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Thomas Weinfurtner, Andrea Kohler und Mitglieder des Knappenvereins beim Versuchsaufbau einer Kohlenstaubexplosion.

Bergbaumuseum in Peißenberg

Falscher Sprengstoff, 14 tote Bergleute - Ausstellung erinnert an Grubenunglück vor 100 Jahren

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Unfälle und Verletzungen gehörten im Peißenberger Bergbau mehr oder weniger zum Alltag. Die größten Unglücke ereigneten sich am 13. und 15. Dezember 1919. Zum 100-jährigen Gedenken erinnert der Bergbaumuseumsverein nun mit einer Dokumentationsausstellung an die beiden Kohlenstaubexplosionen, die 14 Bergleuten das Leben kostete.

Peißenberg – Am vergangenen Samstag läutete in der Großexponatenhalle im Bergbaumuseum am Tiefstollen pünktlich um 11.45 Uhr eine Trauerglocke. Der Zeitpunkt zur Eröffnung der Dokumentationsausstellung war ganz bewusst gewählt. Just zu dieser Uhrzeit ereignete sich am 13. Dezember 1919 das erste von zwei schweren Grubenunglücken in Peißenberg.

Bei Sprengarbeiten im „V. Tiefbau“ war es zu einer heftigen Kohlenstaubexplosion gekommen. Der Unglücksort befand sich ungefähr im geografischen Bereich zwischen Weinbauer und Vorderschwaig in 400 Metern Tiefe.

Grubenunglück: Bei Sprengung Dynamitreserven aus dem Krieg benutzt

Ausgelöst wurde das Unglück durch die Verwendung von „falschem Sprengstoff“, wie Museumsführer Hans Zapf bei der Ausstellungseröffnung berichtete. Die Bergleute hatten Dynamitreserven aus dem Ersten Weltkrieg verwendet, die aber für die Arbeit unter Tage überhaupt nicht geeignet waren, weil sie zu viel Hitze produzierten. „Man hat den Sprengstoff wohl komplett unterschätzt“, mutmaßt Zapf.

Die Folgen waren katastrophal. Durch die Kohlenstaubexplosion verloren mehrere Bergleute ihr Leben. Sie wurden mit Pferdefuhrwerken aus der Grube transportiert. Viele Angehörige eilten zum Bergwerk – auch Zapfs Großmutter. Die Leichen waren mit Planen bedeckt: „Meine Oma hat nur auf die unbedeckten Füße und Schuhe geschaut und erkannt, dass mein Großvater nicht dabei war“, erzählt Zapf. Der Opa befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks ebenfalls in der Grube. Durch die Explosionswelle erlosch seine Grubenlampe. Zapf: „Er hat mir erzählt, dass es dann dunkler als dunkel war. Er hat nichts mehr gesehen und ist langsam aus der Grube gerobbt.“

Zwei Tage später ereignete sich ein zweites Grubenunglück

Zwei Tage später sollte sich das gleiche Unglück noch einmal ereignen. Diesmal in 700 Meter Tiefe. „Man hat das mit dem Sprengstoff offenbar nicht kapiert. Man hat den gleichen Fehler nochmal gemacht“, berichtet Zapf. Die traurige Bilanz der beiden Kohlenstaubexplosionen waren 14 tote Bergleute. Die Dokumentationsausstellung, die bis Anfang Mai an den regulären Öffnungstagen im Bergbaumuseum zu sehen ist, zeichnet die Unglücke höchst anschaulich und informativ nach. „Es ist gut und wichtig, an die Ereignisse zu erinnern“, betonte Bürgermeisterin Manuela Vanni bei der Eröffnung: „Es hat schon einige Peißenberger Familien getroffen – und die waren zu der damaligen Zeit ja nicht abgesichert.“

Ausstellung in Peißenberger Bergbaumuseum dokumentiert die Ereignisse

Dokumentiert wurden unter anderem Zeitungsartikel, Todesanzeigen und Grubenkarten. Auch sind Bilder aus der Zeit zwischen 1915 und 1925 zu sehen – unter anderem vom ehemaligen Knappschaftskrankenhaus. Bei der Zusammenstellung des Materials kooperierte der Museumsverein mit dem Marktarchiv, der Grubenrettungsstelle in Hohenpeißenberg sowie dem Brandschutz- und Sicherheitscenter Pfaffenwinkel. Museumsangestellte Andrea Kohler und ihr Mann Werner stellten die Ausstellung schließlich zusammen. Emotional eine nicht ganz einfache Geschichte: „Als ich die Texte abgeschrieben habe, hat mich das richtig bewegt“, erzählt Andrea Kohler. „Man denkt schon darüber nach, wie schwer das Schicksal die damaligen Familien getroffen hat.“ Auch beim Schminken der Ausstellungspuppen habe sich bei ihr eine bedrückende Stimmung eingestellt: „Da bin ich wohl einfach zu empathisch.“

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