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Sind besorgt um die Zukunft der Obstpresse: (v.l.) Petra Gandorfer (3. Vorsitzende), Matthias Hett (Vorsitzender), Rita Bauer, Martin Lehner (2. Vorsitzender) und Josef Bauer. 

Gartenbauverein Peißenberg

Obstpresse vor dem Aus?

Die Obstpresssaison 2017 ist noch gesichert, aber wie geht es weiter? Der Gartenbauverein sucht dringend Ersatz für die Organisatoren.

Peißenberg – Bald geht sie wieder los, die heimische Obsterntesaison. Dann wird vermutlich in der örtlichen Mosterei wieder Hochkonjunktur herrschen. Im Schnitt werden pro Jahr rund 50 000 Liter Apfelsaft in der vom „Verein für Gartenbau und Landespflege Peißenberg-Ammerhöfe“ betriebenen Pressanlage abgefüllt. Doch mit Ablauf der Saison 2017 am 30. Oktober könnte der letzte Tropfen aus den Hähnen der Obstpresse geflossen sein. Die Einrichtung steht nämlich vor dem Aus. Der Gartenbauverein sucht seit geraumer Zeit nach einem neuen Organisations- und Leitungsteam – bislang vergeblich. Auch die Rekrutierung von Helfern gestaltet sich immer schwieriger.

„Irgendwann muss mal a Ruh’ sein – sonst schmeißt man mir den Most noch ins Grab hinterher“, sagt Josef Bauer – halb im Scherz, halb im Ernst. Er und seine Ehefrau Rita waren rund 40 Jahre lang für die Obstpresse zuständig. Doch nach der Saison 2017 ist für die beiden definitiv Schluss. Im April haben die Bauers – beide sind bereits über 70 Jahre alt – ihren Rückzug bekannt gegeben. Gemäkelt hat deswegen beim Gartenbauverein niemand – im Gegenteil: „Die beiden dürfen ohne schlechtes Gewissen aufhören, das ist absolut in Ordnung. Keiner wird jünger und gesünder“, betont Gartenbauvereinschef Matthias Hett. Dennoch: Für den Verein hat sich mit dem baldigen Abgang der Bauers eine prekäre Lage ergeben. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Mitte Juli wurden mehrere Szenarien diskutiert. Die schlechteste Variante wäre die Schließung. Selbige würde übrigens nicht nur die örtlichen Obstanbauer hart treffen. Nach Berechnungen der Fachbehörden am Landratsamt werden in der Peißenberger Obstpresse durchschnittlich rund zehn Prozent der gesamten Obstmenge im Landkreis vermostet. Auch für den Gartenbauverein selbst wäre die mögliche Schließung ein schwerer Schlag. „Das Herstellen und die Verarbeitung von Obst ist nach der Vereinssatzung eine unserer Hauptaufgaben. Sehr viele Mitglieder sind nur deshalb beim Verein, weil sie in der Obstpresse günstigere Konditionen bekommen“, sagt Hett. Und dann wäre da noch die Vorbildfunktion: „Man tut sich schwer, den Leuten das Anpflanzen von Obstbäumen und ein regionales Bioprodukt schmackhaft zu machen, wenn man keine sinnvolle Verwertung anbieten kann“, sagt Vize-Vorstand Martin Lehner.

Die Mitgliederversammlung beschloss, zunächst einen „Hilferuf“ in der Öffentlichkeit zu starten – in der Hoffnung, dass sich potenzielle Interessenten melden. Die Leitung der Obstpresse wäre übrigens nicht an eine Vereinsmitgliedschaft gebunden. Die Anforderungen sind allerdings nicht zu unterschätzen, da ist Hett ehrlich: „Das Ganze macht sich nicht von alleine. Es ist mit Aufwand verbunden – da müssen wir möglichen Bewerbern von vornherein reinen Wein einschenken.“ Interessenten sollten zum Beispiel technisch versiert sein sowie Lohnabrechnungen und bürokratische Hürden bewältigen können – und vor allem körperlich fit sein: „Ohne Kraft kein Saft“, konstatiert Lehner. Die Leitung der Obstpresse erfolgt freilich nicht auf ehrenamtlicher Basis. Der Verein zahlt eine Aufwandsentschädigung – „und die Arbeit macht auch Spaß“, sagt Rita Bauer: „Der Kontakt zu den meisten Kunden ist richtig freundlich und nett.“

Aber was ist, wenn sich niemand findet? Dann will der Gartenbauverein in einem nächsten Schritt nach einem Lohnunternehmer suchen, allerdings ist dieses Szenario mit einigen Nachteilen und Fragezeichen verbunden. Zum einen würde die Nutzung der Obstpresse für die Kunden teurer, zum anderen ist ungewiss, ob die Gemeinde einem solchen Konstrukt überhaupt zustimmen würde. Der Gartenbauverein hat das Gebäude von der Kommune selbst nur gepachtet.

Und bis wann soll über die Zukunft der Obstpresse endgültig entschieden sein? „Bis Ende Februar 2018. Bis dahin müssen wir wissen, ob Feierabend ist oder nicht“, so Hetts Zeitplan.

Info

Wer Interesse hat, sich für die Obstpresse zu engagieren, kann sich telefonisch (08803/60313) bei Gartenbauvereinschef Matthias Hett über nähere Details informieren.

Bernhard Jepsen

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