+
Kurz vor dem Abheben: Tim Eck (auf dem Vordersitz) bekommt von Martin Pape, Präsident des Luftsportvereins, eine letzte Einweisung. Den Überblick hat Fluglehrer Rudi Weidenauer auf dem hinteren Sitz des Fliegers.

Luftsportverein Weilheim-Peißenberg

„Airlebnistag“ in Paterzell: Mit Kribbeln im Bauch in die Lüfte

  • schließen

„Fliegen wie die Raubvögel“: Das konnten Jugendliche beim „Airlebnistag“ den der „Luftsportverein Weilheim-Peißenberg“ veranstaltete, mit dem Segelflugzeug. 

Paterzell – Immer schneller rollt das kleine Flugzeug über die Wiese am Flugplatz in Paterzell, bis die Räder nicht mehr den Boden berühren. Lautlos und beinahe senkrecht schießt der weiße Segelflieger „ASK 21“ dann in die Höhe. Die beiden Passagiere, die hintereinander im Inneren des Doppelsitzers sitzen, sind da schon nicht mehr zu erkennen.

„Ich kann mich noch genau an meine ersten Flüge erinnern“, sagt Fluglehrer Alois Zellner, der auf dem Boden zurückgeblieben ist. Mit seinen Augen verfolgt der 75-Jährige das winzige Flugzeug, das nun in gut 200 Metern Höhe seine Kreise dreht. „Nur mit der Kraft der Sonne zu fliegen, ohne Motor, so wie die Raubvögel – das ist schon etwas Besonderes“, sagt er.

Um dieses besondere Gefühl Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren näherzubringen, die noch keine Erfahrungen im Segelfliegen haben, haben Zellner und die anderen Mitglieder des „Luftsportvereins Weilheim-Peißenberg“ in den Osterferien zum kostenlosen „Airlebnistag“ auf dem Flugplatz eingeladen.

„Airlebnistag“ in Paterzell: Für die Jugendlichen geht es in die Luft

Wie Martin Pape, Präsident des Vereins, erklärt, veranstalten die Flieger diesen Tag schon seit vielen Jahren. „Die Jugendlichen bekommen eine Führung über den Flugplatz, machen einen Check am Boden und erfahren, wie man sich im Flieger richtig anschnallt – und später geht es in die Luft“, sagt er.

An der Reihe mit dem Fliegen ist gerade der 15-jährige Tim Eck aus Weilheim. Zusammen mit Rudi Weidenauer, einem weiteren Fluglehrer aus dem Verein, macht er an diesem Tag schon seinen zweiten Flug. „Der Flugschüler sitzt vorne, der Lehrer hinter ihm“, erklärt sein Kollege Zellner, während das Schulungsflugzeug allmählich tiefer sinkt und zur Landung ansetzt, „wir lassen die Jugendlichen auch schon ein bisschen selber lenken.“ Einige hundert Meter rollt das etwa 400 Kilogramm schwere Flugzeug holpernd über die geteerte Landebahn. Dann kommt es zum Stehen.

Höhenangst haben die Teilnehmer keine

Als Tim aus dem Flieger klettert und die Anschnallgurte seines Fallschirms löst, wirkt er entspannt. Höhenangst hat er keine. „Beim Start hat man schon ein Kribbeln im Bauch, weil es so schnell geht“, sagt er, „aber man gewöhnt sich daran.“

Die Gruppe, die um den eben gelandeten Flieger herumsteht, ist überschaubar. Fünf Interessenten haben sich zum „Airlebnistag“ angemeldet. Nachwuchsprobleme habe der Verein, der 175 Mitglieder – 75 davon aktive Flieger – zählt, laut Präsident Pape keine. „Das jüngste Mitglied ist 13, das älteste über 90 Jahre alt.“ Bei den Jugendlichen sei es oft so, dass „einer aus der Clique mit dem Fliegen anfängt und die anderen nachziehen.“

Wie Pape erklärt, sei der Eintritt in den Luftsportverein ab 13 Jahren sinnvoll. „Ab 14 darf man alleine fliegen – und ab 16 Jahren kann man den Pilotenschein machen“, sagt er. Da immer „Bodenpersonal“ gebraucht wird, um den Segelflug im Windenbetrieb zu ermöglichen, dürfen junge Mitglieder auf dem Flugplatz auch Auto und Bulldog fahren. „Ich habe hier nicht nur fliegen, sondern auch fahren gelernt“, erinnert sich Pape.

Lesen Sie auch: Zwischen Peißenberg und Paterzell - Kreisstraße WM 29 gesperrt. 

Das Segelflugzeug zu lenken, ist gar nicht so einfach

Sich vorzustellen, in den Verein einzutreten, kann sich der 13-jährige Moritz Schwarz aus Polling, der an diesem Tag ebenfalls zum „Airlebnistag“ gekommen ist. „Es ist ein schönes Gefühl, so hoch oben in der Luft“, sagt er. Schon einige Male ist er zuvor mit einem Segelflugzeug geflogen. „Es ist gar nicht so leicht, selbst zu lenken. Mit den Händen und Füßen muss man alles parallel machen – sonst kippt man“, erklärt er. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern hilft er jetzt, das eben gelandete Flugzeug um 180 Grad zu drehen, damit es wieder an das Seil der Seilwinde angehängt werden und erneut starten kann.

Gut Gelandet: Jugendleiter Jakob Schliewen (vorne li.) nimmt Moritz Schwarz (re.) die Gurte ab.

„Man muss schon hinterher sein“, sagt Fluglehrer Zellner. Wer mit dem Fliegen anfangen will, sollte seiner Ansicht nach nicht nur ein gewisses Grundinteresse an Mathematik und Physik mitbringen. Auch Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn seien wichtig. „Fünf Leute arbeiten zu, damit einer in die Luft kann“, sagt Zellner. Während er noch erzählt, klettern die nächsten beiden Flieger bereits in das Segelflugzeug – bereit, um wieder abzuheben.

nema

Lesen Sie auch: Am 1. Mai: Feuerwehr Peißenberg präsentiert neue Drehleiter.

Das könnte Sie auch interessieren: Weilheimer Lehrer auf sechsjähriger Weltreise: Gegen den Wind durch Südamerika. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Per Speed-Dating zum Traumjob? 
Schon kurz nach Einlass herrschte beim „Job-Event“ dichtes Gedränge in der Aula des Weilheimer Gymnasiums. 40 der 180 Besucher nutzten die Gelegenheit, um auch am ersten …
Per Speed-Dating zum Traumjob? 
RVO fürchtet um seine Zukunft 
Der Landkreis will dem MVV-Tarifverbund beitreten. Beim Regionalverkehr Oberbayern wird dies kritisch gesehen. Der RVO ist mit seinen Bussen der Platzhirsch beim ÖPNV. …
RVO fürchtet um seine Zukunft 
Bürgermeisterwahl in Peißenberg: FW küren Wurzinger zum Kandidaten
Als „politische Mitte“ Peißenberg nach den Kommunalwahlen 2020 „aktiv erneuern“ und „Bürgernähe“ demonstrieren – das will die Ortsgruppe der Freien Wähler mit Walter …
Bürgermeisterwahl in Peißenberg: FW küren Wurzinger zum Kandidaten
97 Prozent für Martin Höck als Raistinger Bürgermeisterkandidat
Der amtierende Bürgermeister von Raisting Martin Höck erklärte sich in der Aufstellungsversammlung der „Neutralen Bürgerinnen- und Bürger-Liste“ (NBBL) bereit, wieder zu …
97 Prozent für Martin Höck als Raistinger Bürgermeisterkandidat

Kommentare