So könnte der Brückenschlag zwischen alter und neuer Bergehalde aussehen. 

Peißenberg: Schöner Plan für die Schublade

  • Bernhard Jepsen
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Reines Luftschloss oder realistisches Projekt? In der jüngsten Bauausschusssitzung wurde das Ergebnis der Vorplanung für einen Brückenschlag über die Schongauer Straße als Verbindung zwischen Alter und Neuer Bergehalde präsentiert. Im Gremium fand der Entwurf großen Anklang – wären da nur nicht die Finanzen.

Peißenberg – Kein Zweifel, eine Fuß- und Radwegebrücke zwischen der Alten und Neuen Bergehalde am Standort der früheren „Eisernen Brücke“ hätte nicht nur einen historischen Bezug, sie wäre auch ein Meilenstein in der infrastrukturellen Gestaltung von Peißenbergs Ortsmitte.

Im „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (ISEK) ist sie nicht umsonst ein zentrales Projekt. Schon seit vielen Jahren wird über den Brückenschlag diskutiert – mal mehr, mal weniger ernsthaft. Im Bauausschuss wurden nun die Ergebnisse der Vorplanung präsentiert, die eine Arbeitsgemeinschaft aus Ingenieuren, Architekten und Statikern im Auftrag der Gemeinde angefertigt hatte.

Der Leitgedanke: Die Brücke soll einen kulturhistorischen Kontext zur Bergbauzeit haben und, wie es Marktbaumeister David Oppermann formulierte, „räumlich erlebbar sein“.

Anders ausgedrückt: Die Fachwerkkonstruktion soll bei ihrer Begehung eine Assoziation zum Stollenbau vermitteln. Ein weiterer Grundgedanke der Vorplanung: Die 50 Meter lange und 52 Tonnen schwere Brücke soll die beiden Ortsteile „Wörth“ und „Dorf“ nicht künstlich trennen, sondern die Bergehalden verbinden, ohne an der Schongauer Straße eine „Torsituation“ zu erzeugen. Auf die Bestandsfundamente für etwaige Pfeiler wird in den Entwürfen deshalb verzichtet. Als Auflager sind lediglich zwei auf Kleinbohrpfählen gesetzte Widerlager vorgesehen.

Aber wie stehen die Chancen für eine baldige Realisierung des Projekts? Schlecht. Marktbaumeister Oppermann sprach im Ausschuss einen „unerfreulichen Punkt“ an – nämlich die Kosten. Der Bauwerksaufwand wird auf knapp 810 500 Euro geschätzt. Doch damit nicht genug. Hinzugerechnet werden müssen noch die Baunebenkosten, sodass man bei einem geschätzten Gesamtbetrag von etwas mehr als 975 000 Euro landen würde. Ob und in welcher Höhe die Gemeinde eine Förderung für das Projekt erhalten würde, ist ungewiss – genau wie der finanzpolitische Handlungsspielraum der Kommune nach der Corona-Krise.

Die Rathausverwaltung formulierte für den vorberatenden Ausschuss deshalb einen unmissverständlichen Beschlussvorschlag an den Marktrat: „Der Vorentwurf wird zur Kenntnis genommen. Die derzeitige wirtschaftliche Situation verpflichtet den Markt, freiwillige Aufgaben wie den Bau einer Übergangsbrücke für Fußgänger und Radfahrer zwischen der Alten und Neuen Bergehalde zurückzustellen.“

Ebenso klar brachte es Bauamtsleiter Bernhard Schregle im Verlauf der Ausschusssitzung auf den Punkt: „Wir haben einen Schubladenplan.“ Bernd Schewe (SPD) und Jürgen Forstner (Freie Wähler) fragten in der Ausschussdebatte nach, ob nicht auch eine billigere Planvariante entwickelt worden sei. Oppermann schüttelte den Kopf: „Wir haben nach einem Bauwerk gesucht, das zu Peißenberg und seiner Geschichte passt. Es ist auch angemessen, dort ein entsprechendes Bauwerk zu errichten – es handelt sich immerhin um die Ortsmitte.“

Inhaltlich war der Ausschuss von der Vorplanung recht angetan: „Das gefällt mir wirklich sehr gut“, erklärte Matthias Bichlmayr (Grüne). Aber Pflichtaufgaben hätten momentan eindeutig Vorrang: „Wenn es wirtschaftlich wieder geht, dann sehr gerne.“

So sah es auch Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung): „Ein Projekt von einer Million Euro ist dem Bürger in der aktuellen Situation nicht zu verkaufen.“ Der Ausschuss schloss sich letztlich einhellig dem Beschlussvorschlag der Verwaltung an – wenn auch zähneknirschend: „Ich hoffe, dass wir irgendwann den Plan aus der Schublade herausholen und dieses tolle Projekt betreiben können“, erklärte Bürgermeister Frank Zellner (CSU).

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