+
Die Plätze in Peißenberg sind nahezu menschenleer. Es gibt sogar am Bahnhof viele freie Parkplätze. 

Peißenberg: Alltag in der Krisensituation

  • schließen

Fast nichts ist mehr, wie es noch vor ein paar Tagen war, das wird beim Besuch in Peißenberg gestern deutlich: Die Straßen sind nahezu leer, die Gaststätten größtenteils geschlossen. Nur in den Apotheken ist viel los. Das Coronavirus bestimmt den Alltag und hat ihn zu einer Krisensituation gemacht.

Peißenberg – Wer gestern gegen Mittag aus Richtung Weilheim nach Peißenberg gefahren ist, mag auf Höhe des Ortseingangsschildes noch gemeint haben, es sei alles wie immer: Die beiden Veranstaltungen, die als nächstes in der Tiefstollenhalle stattgefunden hätten, „Michaela May“ und „Die Wellküren“ werden auf der roten Infotafel angekündigt, die „Rigi-Rutsch’n“ lädt zum Saunabesuch ein.

Es ist ein herrlicher Märztag, die Vögel singen, die Forsythien leuchten gelb, die Sonne wärmt schon richtig. Einer jener ersten Frühlingstage, an denen die Cafés voll sind, vor den Eistheken lange Schlangen stehen, es draußen keinen freien Tisch mehr in den Gaststätten gibt. Normalerweise.

Doch die Maßnahmen, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, die dringenden Appelle an die Bürger, sie mögen doch so weit es geht, zu Hause bleiben und die Angst, sie haben den Alltag verändert: Auf den Straßen, in den Geschäften, in den Gaststätten der Marktgemeinde ist gestern nahezu nichts mehr, wie es vor ein paar Tagen noch war. Es gibt keine Normalität in diesen Tagen des Ausnahmezustandes. Die Sauna der „Rigi-Rutsch’n“ ist geschlossen, die Lesung von Michaela May schon lange abgesagt.

Gegen 12.30 Uhr ist es gestern Mittag kein Problem, einen Parkplatz hinter dem „Rigi-Center“ zu bekommen. Hier, wo sich sonst Auto an Auto reiht, gibt fast nur freie Plätze. Die meisten, die hier parken zieht es in eine der Apotheken. „Im Moment geht es, aber die letzten Tage war es extrem“, sagt Apotheker Wolfgang Kircher in der „St. Ulrich-Apotheke“ im „Rigi-Center“. Er steht hinter einer Plexiglasscheibe. Die Kunden würden keine Medikamente hamstern, hätten aber einfach Angst, dass die Medikamente, die zum großen Teil in Asien hergestellt würden, bald nicht mehr zu kaufen seien. Laufend betreten Kunden die Apotheke, sie stellen sich mit mehreren Metern Abstand zum Vordermann an der Kasse an.

Wenig los ist auch im gegenüberliegenden Supermarkt. An einem leeren Regal weist ein Zettel darauf hin, dass die Kunden nur eine Packung Klopapier mitnehmen sollen. „Wann kommt denn die nächste Lieferung?“, sagt eine Frau eine Verkäuferin. „Ich versuche, jeden Tag welches zu bestellen“, antwortet diese. Dominik Bayerlein hat eine Flasche Desinfektionsspray in der Hand und wischt mit einem Tuch über das Fließband. Hat er derzeit Angst, seine Arbeit zu machen? „Angst ist das Falsche“, sagt er. Gedanken mache er sich schon. Er sei Asthma-Patient und gehöre zur Risikogruppe. An seiner Kasse hängt ein Schild, an dem um Kartenzahlung gebeten wird. Auch hier halten die Kunden großen Abstand.

Die Stühle und Tische, die normalerweise den Platz vor dem Eiscafé „Dolomiti“ füllen sind aufgestapelt. Es sei ihr zu riskant gewesen, den Betrieb draußen weiterzuführen sagt die Chefin Theresa Spadoni. Zu groß sei die Gefahr, dass die Gäste den erforderlichen Abstand doch nicht einhalten. Der Straßeneisverkauf ist weiter geöffnet. Nur wenige kommen, um sich ein Eis zu holen. Normalerweise gebe es an solchen Tagen keinen freien Platz mehr an den Tischen draußen. Spadoni hadert dennoch nicht mit den Maßnahmen, die sie als Gastronomin hart treffen: „Wenn der Staat das verlangt, muss man vernünftig sein“, sagt sie. Sie hoffe, dass Deutschland früher reagiert habe, als es in ihrem Heimatland Italien der Fall gewesen sei. „Da war es zu spät.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Landratsamt appelliert an Bürger - „Bleiben Sie zuhause“
Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen Informationen.
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Landratsamt appelliert an Bürger - „Bleiben Sie zuhause“
Peißenberg: Ruhe bewahren trotz zu erwartender Steuereinbrüche
Die Corona-Epidemie wird die Wirtschaft vermutlich hart treffen – und zeitverzögert auch die Kommunen. Die werden mit deutlichen Einbrüchen bei den Steuereinnahmen zu …
Peißenberg: Ruhe bewahren trotz zu erwartender Steuereinbrüche
Rohrbrüche beunruhigen Anwohner
Die Straße „Am Weißbach“ in Fischen erhält einen neuen Fahrbahnbelag, außerdem wird die Entwässerung verbessert (wir berichteten), und vorher wird noch die Wasserleitung …
Rohrbrüche beunruhigen Anwohner
Stadtbücherei packt „Medientüten“
Seit fast drei Wochen ist die Penzberger Stadtbücherei mit ihren über 22 000 Büchern und Zeitschriften nun geschlossen. Auf Lesestoff müssen die Nutzer trotzdem nicht …
Stadtbücherei packt „Medientüten“

Kommentare