustand, aber die 1970 errichtete Speicheranlage ist in die Jahre gekommen. Das Problem: Der Hochbehälter entspricht nicht mehr den modernen Technik- und Hygienestandards. Die beiden Speicherkammern zum Beispiel sind offen und nicht hermetisch abgeriegelt. „Nach 50 Jahren ist das Lebensende eines solchen Hochbehälters einfach erreicht“, konstatiert Haser.

Bei den Gemeindewerken hat man verschiedene Gutachten bezüglich des alten Behälters in Auftrag gegeben. Alle kamen zu dem gleichen Ergebnis: Es besteht Handlungsbedarf. Recht schnell hat sich bei den konzeptionellen Planungen herauskristallisiert, dass man einen komplett neuen Hochbehälter baut. Die Sanierung der bestehenden Bausubstanz würde zwar vermutlich um ein Drittel günstiger kommen, „aber dann haben wir die versteckten Mängel nicht behoben“, erklärt Gemeindewerksleiterin Ingrid Haberl: „Technologisch hat sich so viel getan, da ist ein Neubau deutlich nachhaltiger.“

Peißenberg: Hochbehälter-Neubau ist nachhaltiger

Eine Grobplanung für den neuen Behälter liegt bereits vor. Er soll in westlicher Richtung gleich neben dem bisherigen Standort errichtet werden. „Das ist wichtig wegen der Höhendifferenz. Es geht darum, hydraulisch möglichst wenig zu verändern“, erklärt Haser. Der Neubau soll sich in die Landschaft behutsam einfügen. Geplant ist, in einem Holzstadelbau zwei besonders langlebige, in sich geschlossene und mit Pollenfilter ausgestattete Edelstahlbehälter zu installieren. Ihre Kapazität wird dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum angepasst und inklusive Löschwasser bei 1100 Kubikmeter pro Kammer liegen.

Peißenberg: Spatenstich wenn möglich noch heuer

Wenn möglich soll heuer noch der Spatenstich erfolgen. Nachdem der Verwaltungsrat der Gemeindewerke bereits 2019 sein Plazet für das Projekt gegeben hat und der Grundstückskauf bereits in trockenen Tüchern ist, wird demnächst mit der Eingabeplanung begonnen. Haser rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr, sodass der neue Hochbehälter 2021 in Betrieb gehen könnte. Und was wird aus dem alten Behälter? Er wird zwar nicht abgerissen, aber auf jeden Fall außer Betrieb genommen. Die Anlage als Reservedepot weiterzuführen, wäre nicht wirtschaftlich. „Wir müssten den Behälter ja dann trotzdem sanieren. Außerdem bekämen wir irgendwann auch keine Zulassung mehr“, erklärt Werkleiterin Haberl.

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