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Sie sitzen für die Peißenberger Liste im Marktgemeinderat: (v.l.) Uli Mach, Peter Guffanti, Hans Fischer, Stephanie Träger, Bürgermeisterin Manuela Vanni, Werner Hoyer und Rudi Mach. Das Foto entstand 2014. 

Halbzeitbilanz: Drei Jahre nach der Kommunalwahl

Peißenberger Liste ist noch in der „Lernphase“

2014 war die Peißenberger Liste erstmals zur Kommunalwahl angetreten und holte auf Anhieb sechs Sitze. Sie will zu einer dauerhaften Einrichtung werden.

Peißenberg – Als Manuela Vanni und Rudi Mach zur Kommunalwahl 2014 die „Peißenberger Liste“ (PL) aus dem Boden stampften, wurden sie noch spöttisch belächelt. Unter anderem war von „Rudis-Resterampe“ die Rede oder von „Bürgermeisterinnen-Wahlverein“. Doch am Ende feierte die PL einen herausragenden Wahlerfolg. Vanni behielt nicht nur ihren Chefsessel im Rathaus, man holte dazu noch sechs Gemeinderatsmandate – und das ohne konkrete, programmatische Aussagen.

Auch drei Jahre später zur Halbzeit der Amtsperiode fällt es objektiv schwer, die PL inhaltlich zu beurteilen. Anders als zum Beispiel die Fraktionen von CSU/Parteilose oder SPD kann man die Liste nicht ohne Weiteres einer politischen Grundgesinnung zuordnen. Vanni indes sieht darin genau die Stärke der PL: „Wir decken ein breites Spektrum ab. Wenn es unterschiedliche Richtungen gibt, dann tut das der Kommunalpolitik nur gut“, meint die Rathauschefin. PL-Fraktionschef Werner Hoyer spricht im gleichen Zusammenhang von „Meinungsvielfalt“ – wobei er sich aber doch auf eine politische Justierung einlässt: „Wir sind die Mitte“, sagt Hoyer.

Aber was hat die PL im Marktrat konkret bewirkt, wofür steht sie? Bei Diskussionen im Gremium hält sich die PL meist auffallend zurück. Man könnte das als farblos bezeichnen, Hoyer interpretiert es anders: „Sachkompetenz zeigt sich nicht in der Lautstärke der Argumentation“, betont er: „Wenn ich der Meinung bin, dass andere Fraktionen gute Argumente haben, dann muss ich sie nicht noch wiederholen.“

Hoyer räumt allerdings ein, dass sich die PL noch in der „Lernphase“ befindet. Die Einarbeitung in die Ratsarbeit empfindet er für Neulinge als schwierig – „weil die Themen so vielfältig und umfangreich sind“. Die PL setzt sich laut Hoyer für „das Wohl und den Fortschritt unseres Ortes“ ein. Das klingt schön, aber nicht sonderlich konkret. Hoyer nennt es „flexibel“ – „was aber nicht heißt, dass wir unser Fähnchen nach dem Wind richten“. Zum Teil würde auch noch das Hintergrundwissen fehlen: „Vieles ist Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass unser Programm in drei Jahren anders aussehen wird als 2014“, sagt Hoyer.

Ja, es soll mit der PL auch nach der Kommunalwahl 2020 im Marktrat weitergehen – und zwar unabhängig von Personen. Ob sich Vanni um eine dritte Amtszeit als Rathauschefin bewirbt, ist noch offen und soll 2018 geklärt werden: „Das wird keine einfache Entscheidung“, gibt die Bürgermeisterin zu. Über die Unterstützung ihrer Fraktion ist sie froh: „Wir passen gut zusammen. Es arbeitet sich mit einer eigenen Gruppierung im Rücken ganz anders.“ Vanni hat auch andere Zeiten erlebt, als sie 2011 das SPD-Parteibuch zurückgab und sich im Marktrat als Einzelkämpferin behaupten musste.

Doch „Friede, Freude, Eierkuchen“ herrscht auch bei der PL nicht: „Das wäre gelogen – und wo gibt es das schon“, erklärt Hoyer, der sich auf die Frage nach seinem Meinungsbild über Vanni mit der Antwort viel Zeit lässt: „Wie soll ich es sagen? Sie hat wahnsinnig viele gute Seiten und viel Kompetenz – das unterstützen wir gerne. Aber in einzelnen Dingen wünsche ich mir, dass sie unsere Ratschläge mehr in Anspruch nimmt.“

In die Kritik geraten ist die PL in letzter Zeit wegen Peter Guffanti, der die Liste neben Rudi Mach im Verwaltungsrat der Gemeindewerke vertritt. Guffanti, der ein Sportstudio mit Sauna betreibt, entscheidet damit im Kontrollorgan des Kommunalunternehmens (KU) auch über die Zukunft der „Rigi-Rutsch’n“ und deren Wellness-Bereich. Manche sehen darin eine Interessenskollision. Wäre es aus Sicht der PL nicht geschickter, Guffantis Verwaltungsratssitz personell anders zu besetzen, um keinen Raum für Spekulationen zu lassen? Hoyers Antwort überrascht. Er hält den KU-Verwaltungsrat nämlich mit Markträten generell für „fehlbesetzt“: „Der Verwaltungsrat maßt sich Dinge an, die Auswirkungen für uns alle Gemeinderäte haben. Ich fühle mich da als Rat zweiter Klasse“, sagt Hoyer und verweist auf die Debatte um die „Rigi-Rutsch’n“: „Die Verwaltungsräte dürfen keine Infos an uns weitergeben. Aber von den Bürgern wird man trotzdem gefragt – und dann steht man da.“

Bernhard Jepsen

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