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Die alte Wasserreserve oberhalb von Peißenberg soll künftig als Feuerwerksdepot dienen. 

Peißenberg: Feuerwerksdepot in alter Wasserreserve

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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50 Jahre lang hielt die alte Wasserreserve oberhalb des Michelswegs einen Dornröschenschlaf. Nun soll der über 100 Jahre alte Betonbau eine neue Nutzung bekommen: Pyrotechniker Moritz Hummig möchte den ausrangierten Hochbehälter künftig als Lagerstätte für Feuerwerkskörper nutzen.

Peißenberg– Moritz Hummig ist bekannt als Tüftler, als jemand, der alten Dingen neues Leben einhaucht. Das neueste Projekt des 29-Jährigen: die ehemalige Peißenberger Wasserreserve oberhalb des Michelswegs. Hummig hat den 1970 stillgelegten Hochbehälter samt dem rund 1200 Quadratmeter großen Geländeumgriff Anfang 2019 von den Gemeindewerken gekauft. In dem Betonbunker sollen nach dessen Sanierung Feuerwerkskörper gelagert werden. Ein Feuerwerksdepot oberhalb von Peißenberg? Klingt zunächst bedrohlich, ist aber laut Hummig völlig harmlos. Mit den Gemeindewerken ist vertraglich geregelt, dass nur ungefährliches Material eingelagert werden darf. Hummig spricht von „ganz normalen, handelsüblichen Feuerwerkskörpern“.

Zudem soll der alte Hochbehälter als Aufbewahrungsort für zollbeschlagnahmte Böller und Raketen dienen. Die Behörden arbeiten diesbezüglich mit der Firma „Hummig Effects“ zusammen. Als staatlich geprüfter Pyrotechniker darf Hummig im Zuge der Kleinmengenregelung Feuerwerkskörper einlagern. „Passieren kann da nix“, beteuert er. Von einem Kollegen hat er sich extra eine Bescheinigung anfertigen lassen und den Gemeindewerken bei Vertragsschluss vorgelegt. „Sollte da irgendwas brennen, dann ist höchstens der Bunker beschädigt“, erklärt Hummig.

Im Zuge der Sanierung soll eine zweite Sicherheitstür eingezogen und eine Entfeuchtungsanlage installiert werden. Den Strom dazu will Hummig über Solarpanele gewinnen.

Letztere sollen an einem hydraulisch aufklappbaren Turm montiert werden, um die Module über die hohen Baumwipfel zu heben. „Im Winter, wenn kein Laub an den Bäumen ist, kann man den Turm wieder umklappen“, erklärt Hummig.

Doch momentan ruhen die Bauarbeiten. Dass sich an der alten Wasserreserve etwas tut, blieb nicht unentdeckt. Bei den Behörden ging bereits der eine oder andere Hinweis ein und die Frage, ob das Projekt überhaupt genehmigt sei. Hummig hat zum Beispiel oberhalb der Wasserreserve morsche Bäume abgeholzt: „Wenn ich das nicht getan hätte“, so betont er, „dann wären die kaputten Stämme beim letzten Sturm umgeflogen.“ Hummig berichtet, dass er mit dem Landratsamt in Kontakt stehe. Baurechtlich sieht er keine Probleme: „Ich baue ja nichts, ich mache das Alte nur nutzbar.“ Als Pyrotechniker sei er zudem wie Landwirte im Außenbereich privilegiert. „Wir sind auf Lagermöglichkeiten angewiesen“, konstatiert Hummig. Vom Landratsamt habe er auch noch nichts Gegenteiliges gehört: „Ich warte da jetzt erst einmal ab, ob was kommt. Ich wüsste nicht, was ich gemacht hätte, was ich nicht darf.“

Anfahrtsverkehr wird es zum Feuerwerksdepot übrigens nicht geben. Kann es auch nicht, weil es keine eigene Zufahrt gibt. Die Gerätschaften für die ersten Sanierungsarbeiten transportierte Hummig über einen Waldweg, der über ein fremdes Grundstück verläuft – mit Erlaubnis des Eigentümers. Im Vertrag mit den Werken ist laut Hummig geregelt, dass der „Zugang“ zur alten Wasserreserve über Wanderwege erfolgt. Für ihn ist das auch ausreichend. „Mit den Nachbarn gibt es überhaupt keine Probleme“, erklärt Hummig.

Im Jahre 1912 waren die Bauarbeiten an der Wasserreserve oberhalb des Michelsbachs und der Errichtung einer acht Kilometer langen Wasserleitung von den Raffelbach-Quellen in Paterzell begonnen worden. Im Zuge des 1. Weltkriegs kamen dabei laut „Peißenberger Heimatlexikon“ auch französische Kriegsgefangene zum Einsatz.

Der Hochbehälter ist Ende 1916 in Betrieb genommen worden. Er hatte ein Fassungsvolumen von 400 000 Litern. 1970, also vor 50 Jahren, wurde er stillgelegt und durch einen neuen, 1,2 Millionen D-Mark teuren Hochbehälter südlich des Schweiber-Hofs ersetzt.

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