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In dieser Mulde hat der Campingplatzwart Raimund Stark den völlig unterkühlten Senior gefunden.

Nach über 24 Stunden im Freien

Dramatische Suche: Campingplatz-Mitarbeiter findet Vermissten kurz vor dem Erfrieren

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Es ist die Heldengeschichte des Tages: Über 24 Stunden war ein Peißenberger spurlos verschwunden - bei zweistelligen Minusgraden. Nur der Hilfe zweier Männer ist es zu verdanken, dass er noch lebt.

Peißenberg - Die Meldung kam am Sonntag spät abends von der Polizei: In Peißenberg war ein 83-Jähriger am Nachmittag vom Seniorenheim aus auf einen Spaziergang aufgebrochen und nicht heimgekehrt. Der Mann war bekannt dafür, ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen und ist laut Polizei physisch und psychisch fit. Bisher war er auch immer wieder zurückgekehrt.

Besonders weil es so bitterkalt war in der Nacht auf Montag, startete die Polizei eine großangelegte Suchaktion. Hubschrauber, Polizisten, BRK und Wasserwacht sowie Hundestaffeln waren im Einsatz - vergeblich. Am Montag war der Senior nach wie vor verschwunden, die Hoffnung, ihn lebend zu finden, sank von Minute zu Minute. 

Auch Reiter können den Vermissten nicht finden

Die Polizei schickte eine Reiterstaffel aus Rosenheim los, um noch einmal aus einem anderen Blickwinkel nach dem Mann zu suchen. Doch auch diese Helfer konnten ihn nicht aufspüren. Am Montagnachmittag dann die erlösende Nachricht: Der Peißenberger wurde gefunden - nach über 24 Stunden im Freien, in einer Mulde, lebend, ansprechbar, aber stark mitgenommen. 

Peißenberger vermisst - die Suchaktion in Bildern

Nicht die Polizei hatte ihn entdeckt, sondern Raimund Stark, Platzwart des Peißenberger Campingplatzes. Der 65-Jährige war am Nachmittag noch einmal auf eigene Faust auf die Suche gegangen. „Ich habe mir gedacht, ich schaue mal lieber nach, ob er nicht irgendwo bei uns zusammengebrochen ist oder in den Fischweiher gestürzt ist“, erzählt Stark. Er geht auch die Wiese zwischen Campingplatz und der Bundesstraße zwischen Weilheim und Peißenberg ab - und schaut in einem Moment zufällig in eine Mulde, die bei starkem Regen eine Überschwemmung des Geländes verhindern soll. 

Die Hände hatte der Vermisste wie zum Gebet gefaltet

„Plötzlich sehe ich etwas Buntes und schaue genauer hin.“ Da lag der Vermisste auf der Böschung der Mulde. Aber: „Für mich war er tot.“ Die Hände wie zum Gebet über der Brust gefaltet, der Blick „kalt“ und in die Ferne gerichtet. Gerade als Stark den Besitzer des Campingplatzes Manfred Fischer anruft, um ihm zu sagen, dass er den Mann gefunden hat, bemerkt er eine Bewegung der Finger. Der Platzwart erschrickt zunächst, reagiert dann aber blitzschnell. „Ich habe Manfred sofort gesagt, er soll einen Sanka rufen.“

Bis der eintrifft, spricht Stark mit dem 83-Jährigen, erklärt ihm immer wieder, dass gleich ein Arzt kommt. „Er hat mich angeschaut und auch verstanden.“ Campingplatzbesitzer Fischer eilt hinzu und legt dem Mann eine Decke über. Als ein Rettungshubschrauber den völlig Unterkühlten in ein Krankenhaus fliegt, bleiben die beiden Männer wie unter Schock zurück. „Wahnsinn, wie konnte er so lange überleben?“, hat sich Stark gefragt.

Retter kann die ganze Nacht nicht schlafen

Einen Tag später ist Stark immer noch beeindruckt von den Ereignissen am Montag. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Er fragt sich immer wieder, wie der Senior so lange bei diesen eisigen Temperaturen durchhalten konnte. „Und wir jammern, wenn‘s uns ein bisschen friert.“

Warum der Mann in der Mulde lag, ob er gestürzt ist oder sich dorthin zurückgezogen hat, um sich vor dem beißenden Wind zu schützen, kann die Polizei nicht sagen. „Wir konnten ihn noch nicht befragen“, so Bernd Schewe von der Weilheimer Polizei. Der Peißenberger befinde sich noch in intensiv-medizinischer Betreuung. Aber er lebt. Und das hat er nur Raimund Stark und Manfred Fischer zu verdanken.

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