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Ein Peißenberger musste sich vor Gericht verantworten. 

Peißenberg: Geldstrafe für rabiaten Nachbarn

Weil er seine Nachbarn in drei Fällen beleidigt haben soll, musste sich ein 50-Jähriger aus Peißenberg vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Er bestritt die Tat und fühlte sich seinerseits beleidigt. Dennoch wurde er verurteilt.

Peißenberg – „Das habe ich nicht gesagt“, ereiferte sich der Angeklagte, nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift vorgelesen hatte. So soll der Mann im Mai vergangenen Jahres seine Nachbarin zunächst als Drecksau bezeichnet und sie einen Tag später mit „halt dein Maul, du Drecksau“ beschimpft haben. Später habe er die Frau, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt, Zigeunerin genannt und „Hitler hätte dich vergast. Ein Hitler muss wieder her“, gesagt. Auch habe ihr der Peißenberger mit Prügel gedroht, wenn sie nicht den Garten verlassen würde.

Die damals mit ihrem vierten Kind schwangere Frau war verängstigt. Provoziert in all den Fällen hätte ihn niemand, sagten die Nachbarn aus. Im letzten beleidigenden Fall habe man einfach auf der Terrasse gesessen und mit den Kindern der Familie gespielt. „Wenn er in seinem Garten sitzt und Bier trinkt, wird er aggressiv“, sagte eine Nachbarin.

Die verfeindeten Parteien waren für eine Schlichtung schon beim Familiengericht gewesen. Da wurde empfohlen, sich weitestgehend aus dem Weg zu gehen. „Das ist natürlich schwierig im Sommer“, sagte eine Nachbarin. In dem Mehrfamilienhaus in Peißenberg liegen die Garten- und Terrassenparzellen nebeneinander.

Der Angeklagte sah in der ganzen Sache eine Verschwörung seitens seiner Nachbarn. Er habe ebenfalls Anzeige erstattet, da die Nachbarn seine Freundin als „Schlampe“ und schlimmeres bezeichnet hätten. „Aber darauf hat die Staatsanwaltschaft nicht reagiert. Und ich sitze hier mit einer Klage am Hals“, sagte er ziemlich aufgebracht. Danach sei es mit den Anzeigen gegen ihn losgegangen. An den Anschuldigungen, die man ihm vorwerfe, sei nichts dran, so der Angeklagte.

Die Vorsitzende Richterin Karin Beuting räumte ein, dass seine Nachbarn sicherlich keine Engel seien. „Aber eine solche Aussage wie ,Hitler hätte dich vergast’, die denkt man sich nicht einfach so aus“, sagte sie.

Der Staatsanwalt fand die Aussagen der Nachbarn glaubhaft und nachvollziehbar. Belastend für den Angeklagten sah er dessen offenkundige Grundaggression, die auch bei der Verhandlung bemerkbar war. Das bezeugten auch die elf Vorstrafen, darunter zahlreiche einschlägige. Außerdem sei der Angeklagte uneinsichtig, der Staatsanwalt beantragte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und schlug ein Antiaggressionstraining vor. „Es wird weitergehen mit den Beleidigungen“, prophezeite er.

Richterin Karin Beuting beließ es bei einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro. „Dass Sie friedlich im Garten sitzen, das glaube ich Ihnen nicht“, sagte sie. Sie war überzeugt davon, dass die Anschuldigungen der Nachbarn nicht vollkommen aus der Luft gegriffen waren. „Die Lösung, dass man sich in Ruhe lässt sollten Sie wahrnehmen“, gab sie dem Peißenberger noch mit auf den Weg.

Regina Wahl-Geiger

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