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Favorisierte Variante der „Wohnbau“: Mit den Zahlen gekennzeichnet sind die drei Gebäude, die neu gebaut würden. Drumherum ist der Bestand zu sehen, rechts des Hauses 3 befinden sich die Holzlegen, die bei diesem Vorschlag erhalten blieben.

Peißenberg

Der "Barbarahof" - eine Herausforderung

Peißenberg - Die Besucher kritisierten bei der Infoveranstaltung zu Neubauplänen der „Wohnbau GmbH“ vor allem fehlende Stellplätze.

Eine Farbbroschüre als Tischvorlage, ein Mann vom Radio als eloquenter Moderator, mehrere Plakatwände mit Entwurfsplänen und ein Architekt, der nach eigenem Bekunden viel Erfahrung mit Projekten an historischen Gebäuden hat: Die „Wohnbau GmbH Weilheim“ hatte sich am Mittwoch bei ihrer Infoveranstaltung „Herausforderung Barbarahof: Bestehendes erhalten – Neues schaffen“ mächtig ins Zeug gelegt, um bei den Bewohnern Überzeugungsarbeit zu leisten. Nachdem man Ende 2015 mit den Abrissplänen für die Holzlegen vorgeprescht war, galt es nun, Dialogbereitschaft zu demonstrieren. Doch am Ende des knapp zweistündigen Infoabends war klar: Die beabsichtigte Nachverdichtung des „Barbarahofs“ bleibt – ganz dem Titel der Veranstaltung gemäß – für die „Wohnbau“ eine „Herausforderung“. Zwar scheinen keineswegs alle Bewohner und Anlieger per se gegen die „Wohnbau“-Pläne zu sein, allerdings wird vor allem die Stellplatzfrage kritisch beurteilt.

Viele leere Stühle bei Versammlung

Überraschend war, dass nur rund 60 Besucher der Einladung der „Wohnbau“ gefolgt waren. Anfang des Jahres hatte die von Altbürgermeister Hermann Schnitzer mitbegründete Initiative „Pro Barbarahof“ rund 600 Unterschriften gesammelt. Doch in der Aula der Mittelschule blieben viele Stühle leer.

Die Anwesenden bekamen zunächst viel im Konjunktiv zu hören: Was wäre im „Barbarahof“ an Neubauten denkbar, wenn das Wohnquartier nicht unter Denkmal- oder Ensembleschutz gestellt wird? Von den zuständigen Behörden wird es vermutlich erst in ein paar Monaten eine Stellungnahme dazu geben. „Wohnbau“-Geschäftsführer Felix Nuss warnte beim Infoabend aber schon vor den möglichen Folgen: Im Falle eines Denkmalschutzes wäre nicht nur die geplante Nachverdichtung „so nicht mehr machbar“, sondern auch die Investition in den Bestand schwierig. Modernisierungen würden teurer werden, was sich auf die Mieten auswirken würde. „Der Denkmalschutz wäre nicht die beste Variante für den ,Barbarahof‘“, so Nuss.

Favorisierte Variante: drei neue Gebäude und 30 Wohneinheiten

Architekt Hannes Rössler erklärte den Besuchern, dass die städtebaulichen Voraussetzungen im „Barbarahof“ nicht im Widerspruch zur Nachverdichtung stehen würden: „Das lässt sich geometrisch realisieren.“ Wichtige Parameter bei einer baulichen Erweiterung sind laut Rössler unter anderem die bestehenden Sichtachsen, der Erhalt der Holzlegen und ein nach wie vor großzügiger Hofanger. Bei der von der „Wohnbau“ favorisierten Variante mit drei neuen Gebäuden und 30 Wohneinheiten würden die Charaktermerkmale zumindest nicht völlig verschwinden, die alten Hütten sogar komplett erhalten.

Doch die Bewohner hatten Sorgen: Einige fürchten, dass der „Barbarahof“ durch den Bau von Sozialwohnungen ein sozialer Brennpunkt werden könnte, und manchen sind die Abstandsflächen der geplanten Bauten zu gering. Vor allem aber wurde kritisiert, dass neue Wohnungen geplant werden, ohne Lösungen für die ohnehin schwierige Stellplatzsituation parat zu haben. Bereits jetzt, so hieß es, würden Seitenstraßen zugeparkt. Der von der „Wohnbau“ angedachte Bau einer Tiefgarage könne das Problem nicht lösen: „Stellplätze in einer Tiefgarage mietet kein Mensch. Das ist zu teuer“, sagte ein Anwohner. Nuss räumte ein, dass bezüglich der Stellplätze noch keine Detailplanung entwickelt worden sei. Man wolle jedoch die Anwohner frühzeitig in die Konzeption einbeziehen und Anregungen berücksichtigen. Alle Wünsche werde man aber kaum erfüllen können: „Wir müssen uns auch um die Leute Gedanken machen, die eine Wohnung suchen“, so Nuss.

Bernhard Jepsen

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