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Der Schaden, der beim Brand in der „Rigi Rusch’n“ im Februar 2016 enstand, war erheblich. Rund 1,2 Millionen Euro waren nötig, alles wieder zu reparieren. 

Verheerendes Feuer 

Riesenprozess um „Rigi-Rutsch’n“ gestartet: Angeklagter schweigt

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Mehr als drei Jahre sind nach dem Brand in der „Rigi Rutsch’n“ in Peißenberg vergangen. Gestern begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter vor dem Münchner Landgericht.

Peißenberg - Am 11. Februar 2016 soll Bernhard M. (42, Name geändert) einen Stapel Geschäftsunterlagen geholt und angezündet haben – und zwar im Gastraum seiner „CariBar“ in der „Rigi Rutsch’n“ in Peißenberg. Dann habe er die Tür hinter sich zugesperrt und das ganze Lokal in Flammen aufgehen lassen.

Der Pächter selbst soll es also gewesen sein, der das Gebäude vor drei Jahren zerstörte. Damit habe er die Versicherung betrügen wollen. So lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, denen sich M. seit gestern vor dem Landgericht München II stellen muss.

Angeklagter äußert sich weder zur Tat noch zu seinem Leben

Der Angeklagte, Vollbart, Brille, brauner Pulli, schwieg zum Prozessauftakt. Er saß stoisch auf der Anklagebank - und äußerte sich weder zur Tat noch zu seinem Leben. Er ließ allerdings über einen seiner beiden Verteidiger eine Erklärung abgeben. In dieser bestreitet M. die Vorwürfe der besonders schweren Brandstiftung und des Betruges. Es gebe keinen Hinweis auf eine Brandstiftung. Die Gutachter hätten noch nicht einmal den Brandherd ausmachen können.

In der Erklärung ist auch von Baumängeln in der „Rigi-Rutsch’n“ die Rede. Ein technischer Defekt sei nicht auszuschließen. Laut Staatsanwaltschaft zerstörte der Brand die „CariBar“ fast vollständig. Der Gastraum, der Vorbereitungsraum und der Flur der Gaststätte brannten aus. Die Küche wurde schwer beschädigt. Im Gastraum barsten die Fenster, die Holzkonstruktion wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch das Feuer entstanden auch Rauch- und Wasserschäden im Bereich des Freizeitbades, sodass dieses das ganze Jahr 2016 geschlossen bleiben musste. Nicht zuletzt gefährdete M. laut Anklage auch 22 Badegäste und zwei Angestellte, da am Nachmittag des 11. Februars regulärer Badebetrieb herrschte. Der Schaden insgesamt: 1,2 Millionen Euro.

Lesen Sie auch: Sechs Jahre nach Besitzerwechsel: „Rigi-Center“ erstrahlt in neuem Glanz.

Auffällige Erhöhung der Versicherungssumme

Auffällig: Kurz zuvor erhöhte Bernhard M. die Summe der Betriebsausfallversicherung von 100 000 auf 300 000 Euro; außerdem bestand eine Inventarversicherung in Höhe von 30 000 Euro. Die Erhöhung der Versicherungssumme wurde mit einem erhöhten Jahresumsatz begründet. Dabei schrieb die „CariBar“ rote Zahlen. Die Verpächterin, die Marktgemeinde, kündigte am 28. Januar 2016 den Pachtvertrag wegen Zahlungsrückständen.

Nach dem Brand zahlte die Versicherung vorläufig 20 000 Euro aus der Betriebsausfallversicherung, dazu 10 000 Euro aus der Inventarversicherung. Doch mehr Geld gab es nicht - statt dessen wurden interne Ermittlungen eingeleitet. Auch die Frau von Bernhard M., die bei der Versicherung arbeitet, geriet ins Visier.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte auch gegen sie, das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Sie will sich im Prozess gegen ihren Mann angeblich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen.

Anwalt: „Keine Hinweise auf Täterschaft“

Nachdem Bernhard M. selbst nichts sagte, verlas der Vorsitzende Richter mehrere Dokumente, etwa den Lebenslauf.

In einem Schreiben eines Anwalts von Bernhard M. heißt es, dass es nach Auswertung aller Akten „keinen Hinweis auf die Täterschaft des Angeklagten“ gebe. Mehrere Ursachen könnten in Frage kommen, keine könne dem Angeklagten zugeordnet werden. M. hätte sich durch die Brandstiftung „selbst seiner Existenz beraubt“. Vielmehr hätten mehrer Personen ein Interesse daran gehabt, dem Angeklagten zu schaden.

Der Anwalt kritisierte auch das Verhalten des Marktes Peißenberg. Er habe alles „völlig umgestaltet“, sodass Gastronomie nicht mehr möglich sei. Für den Prozess sind bisher acht weitere Verhandlungstage angesetzt.

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