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Eine von Wolfgang Hoffmanns neueren Erfindungen: die El ektro-Ente. 

Wolfgang Hoffman restauriert, baut und repariert Kultfahrzeuge

Ente ohne Ende: In Oberhausen gibt es eine 2CV-Spezialwerkstatt

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Am 27. Juli 1990  - vor 30 Jahren - verließ die letzte Ente das Citroën-Werk in Mangualde in Portugal. Für das Kultfahrzeug, das eigentlich „2CV“ heißt, werden heute noch Ersatzteile produziert. Einer der Abnehmer ist Wolfgang Hoffmann aus Peißenberg, der in Oberhausen Enten restauriert, baut und repariert.

Oberhausen/Peißenberg – Bevor Wolfgang Hoffmann auf die Ente gekommen ist, war er zehn Jahre lang Citroën-Händler. Von 1973 bis 1983 hatte der Automechaniker, der in Peißenberg lebt, ein Citroën-Autohaus. „Das habe ich aufgehört und nur noch Enten gemacht“, sagt der 71-Jährige: „Die Enten-Fahrer waren mir immer die liebsten Kunden.“ Und weil er schon immer ein Fan des französischen Kultautos war, hat er sich beruflich ganz dem „2CV“ verschrieben.

Diese Entscheidung habe er nie bereut, sagt er: „Obwohl es nach wie vor viel Arbeit ist. Die Nachfrage hat nie aufgehört.“ Zudem werden es 30 Jahre nach Produktionsende mehr Enten statt weniger, sagt Hoffmann. Es gebe immer jemanden, der in einer alten Garage oder irgendwo auf einem Grundstück ein mehr oder weniger marodes Exemplar entdecke.

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Viele dieser Fundstücke landen in Hoffmanns Werkstatt, wo sie komplett erneuert werden. Das sei beim „2CV“, dessen Motor mit Luft gekühlt wird, relativ einfach. Deswegen sei auch Rost, der bei französischen Oldtimern oft das Hauptproblem ist, kein Thema. „Wir nehmen einen neuen Rahmen und bauen das Auto neu auf“, sagt Hoffmann. Motor und Fahrwerk des „2CV“ seien seit jeher sehr gut gewesen.

Wenn Hoffmann von seinen Enten erzählt, ist ihm die Begeisterung für das, was er tut, anzumerken. Dass er nach wie vor viel zu tun hat, ist beim Besuch in der Werkstatt in Oberhausen auf den ersten Blick zu sehen. Es wimmelt von „2CVs“: alten in gutem Zustand, noch älteren, an denen der Zahn der Zeit gewaltig genagt hat, ganz neuen, die Hoffmann und seine Mitarbeiter frisch zusammengebaut haben und viele Sonderanfertigungen. In der Mitte steht eine Cabrio-Enten-Limousine, die mehr an eine Kutsche als an ein Auto erinnert. Dieses ursprünglich nur für eine Hochzeit gebaute Fahrzeug solle nun straßentauglich gemacht werden, erzählt Hoffmann. Er hat Kunden in der ganzen Welt, denn so etwas wie seine Werkstatt, „die gibt es nirgends sonst“, sagt er. Nichts scheint hier unmöglich, was die Ente betrifft. Neben „2CVs“ stehen noch andere Schätze auf dem Grundstück der Werkstatt in Oberhausen – ein eierschalenfarbener DS und mehrere CX.

Mit dem „Hoffmann-Cabriolet“ wurde Wolfgang Hoffmann berühmt

Aber vor allem Enten: Wohnmobil-Enten, Elektro-Enten, eine Renn-Ente mit wesentlich stärkerem Motor als der mit dem die Enten vom Band gingen, der in der Regel 18 PS hatte – und die Kreation, mit dem der Automechaniker nicht nur unter Entenfans eine Berühmtheit wurde: das „Hoffmann-Cabriolet“.

Als Hoffmann das Enten-Cabrio 1988 entwickelt hatte, war die Autowelt begeistert. „Es gab sogar ein Poster in einer großen Automobilzeitschrift“, sagt Hoffmann. Von den Cabrios hat er viele verkauft und die Bausätze dazu gibt es bei ihm zu erstehen. Heute beschäftigt sich der Peißenberger mehr mit dem Bau von Elektro-Enten und Enten-Wohnmobilen.

Das Herzens-Auto, das er mit Vorliebe selber fährt, ist auch für Hoffmann die Ente. Damit geht es mindestens ein Mal im Jahr auf Reisen: „Wir fahren mit einer Kastenente und einem Wohnwagen-Anhänger.“

Woran liegt die weltweite Begeisterung für dieses Auto, das nach Ansicht vieler gar keines ist und das bei seiner Vorstellung im Jahr 1948 schon als „Konservendose für vier Sardinen“ verspottet wurde? „Das waren billige Autos“, ist Hoffmanns Erklärung: „Die konnten sich Studenten leisten, die damit verreist sind.“ Früher seien die Sitze mit einem Handgriff auszubauen und das Dach einfach aufzurollen gewesen. So komme es, dass fast jeder eine Geschichte mit der Ente verbinde und die Begeisterung ungebrochen groß sei, so Hoffmann: „Und die Nostalgie wächst noch.“

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