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Bange Blicke Richtung Bach: Damit solche Bilder (Juli 2016) der Vergangenheit angehören, arbeitet Peißenberg an einem Hochwasserschutzkonzept.

Reaktionen auf Info-Abend zum Hochwasserschutz

Nicht alle Fragen wurden beantwortet

Knapp drei Stunden dauerte der Info-Abend zum Thema „Hochwasserschutz“ in der Tiefstollenhalle. Viele Fragen wurden gestellt – nicht alle wurden beantwortet. Zum Beispiel die Frage, ob die hinter dem provisorischen Damm am Recycling-Hof aufgeschütteten Abraumhaufen belastet sind? Auch zur Nachkartierung der Überschwemmungszonen gab es keine Erklärungen.

Peißenberg – Michael Bernhard wollte es in der Bürgerversammlung ganz genau wissen: In der allgemeinen Diskussionsrunde konfrontierte er Bürgermeisterin Manuela Vanni mit gezielten Nachfragen zur Hochwasserkartierung und kritisierte die zeitlichen Verzögerungen im Planverfahren. Zum Hintergrund: Die ursprünglich vom Ingenieurbüro Steinbacher erstellte Überschwemmungsgebietskarte für ein 100-jähriges Hochwasser (HQ 100) wurde 2012 zum ersten Mal im Marktrat präsentiert. Der Schock über die Berechnungen saß tief, weil weite Teile von Peißenbergs nördlichem Ortsteil blau gekennzeichnet waren. Der damalige Marktrat entschied, die Kartierung von einem anderen Ingenieurbüro nachrechnen zu lassen und nahm die daraus resultierende Planungsverzögerung für den Hochwasserschutz zähneknirschend in Kauf. In der Zwischenzeit erlangte die erste Kartierung allerdings bereits Gültigkeit: „Das hat massivste Probleme für Bauherren gegeben. Viele Projekte waren durch die Kartierung nicht mehr möglich“, erinnert sich Bürgermeisterin Manuela Vanni. Bestes Beispiel: Die „Siedlungsbau Schwaben“, die das Finsterwalder-Anwesen an der Ebertstraße vermarkten wollte, sprang aufgrund der hohen wasserrechtlichen Auflagen als Investor ab.

Beim Info-Abend hakte Bernhard mit einem umfangreichen Fragenkatalog nach: Wann wurde der Beschluss, die Überschwemmungsgebietskarte nachrechnen zu lassen, vom Marktrat gefällt? Wann und wie wurde der Beschluss vollzogen? Welches Ergebnis brachte die Nachberechnung und wann lag es vor? Antworten darauf bekam Bernhard in der Versammlung nicht, weswegen er sich nach dem Info-Abend per E-Mail an die Rathauschefin wandte. Vanni vertröste Bernhard – wiederum per E-Mail: „Da die Beantwortung sicherlich für die gesamte Bevölkerung interessant ist, wird dies auf der Bürgerversammlung am 10. Oktober erfolgen“, kündigte sie an.

Auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärte Vanni, dass die Rathausverwaltung nicht sämtliche Detaildaten zu jeder Zeit präsent haben könne: „Wenn Herr Bernhard zwei Tage vor der Versammlung die Fragen eingereicht hätte“, so Vanni, „dann hätten wir alles raussuchen können.“

Und was ist mit den sechs Abraumhäufen, die von der Baustelle am Bürgerhaus/Jugendzentrum hinter die provisorische Rückhaltedammaufschüttung am Recyclinghof verfrachtet wurden? Laut Vanni kann eine gefährliche Kontamination des Materials ausgeschlossen werden. Das bestätigt auch Markus Hörmann von der Seehausener Umwelttechnik- und Altlastenspezialfirma „A&H Tec“. Demnach seien fünf Haufen völlig unbedenklich und lediglich mit organischem Material versetzt. In einem Abraumhügel seien bergbautypische Kohle- und Teerrückstände festgestellt worden – in erhöhter Konzentration. Allerdings betont Hörmann: „Das muss man in Relation setzen. Man liegt da weit ab von einer kritischen Belastung.“ Von wirklich gefährlichen Altlasten sei nicht auszugehen. Auch die Radom-Belastung weise keine auffällige Konzentration auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Hochwasser sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz „PAK“) ausgewaschen werden können, ist laut Hörmann äußerst gering: „Die sind sehr schlecht wasserlöslich. Und wenn es doch passieren sollte, dann wäre das nur nach einem sehr langen Prozess denkbar.“ Das „Problem“ wird sich aber ohnehin bald erledigt haben. Der belaste Haufen soll auf einer Deponie entsorgt und die anderen fünf Hügel auf Gemeindegebiet als Auffüllmaterial verwendet werden.

Kathrin Hauser

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