Auf der Alten Bergehalde wird die Säge angesetzt.

Peißenberg: Auf Alter Bergehalde fallen die Bäume

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Der Bauhof wird in Peißenbergs Ortsmitte bald mit schwerem Gerät und Kettensägen anrücken. Auf der Alten Bergehalde soll zwischen Bücherei und Rennstrecke der „Alpen-Offroader“ der Baumbestand abgeholzt werden – als Vorgriff zu den Neugestaltungsplänen als Freizeitgelände. Im Marktrat wurde die Fällaktion aber kontrovers debattiert.

Peißenberg – Schon seit längerem wird im Gemeinderat über die Neugestaltung der Alten Bergehalde diskutiert. Das in der Bergwerkszeit künstlich aufgeschüttete Areal soll zu einem Freizeitareal ausgebaut werden. Ideen und Vorschläge gibt es viele. Unter anderem stehen ein Klettergarten, ein Pumptrack, eine Boulebahn und ein Trial-Parcours auf der Liste. Im Februar soll im Marktrat ein Bebauungsplan präsentiert werden. Der umfasst auch die „Mittlere Ebene“ der Alten Bergehalde.

Mit der Bezeichnung ist das Gelände zwischen Bücherei und Rennstrecke der „Alpen Offroader“ gemeint. Dort sollen unter anderem eine Bouleanlage und ein Seniorenparcours entstehen. Genaue Pläne dazu gibt es noch nicht. Im Bebauungsplan sind dafür nur sogenannte Nutzungsflächen vorgesehen.

Für die beabsichtigte Neugestaltung müssen auf der „Mittleren Ebene“ Bäume gerodet werden. Dafür muss die Gemeinde einen Rodungsantrag bei der Unteren Naturschutzbehörde stellen. Die Fläche ist in der Waldfunktionskarte als „bedeutend für den lokalen Klimaschutz“, als Erholungswald und als „bedeutend für das Landschaftsbild“ eingestuft. Die Rathausverwaltung hat mit dem Landratsamt bereits Vorgespräche geführt. Unter anderem muss die Gemeinde als Ersatz für die 2300 Quadratmeter große Rodungsfläche an anderer Stelle aufforsten. Das soll auf einer Gesamtfläche von rund 2000 Quadratmetern unter anderem am Kohlenweiher auf der Neuen Bergehalde und auf zwei Teilflächen auf der Alten Bergehalde selbst passieren.

Mit der „Teil-Rodung“ auf der „Mittleren Ebene“ ist es allerdings nicht getan. Auch der Bestand an Großbäumen außerhalb der Rodungsfläche an den Böschungen zur Schongauer Straße und zur Bücherei sowie in Richtung Bergwerkstraße müssen weichen. Die Stämme würden ansonsten ungeschützt im Wind stehen. Rein fachlich handelt es sich bei der 4600 Quadratmeter großen „Restfläche“ um eine „Hiebsfläche“, das heißt, dort soll der Wald im Gegensatz zur „Rodungsfläche“ wieder aufgeforstet werden.

Wie es in der Ratssitzung von Seiten der Verwaltung hieß, wäre an den Böschungen in den nächsten Jahren ohnehin ein Waldumbau angestanden, weil die Fichten aufgrund ihres Alters „hiebsreif“ sind und als Ersatz ein Mischwald entstehen soll. Dennoch: In Peißenbergs Ortsmitte wird es zunächst bald ziemlich kahl aussehen. Die Rodungs- und Hiebsmaßnahmen sollen aufgrund der Vogelschutzbrutzeit bereits im Februar über die Bühne gehen. Der Gemeinderat segnete die Fällarbeiten in seiner jüngsten Gremiumssitzung mit knapper Mehrheit von 12:10 Stimmen ab.

„Es ist ein Zeichen an die Bevölkerung, dass die Neugestaltung der Alten Bergehalde jetzt los geht“, rechtfertigte Bürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) in der Ratsdebatte die Fällaktion: „Unsere Bürger wollen jetzt endlich die Umsetzung.“ Ähnlich argumentierte Uli Mach (ebenfalls Peißenberger Liste): „Schon seit Mai 2018 wird über das Thema gesprochen. Irgendwann muss man auch den ersten Schritt machen.“ Man dürfe in Peißenberg „nicht immer alles kaputtreden, sonst passiert am Ende gar nix“. Walter Wurzinger (Freie Wähler) sprach hingegen von einer „Luftnummer“. Es sei bis dato noch nicht mal klar, an welcher Stelle die Nutzungswünsche räumlich untergebracht werden. Dafür müsse erst der Bebauungsplan vorgelegt werden.

In dieselbe Kerbe schlug Parteikollege Jürgen Forstner: „Wir machen mit der Rodung den zweiten vor dem ersten Schritt.“ Kritik an der vorzeitigen Abholzung gab es auch von Matthias Reichhart („Wir wissen doch noch gar nicht, wie das dort oben genau ausschauen soll“) und Georg Karl (SPD), der zu bedenken gab, dass eventuell auch geschützte Eiben betroffen sein könnten. Auf Nachfrage von Reichhart hieß es in der Sitzung, dass nach Februar der nächstmögliche Zeitpunkt für die Fällarbeiten im Oktober liegen würde. Doch auf Beschluss des Marktrats wird der Bauhof die „Mittlere Ebene“ samt Böschungen bereits in den kommenden vier Wochen abholzen.

Nächster Fälltermin
im Oktober

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