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Nach 48 Jahren Dienst im Rathaus: Mitarbeiterin geht in Ruhestand — und macht trotzdem weiter

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Von: Kathrin Hauser

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Christine Marksteiner ist jetzt Rentnerin, das Marktarchiv betreut sie dennoch weiter. Am ersten Tag als Rentnerin ins Marktarchiv
Christine Marksteiner ist jetzt Rentnerin, das Marktarchiv betreut sie dennoch weiter. © Gronau

Nach 48 Jahren Dienst im Rathaus ist Christine Marksteiner in den Ruhestand gegangen. Warum sie dennoch weiter für die Marktgemeinde Peißenberg arbeitet, erzählt sie beim Treffen im Marktarchiv im „Max-Biller-Haus“.

Peißenberg – Es war Liebe auf den ersten Blick: „Ich habe diese beiden Herren gesehen und gewusst, das wär’ was für mich“, erzählt Christine Marksteiner. Sie sitzt auf einem der blauen Sessel im zweiten Stock des Marktarchivs und deutet mit einer Hand über ihre Schulter auf die Wand in ihrem Rücken. Dort hängen die Bilder von Jörg Ganghofer, dem Erbauer der Münchner Frauenkirche, und von Gerhoh Steigenberger, der unter anderem Hofbibliothekar an der Hofbibliothek in München war. Beide haben einen Bezug zum „Süßbauer“-Hof – der eine erhielt ihn als Lehen, der andere ist sogar dort geboren.

Arbeit im Marktarchiv: „Da mitzuarbeiten, das wär‘s für mich“

Die Bilder der beiden Berühmtheiten seien schon im alten Marktarchiv gehangen, erzählt Marksteiner. Als Max Biller ihr vor rund 13 Jahren das Archiv gezeigt habe, das er im Obergeschoss des Peißenberger Rathauses aufgebaut hatte, sei ihr erster Blick auf diese beiden Gemälde gefallen und sie habe gewusst „Da mitzuarbeiten, das wär’s für mich“, erzählt Marksteiner, die sich schon als Kind für „alte Sachen“ interessiert hat. „Die Atmosphäre, die Stimmung, alles“ habe sie fasziniert im Marktarchiv. Aber sie habe sich erst nicht getraut, Biller zu fragen, ob sie mitarbeiten könne. „Ich habe mir unter Archivarbeit ja nichts vorstellen können.“

Der Marktarchivar, der damals schon nach jemandem gesucht hat, der ihn bei seiner Aufgabe unterstützt, hat wohl gemerkt, dass Marksteiner die Richtige wäre und hat sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, im Archiv mitzuhelfen. Sie konnte. Zu Beginn habe sie ihre Aufgaben dort nach ihrer Arbeit im Rathaus erledigt, doch mit dem Umzug ins sogenannte „Rasp-Haus“, das heutige „Max-Biller-Haus“, habe sich das geändert, erzählt Marksteiner. Die damalige Bürgermeisterin Manuela Vanni hat vorgeschlagen, das Marktarchiv ein Mal pro Woche zu öffnen und dass Marksteiner das in ihrer Arbeitszeit übernehmen könnte.

Seitdem ist sie so gut wie jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr dort. Zu Beginn sei auch Marktarchivar Biller noch regelmäßig im Archiv gewesen. Er habe ihr immer wieder gesagt, wie froh er sei, dass Marksteiner ihn so tatkräftig unterstütze. Im letzten Jahr vor seinem Tod im Frühjahr 2018 sei Biller nicht mehr ins Marktarchiv gekommen, er sei einfach zu schwach gewesen, erzählt Marksteiner.

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Ins Marktarchiv kommen viele Stammbesucher

Seit jenem Tag ist sie alleine fürs Marktarchiv zuständig. Beantwortet Mails von Menschen, die sich für die Peißenberger Geschichte interessieren oder auf der Suche nach ihren Vorfahren sind, hilft Archivbesuchern, die Fragen haben, ordnet neue Ausstellungsstücke oder neues Material ein, sucht Lektüre heraus, sichtet Dinge, die ihr angeboten werden und liest selber viele Texte.

Eigentlich komme immer, wenn das Archiv geöffnet sei, jemand vorbei, erzählt Marksteiner: „Es gibt Stammbesucher, aber auch Laufkundschaft.“ Ein 14-jähriger Bub aus Peißenberg ist einer ihrer Stammkunden. „Er kommt eigentlich jede Woche und kennt das Archiv inzwischen fast besser als ich.“ Auch einige Peißenberger Rentner seien regelmäßige Besucher der Einrichtung, erzählt Marksteiner.

Bislang hat sie das Archiv neben ihrer Arbeit an der Kasse im Rathaus betreut, nun ist sie dort nach 48 Jahren bei der Verwaltung in den Ruhestand gegangen, aber dem Einsatz im Marktarchiv will und kann sie nicht ganz aufhören. Die Begeisterung für die Geschichte und die Archivarbeit ist bei der Wörtherin immer noch groß. „Aus dem Reiz des Neuen ist zwar inzwischen Routine geworden, aber langweilig wird es nie. Jeder Tag ist anders hier herinnen“, sagt Marksteiner. Deswegen habe sie auch zugesagt, als sie gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne, das Marktarchiv auch im Ruhestand weiterzuführen. Es sei eine schöne Arbeit und zudem ein willkommener Fixpunkt für sie. Gleich am ersten Tag als Rentnerin habe sie das Marktarchiv aufgesperrt. „Und so lange es geht, mache ich das auch weiter so.“

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