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Gruppenbild vor dem „Max-Biller-Haus“: (v.l.) Bürgermeisterin Manuela Vanni, Karl-Hienz Grehl (stellvertretender Landrat), Ernst Frohnheiser (Antragsteller für die Namensgebung), die neue Archivleiterin Christine Marksteiner, Klaus Gast (Kreisheimatpfleger), Roman Bals (Bauhofleiter) sowie Peißenbergs Alt-Bürgermeister Matthias Führler (sitzend).

Festakt an der Schongauer Straße

Peißenberg hat sein „Max-Biller-Haus“

Premiere in Peißenberg: Erstmals wurde ein öffentliches Gebäude nach einer verdienten Persönlichkeit benannt. Max Biller wurde die Ehre zu teil.

Peißenberg – Es war ein würdevoller Festakt, mit der die von Gemeinderat Ernst Frohnheiser (CSU/Parteilose) beantragte Namensgebung offiziell besiegelt wurde. Und es war eine Feierzeremonie, bei der zu Lebzeiten sicher auch Max Biller gern dabei gewesen wäre. Rund 50 Gäste versammelten sich auf der Terrasse hinter der Bücherei, um an den im April dieses Jahres im Alter von 84 Jahren verstorbenen Marktarchivar zu erinnern – darunter Alt-Bürgermeister Matthias Führler, mehrere Gemeinderäte, Pfarrer, Landkreis-Vertreter, ehemalige Lehrer-Kollegen und Rathausmitarbeiter. Vermutlich hätte sich Biller in seiner unnachahmlich rührigen Art unter die Gesellschaft gemischt, eloquent und höflich Smalltalk gehalten und mit seiner kleinen Analog-Kompaktkamera Fotos für die Nachwelt geschossen.

„Man muss demütig und bemitleidenswert wirken“, hatte Biller einmal gesagt. Seine Umgangsformen waren für den in Sendling geborenen Volksschullehrer Mittel zum Zweck. Wenn es um die Heimatforschung und Archivpflege ging, war Biller durchaus beharrlich – oder, wie es Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni in ihrer Laudatio ausdrückte, „liebenswert und freundlich, aber bestimmt“. Die Rathauschefin erzählte mehrere Anekdoten. Zum Beispiel habe Bauhofleiter Roman Bals bei der Positionierung der „Friedensglocke“ auf strikte Anweisung des Marktarchivars mehrmals Hand anlegen müssen, bis der gewünschte Standort millimetergenau passte.

Max Biller sei ein Mensch gewesen, dessen Vertrauen man sich erst habe erarbeiten müssen, so Vanni. Sie selbst, so erinnerte sich die Bürgermeisterin, sei nach ihrem Amtsantritt 2008 von Biller zu einem Gespräch gebeten und gefragt worden, welche Einstellung sie denn zur Geschichtskunde habe. Erst nach zwei Jahren sei ihr dessen geheime Telefonnummer überreicht worden: „Das hat mich sehr gefreut – auch wenn ich ihn immer erst mittags nach 12 Uhr anrufen durfte“, berichtete Vanni schmunzelnd.

Billers bevorzugte Arbeitszeiten waren die Abend- und Nachtstunden. Schon während seiner beruflichen Karriere als Volksschullehrer hat sich der Pollinger voll und ganz der Geschichtsforschung verschrieben. Er baute in mehreren Landkreiskommunen Archive auf, wobei Peißenberg immer sein „Steckenpferd“ gewesen sei, wie Vanni betonte: „Wir als Gemeinde haben Glück, durch das ehrenamtliche Engagement von Max Biller so einen guten Einblick in die Vergangenheit zu haben. Er war, wie man heute neudeutsch sagen würde, ein ‘Freak‘ auf seinem Gebiet.“

Max Biller leitete 41 Jahre das Marktarchiv. Auch auf Kreisebene war der Bundesverdienstkreuzträger über drei Jahrzehnte als Archivar tätig. „Er ist der Vater unseres Landkreisgedächtnisses“, erklärte Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl in seinem Grußwort: „Durch sein unermüdliches Engagement hat Max Biller hohe soziale Kompetenz an den Tag gelegt. Im Landratsamt haben wir es mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass ein so bedeutendes Gebäude jetzt nach ihm benannt wird.“

Rathauschefin Manuela Vanni versprach, dass die Gemeinde Billers Lebenswerk weiterführen und seine Peißenberger Jahreschroniken fortschreiben werde. Zur neuen Marktarchivarin wurde beim Festakt offiziell Christine Marksteiner ernannt, die Biller schon mehrere Jahre bei seiner Arbeit unterstützt hatte: „Sie treten in große Fußstapfen, aber Sie werden die Aufgabe bestens meistern. Da bin ich mir ganz sicher“, ließ Vanni die Rathausmitarbeiterin, sie arbeitet in der Gemeindekasse, wissen. Nachdem das Namensschild am „Max-Biller-Haus“ feierlich enthüllt worden war, ging’s schließlich zum kulinarischen Teil über. Standesgemäß wurde Max Billers Lieblingsgebäck aufgetischt: Zwetschgendatschi.

Bernhard Jepsen

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