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Um den Bau eines Zweifamilienhauses wie auf diesem Symbolbild ging es im Peißenberger Gemeinderat.

Gemeinderat Peißenberg

Obere Au: Bauträger beißt weiter auf Granit

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Mit seinen Nachverdichtungsplänen für die Obere Au beißt ein Peißenberger Bauträger weiterhin auf Granit. Die Errichtung eines Zweifamilienhauses wäre zu voluminös und würde sich in zweiter Baureihe nicht in das städtebauliche Umfeld an der Bavariastraße einfügen, lautete nicht nur im Bauausschuss, sondern nun auch im Marktrat der Tenor.

Peißenberg – Es ist für die Kommunalpolitik regelmäßig eine schwierige Gratwanderung, wenn sie über Bauprojekte zur Nachverdichtung von Wohnquartieren entscheiden muss. Da gilt es einerseits die Interessen der Anlieger zu berücksichtigen, anderseits ist die innerörtliche Nutzung von Freiflächen im Gegensatz zur Versiegelung im Außenbereich ressourcen- und umweltschonender. Im Fall des rückwärtigen und außerhalb des „faktischen Baufensters“ gelegenen Grundstücks an der Bavariastraße 8 gehen den Mandatsträgern die Nachverdichtungspläne des Bauträgers allerdings zu weit. Nachdem der eingereichte Vorbescheidsantrag für ein knapp 200 Quadratmeter großes Zweifamilienhaus bereits zweimal im Bauausschuss und bei einem Ortstermin diskutiert worden war (wir berichteten), senkte nun der Marktrat final den Daumen: Das Gremium verweigerte sein gemeindliches Einvernehmen.

„Wir haben lange in der Fraktion diskutiert“, erklärte Altbürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) in der Ratsdebatte. Wenn überhaupt, dann komme an der Stelle allenfalls ein Einfamilienhaus in Frage: „Aber eigentlich sind wir eher ganz gegen eine zweite Baureihe“, so Vanni. Die Zufahrt zur Oberen Au sei allgemein schwierig und der Kanalanschluss nicht unproblematisch. Auch Jürgen Forstner (Freie Wähler) konstatierte, dass ein Zweifamilienhaus „den Rahmen sprengen“ würde. Eine Bebauung in zweiter Baureihe würde maximal ein Einfamilienhaus vertragen. „Nachverdichtung ist gut und zu begrüßen, aber sie muss nachhaltig sein“, so Forstner. Ins gleiche Horn blies Bernd Schewe (SPD): Ein Zweispänner würde schlichtweg dem Einfügungsgebot widersprechen. Doch damit war die Debatte noch nicht beendet. Walter Wurzinger (Freie Wähler) meldete sich zu Wort und wandte sich direkt an Rathauschef Frank Zellner (CSU): „Wie ist denn eigentlich Ihre Meinung zu dem Thema, Herr Bürgermeister?“ Schließlich würde es sich um eine wichtige Grundsatzentscheidung im Hinblick auf mögliche weitere Nachverdichtungsprojekte in der Oberen Au handeln. Zellner, der in den Ausschuss- und Gemeinderatssitzung bislang eher die Rolle eines Moderators einnimmt, verwies zunächst auf einen Beschluss, den das Ratsgremium vor einem Jahr zum selben Sachverhalt getroffen hatte. Danach war vom Gremium mehrheitlich das gemeindliche Einvernehmen für ein Mehrfamilienhaus (240 Quadratmeter) erteilt worden – allerdings verbunden mit einem Prüfauftrag an das Landratsamt, ob sich das Bauvorhaben städtebaulich in die Umgebung einfügt. Zellner argumentierte nun, dass es aufgrund der Beschlusshistorie „konsequent“ wäre, wenn dem aktuellen Vorbescheidsantrag zugestimmt werden würde. Es sei schließlich kein Mehr-, sondern ein von den Ausmaßen her kleineres Zweifamilienhaus geplant. „Wir haben einer größeren Variante also schon einmal zugestimmt“, so Zellner. Zudem sei eine „gewisse Nachverdichtung“ zur Wohnraumbeschaffung „wichtig“. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sei ungebremst hoch. „Rein formal könnte ich es also schon unterstützen, dass zwei Familien Wohnraum bekommen“, so Zellner. Ein paar Minuten später votierte der Rathauschef dann aber doch gegen die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens. Der Beschluss, den Vorbescheidsantrag abzulehnen, fiel einstimmig aus.

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