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Werbung für das „teilAuto“ in Peißenberg.

Sorgen um CarSharing-Standort in Peißenberg - jetzt werben Nutzer um Nachahmer

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Das CarSharing in Peißenberg steht auf der Kippe. Es gibt zu wenige Teilnehmer. Besorgte Nutzer haben jetzt die Initiative ergriffen und werben für das Angebot.

Peißenberg – In Peißenberg steht seit Juli 2017 ein besonderes Auto auf dem Bahnhofsparkplatz: Der Verein ÖkoMobil Pfaffenwinkel ist dort mit seinem CarSharing-Projekt „teilAuto“ präsent. Eigentlich eine praktische Sache – die jedoch zu selten genutzt wird,wie Geschäftsführer Martin Heinz unlängst gegenüber der Heimatzeitung einräumte. Die derzeit zehn Nutzer in der Marktgemeinde reichen nicht aus, um das Defizit zu decken. Der Verein kalkuliert mit zwölf bis 15 Fahrern, damit sich der Wagen lohnt. 2018 lief laut Heinz ein Minus von rund 4000 Euro auf, für heuer rechnet der Geschäftsführer mit einem Defizit von um die 450 Euro monatlich. Der Verein denkt deshalb ernsthaft darüber nach, den Standort aufzugeben. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine Schließung angeraten“, hatte Heinz gemahnt.

Drohendes Aus für Carsharing schreckt Nutzer auf

Die Meldung schreckte einige Nutzer auf. Sie wollen den „teilAuto“-Standort retten – und rühren dafür kräftig die Werbetrommel. Wie Monika Reischer. Die 75-Jährige wohnt in Wörth, ist täglich mit ihrem roten Damenrad in der Marktgemeinde unterwegs und setzt ansonsten voll auf CarSharing. Reischer war vor zwei Jahren eine der ersten Teilnehmerinnen in Peißenberg gewesen. Sie hatte damals nach einem „Unfall mit Totalschaden“ ihren Wagen verkauft und war auf das Auto zum Teilen umgestiegen. Es war eine Entscheidung aus Überzeugung: „Ich habe schon früher in Weilheim mitgemacht“, sagt die Peißenbergerin.

Carsharing in Peißenberg: Seniorin nutzt Auto einmal pro Woche

Gerade für Senioren sei es eine gute Alternative zum eigenen Fahrzeug, ist die 75-Jährige überzeugt. „Ein Mal in der Woche“ nutzt sie das Angebot. Meist geht es zum Einkaufen oder auf Besuche. „Das kombiniere ich dann.“ Ab und zu fährt Reischer zu ihrer Schwester, die in Penzberg wohnt. Sie genießt die praktische Handhabung des etwas anderen Leihwagens. Obwohl sie erstaunte Blicke im Bekanntenkreis erntet, weil sie ihren Privatwagen aufgab. „Sie gucken mich immer so verständnislos an.“

Peißenberger über Carsharing: Wenn es mit dem ÖPNV nicht geht

Auch Stefan Hoiß nutzt das „teilAuto“. Der Peißenberger bucht den Wagen, wenn es mit dem ÖPNV nicht mehr geht. Gerade „am Wochenende ist mit den Öffentlichen nichts los“, sagt der 67-Jährige mit Blick auf Verwandtenbesuche oder kulturelle Veranstaltungen in der Region. Hoiß und seine Frau Uschi Sorg sind grundsätzlich konsequent, was den Individualverkehr betrifft: Sie haben seit zwei Jahren kein eigenes Auto mehr. Es habe sich nicht mehr gelohnt. „Alles, was mit Zug und Radl nicht zu machen ist, erledigen wir mit dem Teil-Auto“ erklärt Hoiß, der ansonsten jährlich rund 3500 Kilometer mit dem Zweirad zurücklegt. Auch zur Arbeit nach Weilheim radelt er. Der eigene Wagen fuhr letzten Jahr nur 800 Kilometer. „Das war kein Fahrzeug, sondern ein Stehzeug“, sagt Hoiß. Der Umstieg auf CarSharing fiel dementsprechend leicht. „Das ist ein praktischer Beitrag für den Klimaschutz“, ergänzt Ehefrau Uschi Sorg.

Carsharing-Anbieter gewährt Gnadenfrist

Nutzerin Monika Reischer jedenfalls hofft, dass es das „teilAuto“ weiterhin in Peißenberg steht: „Es wäre schade, wenn es das nicht mehr geben würde.“ Der Verein, der 20 Fahrzeuge an acht Standorten im Oberland hat, räumt dem Standort eine weitere Gnadenfrist ein. „Aber wir schauen uns die Entwicklung genau an“, sagt Geschäftsführer Heinz. Sollte der Platz am Bahnhof wirklich aufgegeben werden, steht für die Marktgemeinde eine Alternative im Raum: Die Wohnbau Weilheim denkt bei der Nachverdichtung des Barbarahofs in Wörth auch an Carsharing-Angebote. Die „teilAuto“-Anhänger Reischer und Sorg machen derweil Werbung für den Verein: Sie verteilen Infoflyer in Peißenberg.

Infos zum Verein ÖkoMobil auf https://www.carsharing-pfaffenwinkel.de/.

Lesen Sie auch: Huglfing will bei CarSharing einsteigen

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