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Erdgas als neuer Geschäftszweig für Gemeindewerke

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Von: Bernhard Jepsen

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Ingrid Haberl und Philipp Reichhart von den Gemeindewerken Peißenberg.
Verkünden stolz, dass die Peißenberger Gemeindewerke in den Erdgasvertrieb einsteigen: Ingrid Haberl (KU-Chefin) und Philipp Reichhart (Vertriebsleiter der Werke). © EMANUEL GRONAU

„Wir geben Gas für die Region“: Mit diesem Slogan steigen die Peißenberger Gemeindewerke ab 1. Oktober 2020 in das Erdgasvertriebsgeschäft ein. Das Kommunalunternehmen (KU) will damit sein Leistungsportfolio in puncto „Daseinsvorsorge“ ausbauen.

„Sie haben es satt, bei Fragen ständig in der Warteschleife zu hängen und würden gerne einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort haben?“ Die Peißenberger Gemeindewerke werben auf ihrem Preisblatt für den Erdgasvertrieb ganz gezielt mit der regionalen Schiene. „Kundenorientierte Beratung“ und „regionale Wertschöpfungsketten“ sind Begriffe, mit denen sich das Kommunalunternehmen (KU) von der Konkurrenz abheben möchte.

Gemeindewerke: Erdgasgeschäft soll profitabel sein

Natürlich soll das Erdgasgeschäft auch für die Gemeindewerke etwas abwerfen. Neben Sparten wie zum Beispiel den Stromvertrieb, den Stromnetzbetrieb oder das ambulante Rehabilitationszentrum möchte man sich eine weitere kommerzielle Sparte schaffen. Man will den Kunden ein Komplettpaket anbieten – verbunden mit dem regionalen Servicegedanken: „Wir verstehen uns als kommunaler Versorger“, betont KU-Chefin Ingrid Haberl. Als die Werke Anfang 2019 mit der „Energienetze Bayern GmbH & Co. KG“ (ENB) die „Peißenberger Gasnetz GmbH“ gegründet hatten, war parallel dazu längst klar, dass das KU nicht nur in den Erdgasnetzbetrieb, sondern auch in den -vertrieb einsteigen würde. „Wir haben die Entscheidung schon vor geraumer Zeit getroffen“, bestätigt Ingrid Haberl beim Pressegespräch. Anderthalb Jahre lang hat man an den strukturellen Vorarbeiten gefeilt. Vor kurzem nun wurde der Gesellschafterbeitritt der Gemeindewerke zur „Plattform Energie GmbH“ notariell abgesegnet.

Die „PEG“, die ihren Sitz in Bad Aibling hat, tritt als Dienstleister für kommunale Energieversorger auf. Die Gesellschaft bündelt die Nachfrage, betreibt Portfoliomanagement und sorgt für einen effizienten Marktzugang seiner Gesellschafter. Kurzum: Der Gaseinkauf der Gemeindewerke wird komplett über die „PEG“ abgewickelt. Laut Philipp Reichhart, Vertriebsleiter der Werke, gibt es bereits eine rege Kundennachfrage bezüglich der Erdgastarife: „Wir haben sogar schon die ersten Verträge abgeschlossen.“ Vertriebs- und Marketingaktivitäten im Printbereich und in den sozialen Medien sollen das Geschäft weiter ankurbeln.

Der Einstieg der Werke in die Erdgasbranche erfolgt zu einem günstigen Zeitpunkt. Nach den Prognosen Reichharts wird sich jedenfalls bei der Konkurrenz „tariftechnisch in den nächsten Monaten einiges tun“. So werden die neu berechneten Netzentgelte für das kommende Jahr bekanntgegeben.

Gemeindewerke: Kohlendioxidsteuer ist schon eingerechnet

Außerdem fällt ab 2021 die Kohlendioxidsteuer an. Das wird das Preisniveau vermutlich ordentlich durchwirbeln – und eventuell die Gemeindewerke für den ein oder anderen Kunden als Anbieter interessant machen. „Wir kommen in eine Phase, wo viele neue Verträge abgeschlossen werden“, mutmaßt Philipp Reichhart. Das Preistableau der Werke, in das die zum Beispiel die Kohlendioxidsteuer schon eingerechnet ist, sei „absolut fair, transparent und vernünftig“. Auch Ingrid Haberl ist optimistisch. Natürlich werde man in Peißenberg nicht die Kundenabdeckung wie im Stromvertrieb haben (knapp 7000 Kunden): „Davon gehe ich nicht aus. Mit ein paar hundert Kunden wäre ich schon zufrieden“, zeigt sich die KU-Chefin realistisch.

Beim Vertrieb gehe es demnach aber ohnehin weniger um die Anzahl der Kunden, sondern um die verkaufte Menge. „Wir gehen bescheiden an die Sache ran und müssen dem Ganzen jetzt Zeit geben“, erklärt Haberl. Einen Großkunden haben die Gemeindewerke übrigens bereits an Land gezogen – nämlich sich selbst. Das Blockheizkraftwerk neben dem Eisstadion, das unter anderem die „Rigi-Rutsch’n“ mit Wärme versorgt, wird mit Erdgas betrieben.

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