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So soll die Sandskulptur aussehen: Susanne Dirschowski (l.) und Claudia Reichhart mit ihrem Modell aus Ton. In Rorschach soll es auf sechs bis sieben Metern Länge und zwei Meter hoch aus Sand entstehen. 

Peißenbergerinnen machen bei Wettbewerb am Bodensee mit

Ein Abenteuer aus Sand

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Peißenberg - Die  Peißenbergerinnen Susanne Dirschowski und Claudia Reichhart nehmen am Sandskulpturen-Festival am Bodensee teil. Dafür müssen sie eine gewaltige Skulptur formen:

Susanne Dirschowski (35) und Claudia Reichhart (46) schmunzeln, als sie an 2005 zurückdenken. An ihre erste Teilnahme beim Internationalen Sandskulpturen-Festival im schweizerischen Rorschach, direkt am Bodensee. Bevor sie mit dem Schnitzen überhaupt beginnen konnten, mussten sie den Sand aufschaufeln. In zwei Tagen bewegten sie 14 Tonnen Material, das sie dann noch feststampften – der Sand musste schön fest sein, Zusätze, die ihn stabiler machen, waren und sind nicht erlaubt. „Das war so anstrengend“, sagt Reichhart. „Wir haben uns mit Voltaren wie mit Sonnencreme eingeschmiert.“ Und dann waren da die Besucher, die plaudern wollten – aber Reichhart und Dirschowski hatten Stress, innerhalb einer Woche musste ihr Kunstwerk fertig werden. Sie kauften sich große Hüte, die ihre Gesichter vor Blicken schützten. Und obwohl sie zwischendurch daran gezweifelt hatten – ihre Sandskulptur war rechtzeitig fertig. Das soll heuer wieder gelingen. Die Peißenbergerinnen treten zum zweiten Mal als Duo bei dem Festival an. Am Samstag, 13. August, geht’s los.

Beide freuen sich wahnsinnig darauf. Schließlich ist ihr Premierenauftritt elf Jahre her. In den Jahren danach wurden beide Frauen Mütter – eine Woche in die Schweiz zu fahren und stundenlang mit Sand zu arbeiten, wurde schwierig. „Jetzt ist es das erste Mal, dass es wieder geht“, sagt Reichhart. Also bewarben sich die beiden und wurden eingeladen. Das Thema lautet „Die wahren Abenteuer sind im Kopf, sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo“. Den Frauen kamen gleich Kinder in den Sinn. „Die können mit einem Stein spielen und erleben Abenteuer“, sagt Reichhart. Dirschowski, die Kunstlehrerin in Sonthofen ist, brachte ihre Leidenschaft für Origami ein – und so entwickelten die Frauen die Idee für ihre Skulptur: Ein Kind kniet und pustet so kräftig, dass sich Wellen auftürmen, die ein Papierschiff in die Höhe heben. Etwa einen Meter ist das Modell aus Ton lang – und umfasst damit nur einen Bruchteil der Größe, die die Sandskulptur später haben wird. Sechs bis sieben Meter lang und zwei Meter hoch soll das Kunstwerk in Rorschach werden. Ein Probelauf in diesem Ausmaß war im heimischen Garten nicht möglich – Dirschowski hat aber Sand von ihrem Hausbau aufbewahrt. „Damit üben wir das Gesicht und das Schiff“, sagt sie.

Das muss als Vorbereitung reichen. Die Peißenbergerinnen sind als Bildhauerinnen ohnehin erfahren. Sie haben sich bei ihrer Ausbildung an der Schnitzschule in Oberammergau kennengelernt. Seit 2005 bilden sie die Künstlergruppe „dietreppe“. „Gerade schnitzen wir gemeinsam einen zwei Meter großen Gartenzwerg aus Eiche“, sagt Dirschowski. Der muss nun warten, wenn die beiden Frauen sich dem Sand widmen. Mit diesem zu arbeiten, „ist faszinierend“, sagt Dirschowski. Eine Parallele zum Holz gibt es aber schon: „Was weg ist, ist weg“, sagt Reichhart, die hauptberuflich Arzthelferin ist.

Als sie 2005 erstmals mit Sand arbeiteten, bekamen die beiden Frauen viele Tipps von den anderen Teams. „Die waren supernett“, erinnert sich Dirschowski. Die Teilnehmer kamen damals aus der ganzen Welt – das ist heuer nicht anders. Die Peißenbergerinnen treffen unter anderem auf Amerikaner, Holländer und Letten. „Da sind Profis dabei“, sagt Reichhart. Den Jury- oder Publikumspreis zu bekommen, wird schwer. Das wissen beide. Darum geht’s den Peißenbergerinnen auch nicht. Es geht um das Erlebnis und den Spaß – für Teilnehmer wie für Zuschauer. Das Festival, das vor elf Jahren noch „überschaubar war, ist jetzt riesengroß geworden“, sagt Dirschowski. Aus diesem Grund sind neben Voltaren und Hüten auch eine ordentliche Portion Nervosität im Gepäck – die liegt gleich neben der riesigen Vorfreude.

Weitere Informationen

zum Sandskulpturen-Festival vom 13. bis 20. August in Rorschach (Schweiz) gibt’s unter www.sandskulpturen.ch.

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