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Nur noch ein Sommer am Lieblingsplatz an der Ammer in Peißenberg

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Von: Kathrin Hauser

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Menschen baden in einem Fluss.
Wie beliebt der Badeplatz an der Ammer in Peißenberg ist, zeigt dieses Bild aus dem Jahr 2018. © Privat

Ein ganz besonderer Badeplatz in Peißenberg gehört wohl demnächst der Vergangenheit an: Das „PKG-Wehr“ soll renaturiert werden, was zur Folge hat, dass die Schwimmstelle in der Ammer nach und nach abflachen und schließlich verschwinden wird. Hans Fischer will das nicht so einfach hinnehmen.

Vor 60 Jahren hat Hans Fischer aus Peißenberg den Badeplatz am PKG-Wehr in Peißenberg für sich entdeckt. Und seitdem ist er an heißen Tagen fast immer da. „Ich bin jetzt 76 Jahre alt und seit 60 Jahren gehe ich zum Baden hinter“, sagt Fischer: „Man kann da schwimmen, sich vom Wasser massieren lassen, es ist wunderbar da. Es ist mein Lieblingsplatz im Sommer.“ Vor allem an den besonders heißen Tagen biete die Ammer in Peißenberg eine schöne Abkühlung, weil das Flusswasser trotz der Hitze angenehm kühl bleibe.

So wie ihm gehe es vielen Peißenbergern, sagt Fischer. Im Sommer kämen über den Tag verteilt rund 100 Badegäste an das Wehr, das zwischen der Böbinger Ammerbrücke und der Scheithaufbrücke in Peißenberg liegt. In der Marktgemeinde wird dieses Wehr immer noch „PKG-Wehr“ genannt, weil unweit davon die „Peißenberger Kraftwerksgesellschaft“ ein Ausleitungsbauwerk in Betrieb hatte, als im Bergwerk Kohle gefördert wurde. Das Ammerwehr wurde etwa 1930 erbaut und ist an den tiefsten Stellen rund 1,80 Meter tief. „Es ist ein richtig schönes Naturbecken“, sagt Fischer.

Doch die Tage am Peißenberger Ammerwehr sind gezählt. Wie bereits berichtet, plant das „Wasserwirtschaftsamt Weilheim“, das „PKG-Wehr“, wie alle anderen Ammerwehre, zu renaturieren. Dazu muss die Wehranlage umgestaltet werden. „Der Fluss soll für Fische wieder durchgängig gestaltet werden“, sagte Bernhard Müller, der Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt ist, vor rund zwei Jahren zu diesem Thema.

Deshalb sollen die tiefsten Stellen, an denen es sich derzeit noch gut schwimmen lässt, aufgefüllt werden. Zudem soll die Strömung des Wassers mithilfe von Steinriegeln umgelenkt werden, sodass sich Fließweg und Strömungsstärke verändern. Dadurch wird sich mit der Zeit immer mehr Kies ablagern, die Badestelle wird abflachen und schließlich wird es nicht mehr möglich sein, dort zu schwimmen.

Durch diese Veränderung soll das Wehr, das wegen seiner Rückströmungen als gefährlich gilt, zudem sicherer gemacht werden. Im Jahr 2016 war dort ein Asylbewerber ertrunken. Für Fischer sind das keine stichhaltigen Argumente dafür, das Wehr so umzugestalten, dass die Schwimmstelle zwangsläufig verschwindet. „Muss man die ganze Breite des Wehres von etwa 25 Metern und somit unsere Schwimmmöglichkeit mit scharfkantigen Wasserbausteinen zuschütten, um den Aufstieg der Fische zu den Laichplätzen zu ermöglichen?“, fragt er in einem Brief an diese Zeitung. Und er versteht nicht, warum die Fischtreppe, die es am „PKG-Wehr“ seit den 60-er Jahren gebe, nicht wieder so hergerichtet wird, dass Fische sie benutzen können.

In Fischers Augen wird damit das Tierwohl über das des Menschen gestellt: „Die Fische kommen dann wieder rauf, aber für uns Menschen reicht es zum Schwimmen nicht mehr.“ Der Peißenberger versteht nicht, warum nicht ein Ingenieurbüro damit beauftragt wurde, eine Lösung zu finden, die für Mensch und Tier zufriedenstellend ist – zumal das eigentliche Wehr-Bauwerk gar nicht abgebaut wird und in der Ammer bleibt. Es wird lediglich mit der Zeit von Geschiebe überdeckt werden, wenn alles nach dem Plan des Wasserwirtschaftsamtes läuft. „Der Mensch ist doch auch eine Kreatur“, sagt Fischer.

Dass die Badestelle zu gefährlich sei, taugt seiner Meinung nach auch nicht als Argument: „Dann müsste man ja gleich alle Bade- und Baggerseen zuschütten, in denen ein Mensch ertrunken ist.“ Er schlägt vor, den geplanten großen Umbau in „abgespeckter Form“ durchzuführen, sodass die Natur und die „Kreatur Mensch“ auf ihre Kosten kommen würden.

Den Erhalt dieser Bademöglichkeit hält Fischer auch deswegen für wichtig, weil es in Peißenberg bis auf die „Rigi-Rutsch’n“ keine gibt. „Wir haben ja keinen Badeweiher, aber wir können immer noch an die Ammer gehen.“ Dennoch hat er wenig Hoffnung, dass sich noch etwas gegen den Wehr-Umbau machen lässt, für den Kosten von rund 300 000 Euro veranschlagt sind: „Wieder einmal von oben angeordnet, ist es eine beschlossene Sache, das seit nunmehr 87 Jahren bestehende Wehr und somit eine erfrischende Bademöglichkeit zu zerstören“, schreibt Fischer. Er legt jedem Schwimmer ans Herz, „an einem heißen Sommertag das sprudelnd erfrischende Ammerwasser, das es sonst im ganzen Ammerverlauf nicht gibt, zu genießen“.

Bislang waren Fischers Bemühungen, die Schwimmstelle zu erhalten, erfolglos: Er hatte sich mit seinem Anliegen bereits an die ehemalige Bürgermeisterin gewandt, an den Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt und an das Wasserwirtschaftsamt – ohne Erfolg.

Weil das Wasserwirtschaftsamt Weilheim zunächst andere, wichtigere Projekte verwirklichen will, wurde das Vorhaben, das eigentlich bereits im vergangenen Jahr begonnen werden sollte, zurückgestellt. Der Wehrumbau soll voraussichtlich im nächsten Jahr im Herbst oder Winter angegangen werden. Dann hätten Fischer und die anderen Ammerschwimmer also noch einen letzten Sommer an ihrem Lieblingsplatz am Ammerwehr: „Gott sei Dank haben wir noch ein Jahr Zeit“, sagt Fischer.

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