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Gut lachen hatten beim Starkbieranstich der CSU Peißenberg: (v.l.) Bezirksrätin Alexandra Bertl, zweite Bürgermeisterin Sandra Rößle, Bürgermeisterkandidat Frank Zellner, Bundestagsabgeordneter Alexander Dobrindt und Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Derbleckn in Peißenberg: Mit Zigarre und Humba-Täterä

Wenn sich die Politprominenz demnächst am Nockherberg trifft, ist zu erwarten, dass Fastenprediger Maxi Schafroth ohne Ansicht auf die Parteizugehörigkeit austeilt – und alle ihr Fett weg kriegen. Anders schaut das in Peißenberg aus, wenn die amtierende Bürgermeisterin, die 2008 der CSU den Thron im Rathaus abjagte, zum Starkbieranstich ebendieser CSU erscheint.

VON SABINE NÄHER

PeißenbergRespekt für Bürgermeisterin Manuela Vanni von der Peißenberger Liste, die sich am Freitagabend in die Höhle des Löwen, in diesem Falle den Gasthof zur Post, wagte. Und sich erwartungsgemäß so manches, natürlich unter lautem Jubel des mehrheitlich CSU-affinen Publikums, anhören musste. Am Ende des langen Abends aber wandelte sich das Blatt: Da hatte Frank Zellner, ihr Herausforderer und Bürgermeisterkandidat der CSU, seine Prüfung zu bestehen: Als Anführer der Hohenfurcher Feuerwehrkapelle musste er unter lautem Humba-Täterä einmal durch den ganzen Saal ziehen, was dem eher feingeistig Gesinnten schon einiges abverlangte. Und damit war sein Martyrium noch nicht zu Ende: Hernach wurden ihm auf der Bühne Zigarre und Maßkrug gereicht. „Das heißt Zieh-gar und nicht Blas-gar“, wurde er vom obersten Feuerwehrler Jürgen Fischer belehrt – weil so gar keine Rauchkringel zu sehen waren. Mit äußerster Überwindung brachte Zellner ein paar Wölkchen zustande, um dann den Krug anzusetzen. „Exen, exen!!“ feuerte ihn der ganze Saal an. Unmöglich, das Glas abzusetzen, ehe nicht das letzte Tröpfchen des Starkbieres aus der Klosterbrauerei Reutberg aufgeschlürft war. Damit dürfte Zellner wohl die körperlich härteste Prüfung dieses Wahlkampfes hinter sich gebracht haben.

„Platzhirsch“-Schürze zum Anstich

Zum Fass-Anstich hatte Alexander Dobrindt („Hilfe aus Berlin kann man immer brauchen“) ihm zuvor eine Schürze mit dem Aufdruck „Platzhirsch“ überreicht – nicht ohne selbst eine solche zu tragen und zu erwähnen, Zellner habe es ja letztes Jahr schon mit „unter zehn Schlägen“ geschafft. Flugs verteilt Dobrindt noch Regenschirme mit CSU-Aufdruck für die erste Reihe. Solchermaßen unter Erfolgsdruck gesetzt, brauchte Zellner gerade mal vier Schläge, bis das Starkbier sprudelte.

Wahlprognose beim Peißenberger Starkbieranstich

Ungetrübtes Vergnügen durften dagegen die rund 200 Gäste erleben, die ohne selbst betroffen zu sein, über die Häme der Redebeiträge aus vollem Herzen lachen konnten. Den Anfang machte, passend für Peißenberg, der „Grub’n Schorsch“ (Jonny Birkner). Er lehnt die Briefwahl kategorisch ab, weil er sich im Wahllokal „bewirten“ lassen will, und forderte die Überarbeitung des Wahlsystems, weil die Stimme von „so am zuag’roasten Saupreiß“ doch unmöglich gleiches Gewicht haben könne wie die seine. Er regte an, die Peißenberger Bürger sollten die Bewerber doch mal näher, etwa so wie auf dem „Rossmarkt“ kennenlernen können, also inklusive körperlicher Untersuchung. Man müsse doch wissen, ob „der Zellner durch an nächsten Winter kimmt…“ Danach gab er seine Wahlprognose ab, verhieß „dem Walter“ (Wurzinger, Freie Wähler) zwei Sitze, der SPD („das Sorgenkind in Deutschland, aber nicht in Peißenberg“) vier und „der Frau Vanni“ sechs Sitze. „Und i möcht’, dass der Frank Bürgermeister wird.“

Landrätin als „Mama Bavaria Weilheimensis“

Danach hatten die „Bierdimpfl’n“ (Alexander Dobrindt und Tobias Schmitt, Ortsvorstand und Schatzmeister der JU) ihren Auftritt. In gut austarierter Wechselrede nahmen sie die örtliche Politik zum eigenen wie dem Genuss der Zuhörer aufs Korn, kürten Landrätin Andrea Jochner-Weiß zur „Mama Bavaria Weilheimensis“ und fragten sich, wieso zur „Wahl der Landrätin“ außer ihr acht Männer aufgestellt sind. Sie teilten aus gegen die Freien Wähler („Die wollen keine Quotenfrauen, sondern gute Frauen. Warum gilt das nicht für die Männer auf der Liste?“) und prophezeiten, dass der BR eine neue Serie bringen wird: „Schlaflos in Peißenberg – wegen der neuen LED-Lampen“.

Der Schlusspunkt des Programms war zugleich der Höhepunkt des Abends: Wie Jürgen Fischer und seine Hohenfurcher Feuerwehrkapelle vom Leder zogen, das brachte den Saal zum Brodeln – und war Nockherberg-reif.

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Und: Peißenberg: Neue Angebote auf Alter Bergehalde

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