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Wird eine Gemeinwohl-Ökonomie-Gemeinde: der Markt Peißenberg. 

Marktrat fasst Beschluss zu Gemeinwohl-Ökonomie-Gemeinde

„Wirtschaftsmodell der Zukunft“ für Peißenberg

Peißenberg wird Gemeinwohl-Ökonomie-Gemeinde. Das hat der Gemeinderat in einer Sondersitzung am Dienstagabend beschlossen. Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus.

Peißenberg – Am Ende war eine Stimme das Zünglein an der Waage: Mit zehn Ja- und neun Nein-Stimmen sprach sich der Peißenberger Gemeinderat dafür aus, Gemeinwohlökonomie (GWÖ)-Gemeinde zu werden. Dieser Entscheidung war ein längerer Prozess vorangegangen, der bei einer Info-Veranstaltung der Bürgervereinigung zum Thema „Gemeinwohl- Ökonomie, ein Wirtschaftsmodell der Zukunft“ im Oktober des vergangenen Jahres begonnen hatte.

Nachdem sich der Marktgemeinderat in mehreren Sitzungen bereits mit dem Thema „Gemeinwohl-Ökonomie“ (GWÖ) beschäftigt hatte, wurde eine Sondersitzung für die Entscheidung anberaumt, ob Peißenberg sich den Werten der GWÖ (siehe Kasten) verschreiben will oder nicht.

18 Marktgemeinderäte und Bürgermeisterin Manuela Vanni waren dazu am Dienstagabend in den Sitzungssaal des Peißenberger Rathauses gekommen, auch Alexander Rossner, Mitglied im Vorstand von GWÖ-Bayern, war eingeladen. Doch bevor die Diskussion begann, informierte der Direktor der „Herzogsägmühle“, Wilfried Knorr, über die Einführung und Umsetzung der GWÖ in seinem Betrieb.

Er habe in einem Urlaub im Jahr 2014 das Buch des GWÖ-Papstes Christian Felber zum Thema gelesen und sei sofort überzeugt gewesen. Im vergangenen Jahr habe Herzogsägmühle zum ersten Mal eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Durch das Bekenntnis zur GWÖ und die Beschäftigung mit deren Werten sei viel Positives in Gang gekommen, zum Beispiel fühlten sich vor allem die jüngeren Mitarbeiter mehr an das Unternehmen gebunden.

Bei der Diskussion gab es viele kritische Stimmen zur Einführung der GWÖ in Peißenberg: „Ich wollte darauf hinweisen, dass sehr viel Arbeit dahintersteckt“, sagte Vanni zum Thema „GWÖ-Bilanz“. „Mich stört, dass ich einem Verein beitreten muss“, sagte Walter Wurzinger (CSU/Parteilose).

Auch Rudi Mach (Peißenberger Liste) mahnte zur Vorsicht: „Es hört sich alles gut an, aber man sollte nicht zu euphorisch sein.“ Ihm sei das alles noch zu unausgegoren. Auch die zweite Bürgermeisterin, Sandra Rößle (CSU/Parteilose), äußerte sich kritisch: „Für mich ist das alles noch nicht schlüssig.“ Sie habe Bedenken, dass die freie, soziale Marktwirtschaft ausgehebelt würde.

Dafür, die GWÖ in Peißenberg einzuführen, machte sich Robert Halbritter (SPD) stark: „Es gäbe so viele Punkte, die wir sehr einfach verbessern könnten.“ Matthias Reichhart (Peißenberger Bürgervereinigung) stieß ins selbe Horn: „Wenn wir den Beschluss fassen, ist nichts kaputt und es kostet nichts.“

Schließlich stimmte der Gemeinderat zwar für die Einführung der GWÖ, doch zunächst tritt Peißenberg dem Verein nicht bei. Im kommenden Jahr soll nach einem Projekt geschaut werden, das dann nach den GWÖ-Richtlinien durchgeführt werden soll. Zudem will sich die Marktgemeinde an eine Hochschule wenden, mit dem Ziel, Unterstützung in Form einer begleitenden Bachelor-Arbeit zu erhalten.

Kathrin Hauser

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